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Der Faulbaum (Rhamnus frangula) ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Kreuzdorngewächse, welche in Strauchform häufig in unseren heimischen Wäldern zu finden ist.

Der Name Faulbaum geht dabei auf den Fäulnisgeruch der Rinde zurück, der besonders intensiv wahrzunehmen ist, wenn man die Rinde mit dem Fingernagel abschabt. Der typische unangenehme Duft der Faulbaumrinde wurde früher genutzt, um Motten von den Kleidern fernzuhalten. Hierzu legten die Menschen frische abgeschälte Rindenstücke inzwischen die Kleidungsstücke. Dies war zwar ein wirksames Mittel, um die Klamotten vor Mottenverbiss zu schützen, allerdings nahmen die Kleider auch den fauligen Geruch der Rinde auf.

Dieser Fäulnisgeruch ist auch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal des Faulbaumes. Aufgrund seiner Erscheinung kann der Faulbaum leicht mit der Traubenkirsche verwechselt werden, die dem Faulbaum ähnliche Blattform, Blüten und Früchte hat. Die abgeschabte Rinde der Traubenkirsche duftet zwar auch intensiv, ihr Aroma erinnert aber mehr an Marzipan. Der Faulbaum hingegen wartet mit seinem unverwechselbaren Fäulnisgeruch auf. Eine weitere Möglichkeit der Unterscheidung ist der Blattrand: Beim Faulbaum sind die Blattränder glatt, die Traubenkirsche hat einen leicht gezahnten Blattrand.

Die Rinde des Faulbaums wird auch in der Pflanzenheilkunde angewandt. Als Frangulae cortex wird die Rinde pharmazeutisch als Abführmittel genutzt. Die Hauptanwendung der Rinde ist daher bei kurzzeitigen Verstopfungen.  Verantwortlich für die pharmakologische Wirkung sind Glucofranguline. Daneben enthält Faulbaumrinde Frangulaemodinglykoside, Gerbstoffe und Peptidalkaloide. Da die Wirkstoffe in der frischen Rinde chemisch gebunden sind und erst durch chemische Zersetzungsprozesse freigesetzt werden, muss die Pflanzendroge entweder in der Sonne getrocknet und anschließend 1 Jahr gelagert oder aber künstlich durch Erhitzen auf 80 °C – 100 °C gealtert werden, um eine wirksame Medizin zu erhalten.

Der Faulbaum ist auch unter den Namen Pulverholz oder Schießbeere bekannt. Diese Namen gehen auf die Verwendung des Holzes zur Schießpulverherstellung zurück. Die aus Faulbaumholz hergestellte Holzkohle hat einen äußerst geringen Aschegehalt, was sie früher zu einem besonders geeignetem Rohstoff bei der Herstellung von Schwarzpulver gemacht hat. Es ist aber auch möglich, dass der Name Schießbeere nicht auf das Wort Schießen zurück geht, sondern als Schietbeere oder Scheißbeere ursprünglich die abführende Wirkung der Rinde beschrieben hat.

Darstellung des Faulbaums aus Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Der Faulbaum hat zwittrige grünlich-weißliche Blüten, die von Hummeln, Bienen, Schlupfwespen und verschiedenen Käfern bestäubt werden. Nach der Bestäubung bilden sich kleine bis 8 mm große Steinfrüchte, die zunächst grün später im Reifeprozess rot werden und bei vollständiger Reife schwarz sind. Die Blütezeit beginnt im Mai und reicht bis in den September. Der Baum bildet dabei immer wieder neue Blüten. So finden sich an einem Baum oftmals Blüten und Früchte in verschiedenen Reifezuständen gleichzeitig. Die ersten reifen Früchte finden sich ab August an den Bäumen, verbleiben aber bis in den Dezember am Baum, bevor sie herabfallen. Die Früchte werden gerne von verschiedenen Vogelarten gefressen, die so für die Verbreitung der Samen sorgen.

In der Literatur werden sämtliche Teile des Faulbaums als leicht giftig eingestuft. Die Giftwirkung gleicht dabei aber der pharmazeutisch genutzten Wirkung des Baumes. Der Konsum von Blättern, Rinde, Blüten oder der unreifen oder reifen Früchte kann zu Übelkeit und Erbrechen sowie zu starkem Durchfall führen. Da für diese Wirkung aber große Mengen an Pflanzenmaterial aufgenommen müssen, sind Vergiftungen selten.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen, 1897, gemeinfrei

Vor kurzem erschien die Ausgabe Nummer 12 des Magazins Lucys Rausch. Lucys Rausch ist ein Magazin für psychoaktive Kultur aus dem Nachtschatten Verlag. In dieser Ausgabe findet sich auch ein Artikel von mir über psychoaktiven Honig.

Mein Artikel Honigsüßer Rauschgenuss befindet sich auf S. 36 – 40 und gibt einen kurzen Einblick in die Thematik rund um psychotrope Honigsorten und deren Stellung in Geschichte, Kultur und Moderne.

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Neben meinem eigenen Artikel finden sich in dieser Ausgabe natürlich auch viele weitere interessante Artikel. Mit dem Schwerpunktthema Hanf in dieser Ausgabe beleuchten verschiedene Autoren die unterschiedlichen Aspekte rund um die Cannabiskultur: Hanf als Heilmittel, Entheogen und Rauschdroge.

Lucys Rausch ist ein modernes Gesellschaftsmagazin und beleuchtet die interdisziplinäre Thematik rund um sämtliche psychoaktiven Drogen aus verschiedensten Blickwinkeln – in Form von Reportagen, Interviews, Berichten, Features und Bildern. Neue Entwicklungen, Kunst, Musik und Literatur gehören ebenso zum Spektrum, wie Drogenpolitik und Konsumgewohnheiten von damals bis heute.

Lucys Rausch bringt Hintergrundwissen zu Ethnobotanik, Wissenschaft und Kultur rund um psychoaktive Substanzen, die in sämtlichen gesellschaftlichen Schichten und allen Altersklassen Thema sind.

Lucys Rausch informiert über Herkunft, Anwendung und Geschichte einzelner Substanzen – von der sakralen Ritualpflanze bis hin zum alltäglichen Gebrauch geistbewegender Moleküle – und berichtet auch über nicht pharmakologisch induzierte Bewusstseinsveränderungen.

Psychoaktive Substanzen sind längst kein Nischenthema mehr. Sowohl die Heilwirkungen psychotroper Substanzen als auch ihr hedonistischer Gebrauch werden mehr und mehr gesellschaftsfähig. Der Schweizer Nachtschatten Verlag gibt dieser Bewegung mit dem Magazin Lucys Rausch eine seriöse und ansprechende Plattform. In jeder Ausgabe berichten hochkarätige Autoren fachlich kompetent über wichtige und aktuelle Themen und die Thematik rund um psychoaktive Kultur wird in einer ansprechenden Form einer breiten Masse an interessierten Lesern zugänglich gemacht. Lucys Rausch ist ein Statement an die Gesellschaft, dass die psychoaktive Forschung und Kultur sich nicht mehr im Untergrund verstecken muss.

Doch ein neues Printmagazin zu etablieren, in einer Zeit in der selbst langjährige, gestandene Printmedien aufgrund abnehmender Leserzahlen vor dem baldigen Untergang stehen, ist keine leichte Aufgabe. Schon gar nicht, wenn man es einem so kontroversen Thema widmet. Auch wenn die Thematik mehr und mehr im Munde der Gesellschaft ist und auch in seriösen Kreisen langsam ernst genommen wird, so ist die Leserschaft dennoch nur ein eher begrenztes Klientel. Psychoaktive Kultur ist zwar zunehmend gesellschaftsfähig aber leider noch längst kein alltägliches Gesellschaftsthema. Umso wichtiger ist es, hier ein handfestes und seriöses Medium zu bieten, welches nicht nur die moderne und schnelllebige Internetkultur anspricht. Und das Magazin aus dem Schweizer Nachtschatten Verlag schafft genau das: Es bietet sowohl Autoren als auch Lesern eine Plattform für detaillierte und umfangreiche Artikel, eingebettet in ein optisch und inhaltlich abgerundetes Gesamtkonzept. Lucys Rausch ist kein Magazin zum schnellen Durchblättern, sondern lädt ein zum Verweilen und vertieften Lesen.

Damit das Magazin langfristig existieren kann, ist es wichtig, dass genügend Abonnenten den Verlag mit einer verlässlichen Finanzierung unterstützen. Denn nur, wenn die Finanzierung langfristig sichergestellt ist, kann so ein Magazin weiterhin in gewohnt hochwertiger Qualität produziert werden. Und in Sachen Qualität bekommt man bei der Lucys Rausch wirklich etwas geboten: nicht nur inhaltlich begeistern kompetente Autoren mit lesenswerten und umfangreichen Artikeln, auch die Gestaltung und Aufmachung ist stets ansprechend, passend und auf höchstem Niveau. Mit über 100 Seiten an ausgesuchten Inhalten, bietet jede Ausgabe ein Sammelsurium an spannenden Themen. Auch haptisch unterscheidet sich die Lucys von anderen Szenemagazinen: Ein robuster Pappeinband, dickes Papier und eine hochwertige Produktion schaffen ein Endprodukt, dass mehr an ein Taschenbuch erinnert, als an eine Zeitschrift.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich mich meinem Artikel in der aktuellen Ausgabe einen Teil zu diesem wichtigen Projekt beitragen durfte und hoffe natürlich, dass das Magazin langfristig seinen Platz in der Welt der Printmedien behalten kann.

Mehr Informationen zum Magazin, Abo und weiteren Ausgaben gibt es unter:

www.lucys-magazin.com

Seit vielen Jahren bin ich ein regelmäßiger Besucher in den Wäldern der Palinger Heide. Nicht nur bei den unzähligen Kräuterwanderungen, die ich dort geleitet habe, sondern auch bei zahlreichen privaten Ausflügen und Spaziergängen habe ich dieses Naturgebiet mittlerweile sehr umfassend kennengelernt. Vieles ist über die Jahre gleich geblieben. Mit großer Sicherheit kann ich das Erscheinen bestimmter Pflanzenarten im Jahreslauf vorhersagen und sichergehen, dass bestimmte Heilpflanzen an manchen Stellen jedes Jahr aufs Neue auftauchen.

Manches verändert sich aber auch. Einige Pflanzen wurden im Laufe der Jahre weniger, andere mehr. Etwas, was ich besonders in diesem Jahr feststellen konnte, ist ein stark vermehrtes Auftreten von zwei speziellen Heilpflanzen.

Blüten des Gamander-Ehrenpreis

Die erste Pflanze ist der Ehrenpreis (Veronica spp.). Der Ehrenpreis war zwar keine unbekannte aber dennoch zumindest bisher eine seltene Erscheinung in den hiesigen Wäldern. In diesem Jahr jedoch kann man seine kleinen blau-lilafarbenen, zarten Blüten an zahlreichen Plätzen entdecken.

Der Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis)

Die Ehrenpreise sind eine sehr artenreiche Pflanzengattung, die etwa 450 verschiedene Arten enthält. Viele der Arten werden in der Heilkunde verwendet. Botanisch gehören sie zur Familie der Wegerichgewächse. Bei den meisten Arten handelt es sich um kleine, krautige Pflanzen mit vierzähligen weißen bis blauen oder lilafarbenen Blüten.

Die in der Heilkunde angewandten Arten enthalten als Hauptwirkstoffe Aucubin (dieser Wirkstoffe verleiht auch dem ebenfalls zur Familie der Wegerichgewächse gehörende Spitzwegerich seine Heilwirkung) Iridroidglykoside, Flavonoide, Saponine und Gerbstoffe.

Der Name Ehrenpreis geht laut einem Kräuterbuch aus dem Jahre 1500 auf die Lobpreisung eines Französischen Königs zurück, der mit einem aus Ehrenpreis gewonnen Saft von einer chronischen Hautkrankheit geheilt wurde. Weitere volkstümliche Namen lauten Wundheilkraut, Grundheilkraut, Allerweltsheil und Gewitterblümchen.

Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Viele der Namen deuten dabei auf die Heilwirkung der Pflanze hin. Der Name Gewitterblümchen geht dabei auf einen alten Volksglauben zurück, nach dem das Abpflücken dieser Pflanzen Regen oder Gewitter hervorrufen soll.

Die am häufigsten zu Heilzwecken genutzetn Arten sind der Gamander-Ehrenrpeis (Veronica chameadrys) und der Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis). Die Pflanzen werden hauptsächlich innerlich als Tee angewendet. Dabei sollen sie entzündungshemmend auf die Atemwege und auswurffördend wirken. Daher nutzt man den Ehrenrpreis gerne bei entzündlichen Erkankungen der Atemwege (Bronchitis) oder zum Lösen festsitzenden Schleims in der Lunge. Verantwortlich für die entzündungshemmende Wirkung sind dabei das Aucubin sowie die Gerbstoffe. Die Saponine hingegen erklären die schleimlösende Wirkung der Pflanze.

Auch eine äußerliche Anwendung der Pflanze ist bekannt. Extrakte aus der Pflanze werden bei entzündlichen Hautleiden (wie etwa Neurodermitis oder Schuppenflechte) genutzt. Sie sollen dabei entzündungshemmend und Juckreiz lindernd wirken. Auch hier sind wieder das entzündungshemmende Aucubin sowie die Gerbstoffe als Wirkstoffe zu nennen. Auch eine wundheilende Wirkung wird dem Kraut zugeschrieben. Hierzu wurden Umschläge aus dem zerhackten, frischen Kraut auf die Wunden gelegt.

Eine dritte Anwendung ist das Gurgeln des Tees aus der Pflanze. Die soll gegen Beschwerden wie Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen im Mund und Halsbereich helfen.

Die zweite Pflanze, die ich in diesem Waldgebiet in diesem Jahr sogar erstmalig erblicke, ist die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris). Bisher war mir die Pflanze nur aus Kräuterbüchern und botanischen Gärten bekannt. In freier Natur hatte ich sie noch nicht gesehen. Doch das änderte sich mit diesem Jahr. Wie von Zauberhand erscheinen an allerlei Orten nun die typischen Blütenstände des heilkräftigen Gewächses.

Blütenstand der Braunelle (Prunelle vulgaris)

Die Kleine Braunelle gehört zur Gattung der Braunellen (Prunella) innerhalb der Familie der Lippenblütler. Sie ist eine immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze. Die Pflanze wird 5 cm bis 30 cm hoch und hat einen beharrten Stängel an dem eliptisch bis eiförmige Blätter gegenständig angeordnet sind. Der Blattrand ist leicht gekerbt. Die Pflanze blüht von Juni bis Oktober. Der dicht gedrängte Blütenstand beinhaltet viele blaulila-farbene Einzelblüten. Selten finden sich auch Exemplare mit weißlichen Blüten.

Botanische Zeichnung der Braunelle

Der Name Braunelle erklärt sich aus der Anwendung als Medizin zur Behandlung von Diphterie im Mittelalter. Diese Krankheit wurde früher auch Bräune-Krankheit genannt, da sie faulige, weißliche bis gelblich-bräunliche Verfärbungen im Rachen hervorruft. Aber auch zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems und zur Behandlung anderer bakterieller und viraler Infektionen wurde die Braunelle angewendet. Als wirksame Inhaltsstoffe enthält die Braunelle Prunellin (ein Polysaccharid), Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide sowie verschiedene Terpene und Triterpene (ätherische Öle). Insbesondere der Wirkstoff Prunellin ist eine mögliche Erklärung für die antivirale Wirkung der Pflanzen. In einer Labor-Studie konnte sogar eine gewisse Aktivität des Wirkstoffes Prunellin gegen das HI-Virus nachgewiesen werden.

Die Braunelle wächst häufig in Gruppen

Viele lokale volkstümliche Pflanzennamen gehen auf die Anwendung der Pflanze zur Behandlung der Diphterie zurück. So heißt sie in manchen Orten auch Mundfäulkraut, Rachenheyl, Halskraut oder Mundfäulzapfen. Andere Pflanzennamen wie Selbstheil, Gottsheil und Immergsund deuten auf die allgemeine Heilwirkung auch bei anderen Leiden hin. Besonders im asiatischen Raum ist die Braunelle bis heute eine beliebte Heilpflanze bei vielerlei Leiden.

Wenn man sich die Heilwirkungen dieser beiden Pflanzen anschaut, kommen sie in der aktuellen Zeit gerade Recht. Zwei Pflanzen: eine die gegen entzündliche Erkrankungen der Atemwege hilft und eine die immunstärkend und antiviral wirkt. Was wäre während einer Pandemie einer hochansteckenden Viruserkrankung, die hauptsächlich die Lungen befällt, passender? Ist ihr vermehrtes Auftreten ein reiner Zufall oder steckt da doch mehr dahinter? Zumindest in früheren Zeiten waren sich die Kräuterkundigen sicher, dass Heilpflanzen vermehrt dann und dort auftauchen und wachsen, wo sie benötigt werden.

Mit unserem modernen, rein rationalem Weltbild ist so eine Vorstellung natürlich nicht zu vereinen. Doch was auch immer es ist, dankbar über eine so passende Medizin aus der Natur dürfen wir in jedem Fall sein. Und wer weiß, vielleicht ergeben zukünftige Studien ja auch eine offizielle Heilkraft aus der Natur gegen die neuartige Viruserkrankung.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis:

Karelj via Wikimedia Commons

Agnieszka Kwiecień, Nova, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Carl Axel Magnus Lindman, gemeinfreies Werk

Ivar Leidus, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, gemeinfreies Werk

Forest & Kim Starr, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

 

 

Die wilde unberührte Natur weckt in vielen Menschen eine Vorstellung von Freiheit, Entspannung und vor allem eines Ausgleichs zu unserer modernen, hektischen Welt und all den Problemen der menschlichen Kultur. Und in der Tat hilft uns der Kontakt zur Natur dabei uns an etwas Ursprüngliches und Großes anzubinden, unseren Stresslevel zu senken und uns auf uns selbst und ein Leben im Hier im Jetzt zu besinnen und dabei sämtliche Probleme des Alltags zumindest für einen Augenblick zu vergessen.

Doch die menschliche Kultur wäre nicht menschlich, wenn ihre negativen Auswüchse nicht auch in diese unbeschwerte Welt jenseits von Gut und Böse und jenseits von Ideologien, Wertvorstellungen und menschlichen Idealvorstellungen vordringen würde. Ein Phänomen, welches ganz besonders bei vermeintlichen Umweltschützern immer mehr mit erschrecken festzustellen ist, ist etwas, das ich gerne etwas provokant als Pflanzenrassismus bezeichne.

Mit Pflanzenrassismus meine ich die fragwürdigen Überzeugungen einiger Menschen, die sich als selbst deklarierte Naturschützer dem Ziel verpflichtet haben, alle fremdartigen Gewächse, alle ursprünglich nicht einheimischen Pflanzen, alle sogenannten Neophyten zu verteufeln, sie an ihrer Ausbreitung zu hindern und im Idealfall gänzlich auszurotten. Der Hass ist dabei in den meisten Fällen natürlich nicht persönlich gegen eine bestimmte Pflanzenart gerichtet. Natürlich mag man diese Pflanzen und sie haben ja auch ihre Daseinsberechtigung. Aber eben nicht hier in unserem Land. Sie sollen dort wachsen, wo sie herkommen.

Vertrocknete Blüten einer Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis). Ein gefürchteter Neophyt, wichtige Heilpflanze und Nektarquelle für hungrige Insekten

In Einzelarbeit oder groß angelegten Gruppenaktionen werden die fremdartigen Gewächse in wilder Natur herausgerissen und bekämpft. Mit einer hasserfüllten Zerstörungswut werden sogenannte Säuberungsaktionen durchgeführt, bei denen nicht selten sogar das selbstgesetzte Ziel verfehlt wird. Allzu häufig ist es um die botanische Kenntnis der „Naturschützer“ nämlich nicht besonders gut bestellt, sodass nicht nur die gefürchteten Neophyten herausgerissen werden, sondern auch einheimische Pflanzen, die den Zuwanderern ähnlich sehen. Im schlimmsten Falle werden dabei sogar einheimische Arten vernichtet, die aufgrund ihrer Gefährdung bereits unter einem besonderen gesetzlichen Schutz standen. Schon mehr als einmal sorgten eben solche Aktionen, für Schlagzeilen in den Medien.

Das indische Springkraut (Impatiens glandulifera): invasiver Schädling oder wichtige Bienenweide?

Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber zumindest bei mir läuten bei solchen Ideologien, Vorstellungen und Vorgehen die Alarmglocken. Die ideologischen Parallelen zu den dunklen Abgründen zwischenmenschlicher Grausamkeit in Vergangenheit und Gegenwart sind nicht von der Hand zu weisen und absolut erschreckend. Dort wo die Welt mit einem derart hasserfüllten Weltbild wahrgenommen wird, bei dem allein die Herkunft eines Wesens über sein Recht zu Leben entscheidet und wo mit politischen Hetzkampagnen großangelegte Säuberungsaktionen propagiert und angeregt werden, da ist es nicht weit, dass dieses Gedankengut sich von Pflanzen auch auf Menschen ausbreitet. Und wohin das führt, das hat uns die Geschichte schon mehr als einmal in all ihrer Grausamkeit gelehrt. Das ist eine Entwicklung, der wir mit aller Macht entgegenwirken sollten.

Auch das Kleine Springkraut (Impatiens pariflora) sehen viele lieber in seiner asiatischen Heimat. Doch Bienen lieben die Blüten, Kinder die explodierenden Samenkapseln und die Blätter sind lieblich und zart im Geschmack…

Genau aus diesem Grund widme ich den Neophyten bei meinen Kräuterwanderungen und Exkursionen immer eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Erklärung. Ich versuche aufzuzeigen, welche wunderbaren Eigenschaften ihnen innewohnen, welche Lücken sie in den Ökosystemen füllen, in denen sie sich ausbreiten, welchen Mehrwert sie nicht nur uns Menschen bringen und warum ihr Erscheinen in moderner Zeit aus erdgeschichtlicher Sicht etwas ganz normales ist. Dabei bringt jede einzelne Pflanzenart natürlich ihre ganz eigenen Besonderheiten mit sich und ihre Geschichten von Immigration in ferne Ökosysteme sind oftmals spannend. Und wenn wir anfangen uns die richtigen Fragen zustellen, dann rüttelt es ganz von allein an festgefahrenen Vorstellungen und negativen Ideen zum Thema Neophyten. Warum zum Beispiel sind unsere urdeutschen Kastanienbäume, die in keinem Biergarten fehlen dürfen, eigentlich keine bösen Neophyten, obwohl Sie hier im frühen Mittelalter noch gänzlich unbekannt waren und erst durch arabische und persische Reiter eingeschleppt wurden? Mit solchen und anderen erhellenden Fragestellungen kann man dem Pflanzenrassismus nach und nach die fehlende Rationalität enthüllen und so manchen Geist zum Umdenken bewegen. Sobald man beginnt die Dinge in größeren Maßstäben zu betrachten, wenn man längere Zeiträume berücksichtigt und Probleme ganzheitlich analysiert, dann kommt man nämlich unweigerlich zu dem Ergebnis, dass die Neophyten gar nicht die Ursache sind für die vermeintlichen Schäden und Gefahren, die man ihnen so oft anhängt. So konnte ich tatsächlich schon den ein oder anderen, der mit Beginn der Kräuterwanderung eine negative Haltung zu den Neophyten hatte, soweit aufklären, dass am Ende der Wanderung auch die zugewanderten Pflanzen in einem positiven und willkommenen Licht gesehen wurden.

Und das gibt mir dann doch wieder ein wenig mehr Hoffnung auch für das menschliche Zusammensein, denn wenn so eine Veränderung der Weltanschauung hin zum Positiven in Hinblick auf Pflanzen möglich ist, dann ist es das auch für menschliche Belange. In diesem Sinn möchte ich dazu einladen, die Natur mal einfach wahrzunehmen wie sie ist und dabei den eigenen Filter von Bewertung und Aufspaltung in Gut und Böse auszuschalten. In der Natur gibt es keine Moralvorstellungen, kein Gut, kein Böse. Die Natur ist. Punkt. Und das kann eine sehr heilsame Erkenntnis sein. Heilsam für uns selbst und heilsam für die Menschheit als Ganzes.

Text: Fabian Kalis

Bilder. www.pixabay.com

 

Nachdem es den bisherigen Mai nahezu jeden Tag geregnet hatte, hatte ich die Hoffnung auf einen Bienenschwarm im Schwarmmonat Mai eigentlich schon gänzlich aufgegeben. Die wenigen regenfreien Sonnenstunden im Mai reichten den Bienen lediglich für ihr täglich Brot. Genug Nektar für einen Honigüberschuss für die Frühjahreshonigernte oder eine starke Volksentwicklung konnte aufgrund des vielen Regens leider nicht gesammelt werden. Eine für den Mai typische Schwarmstimmung konnte ich bei meinen Bienen bei meinen bisherigen Durchsichten noch nicht erkennen.

Doch dann wurde es plötzlich doch noch schön, die beiden letzten Tag im Mai segnete uns das Wetter mit den fast schon vergessenen typischen heißen Sonnentagen. Das weckte nicht nur bei mir wieder die frühlingshafte Lebensfreude. Auch bei den Bienen blieb dieser Wetterwandel nicht unbemerkt. Von einem Tag auf den anderen zeigte sich auch bei den Bienen nun doch das erhoffte Frühlingstreiben des Schwarmmonats Mai. Der bisher nur zaghafte Flugverkehr wandelte sich förmlich über Nacht in ein wildes Treiben aus tausenden Bienen.

Und dann gab es doch tatsächlich auch noch einen Bienenschwarm im Mai. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Als ich am vorletzten Maitag mit meinen Kindern an einem meiner Bienenstände vorbeifuhr, sagte meine Tochter plötzlich: da hängt ein Bienenschwarm im Baum. Und in der Tat: in ungefähr 4 – 5 Metern Höhe hing eine dichte schwarze Traube aus Bienen an einem alten Holunder. Der erste Schwarm in diesem Jahr. Was für eine Überraschung. Und welch ein Glück, dass meine Tochter einen so aufmerksamen Blick hatte. Ich selbst hätten den Schwarm an diesem Tag wohl einfach übersehen.

Der Schwarm sollte dann natürlich kurzentschlossen eingefangen werden. Das Ganze war natürlich völlig unvorbereitet und ohne das passende Equipment dabei zu haben. Etwas unter Zeitdruck (eigentlich wollte ich meine Kinder bloß absetzen und musste schnell weiter zu einem Termin) wurden dann eine Leiter und ein Plastikeimer organisiert. Schnell stellte sich aber heraus, dass ich mit der Leiter nicht nahe genug an den Ast heranreichen würde, an dem der Bienenschwarm sich niedergelassen hatte. Also habe ich den Eimer an einem langen Stock befestigt, um von oben auf der Leiter bis unter den Schwarm reichen zu können. Mit einem zweiten Stock wollte ich so kräftig am Ast rütteln, in der Hoffnung, dass der Schwarm dann in den Eimer fällt und ich ihn unkompliziert vom Baum bekomme. Soweit der Plan. Zeitdruck, unpassende Ausrüstung und keine Zeit daran zu denken, was dabei schiefgehen könnte, sind nie eine gute Voraussetzung für ein gelungenes Vorhaben, wohl aber für eine abenteuerliche Geschichte… Aber lest selbst:

Ein Bienenschwarm im Holunder

So stand ich also barfüßig (wie immer), in sommerliche Kleidung und mit im Winde wehenden langen Haaren in ca. 3 Metern Höhe auf einer nassen Leiter, die an einen wackeligen alten Holunder lehnte und hielt mit einer Hand den Stock mit dem Eimer in die Höhe während ich mit der anderen Hand und dem sich dort befindenden Stock versuchte dem Ast mit den Bienen einen kräftigen Ruck zu geben. Soweit war auch alles gut. Der Bienenschwarm löste sich nach meinem Rütteln wie gewünscht vom  Ast. Die Hälfte der Bienenmasse landete sogar in dem dafür vorgesehenen Eimer. Die andere Hälfte aber verfehlte ihr Ziel. Statt in den Eimer regnete nun eine Traube aus verärgerten Bienen auf mich nieder. Sofort verfingen sich unzählige Bienen in meinen Haaren und meinem Bart. Auch wenn Bienen generell sehr friedlich Tiere sind und insbesondere Schwarmbienen vom Stechen nicht viel halten, so sehen Bienen, die sich im Wirrwarr aus Haaren verfangen, nachdem sie unsanft von ihrem sicheren Verbleib im Baum geholt wurden, die ganze Sache deutlich unentspannter. Während ich in diesem Zustand, dazu umkreist von einer Wolke wilder Bienen, in der einen Hand noch den Eimer mit den restlichen Bienen, langsam die Leiter runter kletterte, sammelte ich unzählige Stiche am Kopf. In stoisch imkerlicher Ruhe und Gelassenheit, stellte ich dann den Eimer zur Seite, begann die Bienen aus meinen Haaren zu entfernen und überblickte prüfend das Geschehen. War ich wenigstens erfolgreich? Hatte sich das schmerzhafte Abenteuer gelohnt?

Ein Blick in den Eimer zeigte ein wenig erfolgreiches Bild. Die Bienen saßen nicht als Traube zusammen, sondern verteilten sich überall an den Wänden und schienen wieder in Aufbruchstimmung. Ein Blick zurück an den Holunder zeigte, dass die wilde Wolke aus Bienen sich langsam wieder an ihrem Platz hoch oben im Baum sammelte. Das bedeutete, dass die Königin nicht mit im Eimer gelandet war und der Schwarmfang somit erfolglos.

Da ich aber einen leeren Bienenkasten in unmittelbarer Nähe stehen hatte, beschloss ich, die eingefangen Bienen dennoch einzusiedeln. Ich hatte die Hoffnung, dass diese Bienen die neue Bienenbehausung als würdiges Zuhause akzeptieren würden und den verbliebenen Bienen am Baum Bescheid geben würden. Hat ein Bienenschwarm einmal ein geeignetes neues Heim gefunden, so zieht er von ganz allein dorthin ein. Also entleerte ich den Eimer voll Bienen in den leeren Bienenkasten und hoffte auf ein gutes Gelingen.

Dann musste ich aber erstmal los zu meinem Termin. Zerstochen, mit noch ein paar toten Bienen im Haar kam ich dann mit nur 15 Minuten Verspätung fast noch pünktlich zu meinem Termin. Passenderweise ging es hierbei auch um Bienen, sodass ich gleich von meinem davor erlebten Abenteuer erzählen konnte. Als ich nach verrichteter Arbeit wieder zum Bienenstand zurückkam, war die Traube im Holunder verschwunden. Ein Blick auf den zuvor mit Bienen bestückten Bienenkasten zeigte Bienen, die im Flugloch ein und ausflogen und sich neu zu orientieren schienen. Auf den ersten Blick, sah es so aus, als hätte mein Plan doch noch funktioniert. Da ich das vermeintlich neue Bienenvolk aber nicht weiter stören wollte, habe ich auf eine weitere Durchsicht verzichtet. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob die Einsiedlung des Schwarms auf diese Art in diesem Fall wirklich erfolgreich war. Was für ein gelungener Abschluss für den ungewöhnlichen Wonnemonat Mai in diesem Jahr.

Wonnemonat Mai, Zeit der Sonnentage, Sommerlaune und Freiluftaktivitäten. In diesem Jahr aber machte das Wetter den Wonnemonat eher zu einem Wannenmonat… Regen, Kälte, Wind und noch mehr Regen prägten die Erscheinung des normalerweise warmen und strahlenden Frühlingsmonates. Die wenigen Tage, an denen es in diesem Jahr in diesem Monat mal einmal nicht geregnet hat, kann man an einer Hand abzählen. Und man braucht dabei noch nicht einmal den Daumen…  Nach der tristen Winterzeit, einem ohnehin verregnetem Frühling und all dem Wahnsinn unserer Zeit, habe bestimmt nicht nur ich mich auf den Mai gefreut. Endlich wieder Sonne tanken, draußen sein und die Natur genießen. Leider sah die Natur das in diesem Jahr anders. Das nagt am Gemüt. Und nicht nur bei uns Menschen. Auch bei den Bienen ist der Missmut über diese Wetterlage deutlich zu merken.

Für die Bienen sind Mai und Juni normalerweise der Höhepunkt in ihrer Jahresentwicklung. Die Anzahl der Arbeiterbienen, der gebauten Waben und die Größe des Brutnestes erreichen ihr Höchstmaß zur Sommersonnenwende. Bereits im Mai platzen die Völker förmlich aus allen Nähten. Frühlingsblüten blühen in einem bunten Meer aus tausend Farben und überall finden die fleißigen Insekten Nektar und Pollen. Jetzt ist auch die Zeit der Bienenschwärme. Die Völker teilen sich und bilden neue Kolonien. Es ist die Zeit der puren Lebensfreude sowohl für die Bienen als auch den Imker.

Doch in diesem Jahr konnten die Bienen kaum am reichen Tisch der Natur teilhaben. Die unzähligen Blüten des Frühlings, wie etwa Apfelblüte, Löwenzahn und Raps, blieben an vielen Tagen aufgrund des starken Regens unbesucht. Als Imker merkt man, dass auch die Bienen über diese Lage nicht sehr wohlgestimmt waren. Stichlustig und murrend begegneten die sonst friedlichen Damen jedem, der es zu dicht ans Flugloch wagte.

Doch was machen die Bienen eigentlich genau, wenn es regnet? Warum können Sie nicht auch bei Regen ausfliegen und die Blüten bestäuben? Was passiert eigentlich mit einer Biene, die während es Ausfluges vom Regen überrascht wird?

Auf die letzte dieser Fragen gibt es eine verblüffende Antwort: Bienen können nicht nass werden, wenn es regnet. Wenn die Regentropfen vom Himmel herabregnen, nehmen sie ordentlich an Fahrt auf. Die schweren Wassertropfen rasen in Richtung Erdboden. Dabei verdrängen Sie die Luft, die sich unter ihnen befindet. Es entsteht eine Druckwelle. Diese Druckwelle mag zwar für uns Menschen unbedeutend und minimal erscheinen. Für die leichten Bienen sieht die Welt aber ganz anders aus. Die Druckwelle, die ein herabfallender Wassertropfen unter sich vorweg schiebt, reicht aus, um eine fliegende Biene zu verdrängen. Wenn sich also ein Wassertropfen einer fliegenden Biene nähert, wird diese von der Druckwelle davongeschleudert, bevor der Wassertropfen sie berühren kann. Eine fliegende Biene kann also im Regen nicht nass werden. Ist das nicht verblüffend? Da die Bienen in einem Regenschauer aber von unzähligen Regentropfen umgeben sind, werden sie von Druckwelle zu Druckwelle umhergeschleudert. Ein koordinierter Flug ist dabei nicht möglich. Die Bienen verbrauchen eine große Menge an Energie, um ihre Flugbahn unter diesen Bedingungen halbwegs aufrecht halten zu können. Daher suchen sich fliegende Bienen, die vom Regenschauer überrascht werden meistens einen festen Platz zum Ausharren, bis das Wetter wieder besser wird.

Doch bei den nicht fliegenden Bienen, bei denen, die auf einer Blüte, auf einem Blatt oder dem Erdboden sitzen, funktioniert der natürliche Regenschutz leider nicht mehr. Diese Bienen haben einen festen Halt und bekommen die ganze Kraft des Wassertropfens zu spüren. Die unglücklichen Exemplare, die einen Regentropfen direkt abbekommen, werden in Hülle und Fülle im kalten Nass gebadet. In diesem Zustand sind sie erst einmal flugunfähig. Sie müssen warten, bis die Sonne sie wieder vollständig getrocknet hat, bevor Sie ihren Weiterflug starten können.

Dennoch ist leichter Regen nichts, was die Bienen vom Ausfliegen abhalten würde. Tatsächlich kann man sie zumindest bei nur leichtem Regen immer noch bei ihren Sammelflügen beobachten. Die Bienen am Flugloch fliegen ungeachtet des nassen Wetters ein und aus. Die Bienen können also auch bei leichtem Regen weiterhin ausfliegen und ihre Sammelflüge vollenden. Der Flugverkehr ist aber deutlich vermindert. Das liegt dann aber eher an den Blüten selbst. Die allermeisten Blüten mögen nämlich auch keinen Regen und schließen sich bei stärkerem oder lang anhaltendem Regen wieder, um den kostbaren Pollen zu schützen. Und wenn es keine geöffneten Blüten gibt, dann gibt es auch nichts zu sammeln. Daher fliegen die Bienen bei starkem Regen gar nicht mehr aus. In solchen Zeiten sitzen die Arbeiterbienen untätig im Inneren des Bienenvolkes und warten voller Ungeduld auf trockenere Zeiten. Dabei kann es schonmal richtig eng werden im Bienenkasten. Und die Arbeiterinnen, die im Innendienst weiterhin ihre Arbeit verrichten, haben durch die nun sehr engen Verhältnisse erschwerte Arbeitsbedingungen im Bienenvolk, während die Sammelbienen nur faul herumhängen. Kein Wunder das da Missmut entsteht und die Bienen gereizter sind als normal.

Aus diesem Grund sollte man bei Regenwetter besonders achtsam sein und nicht zu dicht ans Flugloch der Bienen gehen. Als Imker sollte man es zudem vermeiden, bei so einem Wetter in die Bienenkästen und Bienenkörbe zu schauen. Nicht nur, weil die Bienen einem dann schon ganz klar zeigen werden, dass dies der falsche Zeitpunkt ist. Auch wir würden es sicherlich nicht lustig finden, wenn man uns das Dach vom Haus nimmt und den Regen in unsere Stuben lässt.

Hummel im Regen auf einer Rainfarnblüte

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Roman Grac from pixabay.com, Steve Buissinne from pixabay.com, Krzystof Niewolny from pixabay.com

 

 

In vielen Gärten, in Wäldern, in Hecken und Gebüschen tauchen im Frühling kleine Pflänzchen mit rosa- bis lilafarbenen Blüten auf, die in großer Anzahl etwas Farbe in die sonst noch farb- und laubkarge Frühlingswelt bringen. Nur 15 cm – 30 cm hoch und mit kleinen gefiederten Blättern zeigt hier eine typische Frühlingspflanze ihren kurzen Auftritt. Kaum sind die Blätter ausgetrieben, blüht das kleine Kraut und schon und ist bereits nach wenigen Wochen bestäubt, versamt und verschwindet genauso schnell und plötzlich wieder, wie es gekommen ist. In dieser frühen Blütezeit finden sich zahlreiche Insekten, wie etwa Honigbienen und verschiedene Hummel- und Wildbienenarten an den Blüten und bedienen sich am reichen Angebot der beliebten Blüten. Die Rede ist vom Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava). Mittlerweile ist der Lerchensporn eine beliebte Zierpflanze in naturnahen Gärten. Von vielen Gärtnern wird er jedoch als Rasenunkraut empfunden und schnellstmöglich übergemäht oder ausgegraben. Um den Bienen und anderen Insekten jedoch etwas Gutes zu tun, sollten die prachtvollen Blütenpflanzen jedoch auch in aufgeräumten Gärten ihren Platz finden dürfen. Ihr Wuchs uns ihre Blütezeit sind nur kurz und so früh im Jahr, dass man das erste Mähen auch auf das Ende der Blütezeit dieser Pflanzen schieben kann. Werden die kleinen Pflanzen direkt nach der Blüte abgemäht, erfolgt auch keine Versamung und eine weitere Verbreitung, die den „schönen“ Zierrasen zerstören könnte, ist nicht zu erwarten. Es gibt also kein Argument dagegen, diese nützlichen und schönen Pflanzen auch zumindest stellenweise in konventionellen Gärten wachsen zu lassen. Die Bienen und Hummeln und andere Insekten werden es danken.

Der Hohle Lerchensporn gehört zur Gattung der Lerchensporne (Corydalis), in der es rund 300 verschiedene Arten gibt, die vornehmlich auf der Nordhalbkugel in den gemäßigten Gebieten vorzufinden sind. Typisch ist bei allen Arten die Blütenform mit einem Sporn an dem Kronblatt. Dadurch weisen die Blüten eine gewisse Ähnlichkeit mit der Erscheinung der Haubenlerche (Galerida cristata) auf, was diesen Pflanzen ihren Namen gegeben hat.

Hohler Lerchensporn mit Blüten

Die Lerchensporne bilden nach der Blüte kleine Schoten, in denen schwarz glänzende Samen zu finden sind. Viele Arten bilden zudem unterirdische Knollen als Überwinterungsorgane. So kommt es, dass die Pflanzen im Frühjahr an den immer gleichen Stellen wieder wachsen.

Die Haubenlerche: Namensgeber für den Lerchensporn

Am meisten verbreitet ist in Deutschland der Hohle Lerchensporn, der auch Hohlknolliger Lerchensporn genannt wird. Sowohl der deutsche Name als auch der botanische Artenname cava (von lateinisch cavus = hohl) deuten auf die hohlen Knollen hin, die typisch für diese Art sind. Diese Pflanze wächst in Gruppen und bildet pro Pflanze bis zu 20 Blüten, die in einer Traube zusammenstehen. De Lerchensporn wächst gerne an schattigen Plätzen in Gärten, in Laubwäldern, in Gebüschen und mag lockeren, nährstoffreichen Lehmboden.

Der Hohle Lerchensporn gilt als schwach giftig. Teilweise wird in der Literatur zumindest für die unterirdischen Pflanzenteile aber sogar eine starke Giftigkeit angegeben. Inwieweit schwere Vergiftungen tatsächlich auftreten, ist fraglich. Zumindest für die oberirdischen Pflanzenteile finden sich aber keine Hinweise auf schwere Vergiftungsfälle. Hauptverantwortlich für eine potenzielle Giftwirkung sind die Wirkstoffe Corydalin, Bulbocapnin sowie Tetrahydropalmatin, ein Alkaloidgemisch, welches zum Blühbeginn in seiner höchsten Konzentration in der Pflanze zu finden ist. In der frischen Knolle kann der Alkaloidgehalt bis zu 2 % betragen. Neben diesen Alkaloiden finden sich noch eine Reihe anderer Wirkstoffe in geringer Konzentration, die für die Wirkung mit verantwortlich sind.

Blüte des Lerchensporn

Der Lerchensporn erzeugt bei Einnahme entsprechend großer Mengen eine katalepsieartige Bewegungsarmut bis hin zu einer vollständigen Aufhebung der willkürlichen und reflektorischen Bewegungen ohne dabei jedoch eine Muskelerstarrung zu verursachen. Hohe Dosierungen sollen zudem hypnotisch Wirken. Diese Wirkungen werden vor allem dem Alkaloid Bulbocapnin zugeschrieben. Weiterhin wirkt der Lerchensporn sedativ und tranquilierend, wofür vor allem der Wirkstoff Tetrahydropalmatin verantwortlich ist. Aufgrund dieser Wirkungen wurde der Lerchensporn früher als Heilpflanze verwendet. Obwohl unerwünschte Nebenwirkungen bei korrekter Dosierung nicht auftreten, wird in moderner Zeit von der Verwendung dieser Pflanze aufgrund möglicher Vergiftungen bei falschen Dosierungen abgeraten.

Blätter des Lerchensporn

Die hypnotsiche, beruhigende und sedierende Wirkung der Pflanze, war eine der Hauptanwendungen in er früheren Pflanzenheilkunde. Als es noch keine Anästhetika gab, verwendete man den Lerchensporn als Beruhigungsmittel während Operationen. Weiterhin galt die Wurzelknolle verschiedener Lerchensporne, die früher alle als Holwurz bezeichnet wurden, nach dem kräuterkundigen Tabernaemontanus als wundheilend und leberstärkend und als ein Mittel „wider alles Gift“. In Osteuropa werden die stärkehaltigen Wurzelknollen zudem als Nahrungsmittel genutzt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass eine entsprechend starke Giftwirkung, wie sie in der Literatur oft angeben wird, anzuzweifeln ist. Auch wurde die Pflanze früher bei Entzündungen der Schleimhäute und der Atemwege, sowie bei Rheuma und Gicht angewendet.

Text: Fabian Kalis

Bilder:

Pflanzenportrait: Dr. Erich W. Schreiner, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Haubenlerche: Artemy Voikhansky, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Laubblätter:  Kristian Peters, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Blüte: Fritz Geller-Grimm, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

 

 

 

 

Immer mehr Menschen fangen an, die konventionelle Ideologie des ewigen Wachstums, der Profitmaximierung und der maximalen Ausbeutung sämtlicher Rohstoffe infrage zu stellen und erkennen den Sinn nachhaltiger Ansätze. Sie beginnen die Dinge in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise zu sehen und somit auch ökologische Zusammenhänge zu verstehen und mitzuberücksichtigen, wenn es um die eigenen Entscheidungen geht. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Unter Ihnen finden sich natürlich auch zahlreiche Bauern, Tierfarmer & Hobbytierhalter. Im Rahmen dieser Neuausrichtung des eigenen Blickwinkels besinnen sich viele Menschen wieder auf altes Wissen, auf alte Betriebsweisen, auf all die fast vergessenen Konzepte, die es den Menschen vor der Industrialisierung der Landwirtschaft ermöglichten, eine nachhaltige Bewirtschaftung der Natur zu gestalten.

Ein Aspekt dieser Rückbesinnung ist es, sich wieder mit Gemüse-, Obst- oder Futterpflanzen zu befassen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind, da sie in der Welt der intensivierten Monokulturen nicht mehr zukunftsfähig waren. Sie brauchen eine nachhaltige Anbaumethode und ein ökologisch ausgewogenes Umfeld, damit sie gedeihen. Etwas wofür in der modernen, konventionellen Landwirtschaft kein Platz ist. In einer Zeit, in der aber langsam ein Sinneswandel in vielen Köpfen vor sich geht und der Sinn und Vorteil nachhaltiger Anbaumethoden wieder einen vermehrten Anklang findet, werden auch die Vorteile der alten Sorten wiedererkannt. Viele dieser alten Sorten besitzen nämlich eine geballte Pflanzenpower, die in modernen Arten und Züchtungen ihres gleichen sucht. So enthalten manche der alten, fast vergessenen Nutzpflanzen eine deutlich höhere Nährstoffkonzentration, einen höheren Eiweiß- oder Zuckergehalt oder sogar heilende Wirkungen. Sie sind in der Regel robuster gegenüber Witterung und Schädlingen und benötigen daher keine Wachstumsverstärker, künstliche Düngemittel oder Herbizide, Fungizide, Pestizide und Neonicotinoide.

Eine dieser fast vergessenen Futterpflanzen ist die Esparsette. Die Esparsetten sind eine Gattung in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabacae), auch Leguminosen genannt. Viele Pflanzen innerhalb dieser Familie haben eine lange Geschichte der Nutzung als Futterpflanzen und auch moderne Züchtungen einiger weniger Arten machen auch heute noch einen Großteil des Viehfutters in der modernen konventionellen Landwirtschaft weltweit aus. Zu ihnen gehören unter anderem Alfalfa, Lupine, Klee und Sojabohnen. Die Esparsetten kennt heute jedoch kaum noch einer.

Bis zum Beginn der modernen Agrarindustrie war vor allem die Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia) eine beliebte Weide- und Futterpflanze. Sie wurde in Europa seit dem 16ten Jahrhundert großflächig angebaut und diente als nahrhafte und widerstandsfähige Weide- und Futterpflanze. Da sie sich jedoch schlecht in Monokulturen anbauen lässt und sie eine intensiv Nutzung und Überweidung schlecht verträgt, wurde sie in moderner Zeit durch andere Arten wie etwa Alfalfa verdrängt. Wie alle Leguminosen ist auch die Esparsette ein Bodenverbesserer. Leguminosen leben symbiotisch mit stickstoffbindenen Bakterien und sind so in der Lage Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und zu verarbeiten und so im späteren Verlauf dem Boden zuzuführen, wo er dann für andere Pflanzen verfügbar ist. Mit Wurzeln, die bis zu einer Tiefe von 4 Metern hinabreichen, ist die Esparsette ein Tiefwurzler. Der Wuchs dieser Pflanzen lockert somit den Boden bis in tiefe Schichten und wirkt so auf eine weitere Art und Weise Boden verbessernd.

Die Esparsette hat einen sehr hohen Gehalt an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders für die eiweißreiche Ernährung von Milchvieh ist sie daher eine geeignete Futter- und Weidepflanze. Aber auch Pferde fressen die nährstoffreichen Pflanzen gerne. Sie sollten jedoch nicht zu viel auf einmal aufnehmen, da ein zu viel an Proteinen sich negativ auf das Verdauungssystem der Pferde auswirken kann.

Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia)

Die Esparsette hat jedoch noch weitere Inhaltsstoffe, die sie in ihrer Wirkung von anderen Pflanzen aus der gleichen Familie unterscheidet: Die Esparsette enthält Tannine. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe. Diese Stoffe binden Wasser, wirken antiseptisch, entzündungshemmend, antiparasitär und blutstillend. Die Esparsette wirkt somit als Futterpflanze vorbeugend gegen Darmparasiten, Durchfallerkrankungen und Kotwasser. Diese Eigenschaft ist es, die die Esparsette wieder vermehrt in das Licht der modernen Futterpflanzen rücken lässt. Ein wieder weitläufiger Anbau auf den ohnehin häufig völlig überweideten Pferdeweiden ist zwar für diese alte Pflanze noch nicht in Sicht, im Pferdebedarfshandel findet man aber zunehmend auch Heucobs (aus getrocknetem Pflanzenmaterial gepresste Pellets) die aus dieser fast vergessenen Futterpflanze hergestellt werden. So haben auch Hobbytierhalter die Möglichkeit ihren Tieren diese Pflanze zur Verfügung zu stellen und die besondere Wirkung für ihre Tiere nutzbar zu machen.

Ihren Namen hat die Pflanze übrigens von dem französischen Wort Esparcet, was übersetzt Süßklee bedeutet und die nahe Verwandtschaft und Ähnlichkeit dieser beiden Pflanzengattungen zum Ausdruck bringt.

Doch nicht nur Pferdehalter und Milchbauern können sich an den positiven Wirkungen dieser alten Nutzpflanze erfreuen, auch die Bienen und andere Nektar sammelnde Insekten lieben die rosa-weiß blühenden Schmetterlingsblüten. Die Esparsette bietet eine große Menge an Nektar und Pollen und ist daher auch als Bienenweide für Imker und als Nahrungsquelle für Wildbienen und andere Insekten eine wichtige Pflanze.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Eric Steinert, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Die Gemmotherapie (von lat. gemma „Knospe“) ist ein Teilbereich der Phytotherapie (moderne, rationale Pflanzenheilkunde). Bei der Gemmotherapie werden phytotherapeutische Arzneien nach standardisierten Verfahren aus jungem, teilungsfähigem Pflanzengewebe (Knospen, jungen Sprossen und Trieben sowie den wachsenden Wurzelspitzen) hergestellt.

Die Knospen verschiedener Pflanzen

Die moderne Gemmotherapie geht zurück auf traditionelle volksheilkundliche Anwendungen, ist in ihrer modernen, rationalen Form jedoch eine recht junge Therapieform. Sie wurde zwar bereits um das Jahr 1950 von dem belgischen Arzt Pol Henry begründet, einen erwähnenswerten Anklang findet diese Therapieform jedoch erst seit einigen Jahren. Umfassende Erfahrungen und wissenschaftliche Publikationen zu dieser jungen Therapieform sind somit erst seit kurzer Zeit im Fokus der Medizin. Aus diesem Grund stehen genaue Forschungen zu den Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten noch aus.

Dennoch erfreut sich die Gemmotherapie seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich die Arzneien aus den verschiedenen Pflanzenknospen auch ohne große Mühe und schon mit einfachsten Mitteln selbst herstellen lassen. Die Gemmotherapie ist daher eine Therapieform, die sowohl bei Ärzten und Heilpraktikern als auch gleichermaßen in der volksheilkundlichen Selbstbehandlung ihren Anklang findet.

Die Grundidee der Gemmotherapie ist, dass die Knospen die vitalsten und somit auch heilkräftigsten Teile einer Heilpflanze sind. Bei der Gemmotherapie geht diese Lebenskraft der Knospen in die aus ihnen produzierten Arzneien über. Die in den Knospen vorhandenen Wirkstoffe und Wirkstoffkonzentrationen unterscheiden sich teilweise stark von den Wirkstoffen und Wirkstoffkonzentrationen in anderen Pflanzenteilen. Man geht davon aus, dass insbesondere die erhöhte Konzentration an Proteinen, das pflanzliche Embryonalgewebe (Stammzellen) und verschiedene Phytohormone, wovon letztere ausschließlich in den Knospen in nennenswerter Menge vorkommen, für die Heilwirkung der Knospen verantwortlich sind. Teilweise überschneiden sich hier rationale (auf Wirkstoffen beruhende) Erklärungsmodelle und eine ganzheitliche Ansicht, bei der auch energetische, spirituelle und alternative Aspekte für eine Wirkung beachtet werden.

Die Top 3 Pflanzen in der Gemmotherapie:

Hasel: Haselknospen werden zur Behandlung von Lungenleiden eingesetzt.

Weide: Weidenknospen sollen eine fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung haben.

Linde: Die Knospen der Linde werden wegen ihrer beruhigenden und angstlösenden Eigenschaften genutzt.

Zur Herstellung eigener Arzneien werde die Knospen im frischen Zustand gemörsert und ein ein lichtgeschütztes Gefäß gefüllt (Gefäß zu etwa 1/3 mit Knospen füllen). Anschließend wird mit einem Auszugsmittel aufgegossen. In der Gemmotherapie wird hier ein standardisiertes Lösungsmittel genutzt, welches zu gleichen Teilen aus Wasser, Alkohol und Glycerin besteht. Für den Hausgebrauch kann man aber auch hochprozentigen Schnaps (beispielsweise einen Rum mit 54 % vol. Alc.) nutzen. Den Ansatz lässt man nun etwa 3 Wochen lang ziehen. Anschließend kann der Extrakt genutzt werden.

In kürze gibt es HIER (Link folgt…) ein kurzes E-Book von mir zum Thema Gemmotherpie. In diesem Büchlein findet ihr eine umfassende Anleitung zum Herstellen eigener Arzneien sowie Bilder zur Bestimmung der verschiedenen Knospen und Kurzportraits der gängigsten in der Gemmotherapie verwendeten Knospen mit Angaben zu Wirkung & Indikationen.

Text: Fabian Kalis

Fotos: Vanessa Michels (http://www.vanessamichels.de)

Eigentlich ist es schon erstaunlich genug, dass die Bienen mit Ausnahme der Antarktis (und den Teilen Chinas, in denen sie erfolgreich ausgerottet wurden) die komplette Welt bevölkert haben. Egal wie warm oder kalt es ist, überall, wo es Blüten gibt, finden sich spezialisierte Bienenarten, die die lokale Bestäubung der Pflanzen sichern. Selbst in Gegenden in der eisigen Arktis und der lebensfeindlichen Sahara gibt es Bienen.

Ein Ort, wo man die Bienen aber mit Sicherheit ganz bestimmt nicht erwarten würde ist das Weltall. Und doch haben die kleinen Insekten es auch bis dorthin geschafft. Natürlich nicht allein, ihre Weltraumfahrten verdanken sie wissenshungrigen Menschen. Aber rein quantitativ sind uns die Bienen in Sachen Weltraumfahrt überlegen: 6815 von ihnen haben es ins All geschafft (oder eher gesagt in die Erdumlaufbahn). Damit waren bisher mehr Bienen im All als Menschen.

Doch welchen Grund gibt es, die fleißigen kleinen Bestäuber so fernab ihrer natürlichen Umwelt mit blühenden Pflanzen zu verbringen? Und was sagen eigentlich die Bienen dazu?

Es gab bisher 3 Weltraummissionen, in denen Bienen ins All gesendet wurden. Die erste von ihnen war 1982. Bei dieser ersten Mission wurden 14 einzelne Bienen in die Erdumlaufbahn verbracht, um dort zu erforschen, wie die Schwerelosigkeit ihre Flugfähigkeit und ihr Verhalten beeinflusst. Solche Experimente wurden bereits vorher schon mit anderen Insekten getestet. Das Ergebnis: Die Insekten gaben nach ein paar unkontrollierten Flügen durch die Schwerelosigkeit ihre Flugversuche vollends auf und bewegten sich fortan nur noch krabbelnd durch ihre Behausungen. Bei den sehr intelligenten Bienen erhoffte man sich ein anderes Ergebnis. Leider waren die 14 einzelnen Bienen, losgelöst von ihrer natürlichen Lebensweise als Bienenvolk, nicht wirklich überlebensfähig und das Experiment brachte keine neuen Ergebnisse.

Daraufhin wurden 1984 mit der Challenger zwei neue Bienenexperimente in die Raumstation verbracht. Hierbei wurden nun zwei spezielle weltraumtaugliche Bienenkästen (bee enclosure modules, kurz BEM) inklusive Wabenwerk und mit jeweils 3400 ansitzenden Bienen (inklusive einer Bienenkönigin) in das All geschickt. Diese waren dann auch tatsächlich überlebensfähige Minibienenvölker. Die geplanten Experimente konnten also nun mit richtigen Bienenvölkern durchgeführt werden. Neben dem Flugverhalten in der Schwerelosigkeit wollte man hier auch das Wabenbauverhalten in der Schwerelosigkeit studieren.

„BEM“ (bee enclosure module) auf der ISS.
Foto: NASA

Auch diese Bienen machten zunächst nur sehr unkontrollierte Flüge in der Schwerelosigkeit und stießen anfangs ständig unsanft an die Wände ihrer Bienenraumfahrtmodule. Da Honigbienen jedoch äußerst lernfähig sind, entwickelten sie schnell neue Strategien zur Fortbewegung in der neuen Umgebung. Bereits nach sieben Tagen waren die Bienen in der Lage auch in der Schwerelosigkeit ohne Probleme zu Fliegen. Damit unterscheiden sie sich von allen anderen Insekten, die in der Schwerelosigkeit getestet wurden. Die Bienenkönigin legte auch im Weltall ganz normal Eier in die Wabenzellen. Was noch erstaunlicher ist: Die Bienen waren sogar in der Lage ihr Wabenwerk trotz fehlender Schwerkraft ohne Probleme zu errichten. Dies ist ein ganz besonders verblüffendes Ergebnis, da die gängige Lehrmeinung hierzu lautet, dass die Bienen die Ausrichtung ihres Wabenbaus an der Schwerkraft orientieren. Auf der Erde hängen die Waben immer senkrecht im Lot. Auch in der Schwerelosigkeit wurden alle Waben in eine einheitliche Richtung nach „unten“ erbaut.

Astronaut beobachtet die Bienen in der Schwerelosigkeit.
Foto: NASA

Insgesamt zeigen diese Forschungen, dass die Bienen noch viel mehr Geheimnisse in sich tragen, als wir bisher glaubten, und dass sie eine außerordentlich starke Anpassungsfähigkeit besitzen.

Ich frage mich, was die Astronauten von diesen Experimenten hielten. Ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, auf engstem Raum mit 6800 Bienen in einer isolierten Kapsel durch das All zu schweben, nicht für alle Menschen angenehm ist. Aber ich bin mir sicher, dass NASA hier alles daran gesetzt hat, ausbruchsichere Weltraumbienenkästen zu entwickeln. Immerhin war dies das bisher teuerste Bienenexperiment der Geschichte.

Wer jetzt im Kopf nachgerechnet hat, wird sagen: „das waren aber nur 6814 Bienen. Da fehlt doch noch eine.“ und liegt damit genau richtig. Die letzte Biene war eine Einzelkämpferin und wurde erst kürzlich ins All geschickt. Es handelt sich bei ihr aber nicht um eine versehentlich beim Start mit in der Raumkapsel sitzende unfreiwillige Passagierin, sondern um ein Kunstprojekt der Bundeskunsthalle Deutschlands. Auf dem Dach der Kunsthalle leben Bienen. Für eine Sonderausstellung mit dem Namen „Outerspace“ wurde eine dieser Bienen in Kunstharz eingeschlossen und zusammen mit dem Astronauten Alexander Gerst am 28. Mai 2014 ins All geschossen. Nachdem diese zum Kunstobjekt degradierte Biene ihren Ausflug ins All abgeschlossen hatte, wurde sie wieder zurück auf die Erde gebracht und konnte seitdem in der Ausstellung bewundert werden. Man könnte also sagen, sie ist die berühmteste der Weltraumbienen, wobei sie im Gegensatz zu den anderen 6814 Bienen nicht einmal lebend dort war.

Produzierten die Bienen auch kosmischen Honig?

Die Weltraumbienen hatten natürlich keine Möglichkeit auf der Raumstation Blütennektar zu sammeln und Weltraumhonig zu produzieren, sie wurden mit Zuckerlösung gefüttert. Eine interessante Anekdote gibt es jedoch aus der Folge „The Sting“ Episode 12, Season 4 der Zeichentrickserie „Futurama“ zu berichten. In dieser fiktiven Geschichte soll die Crew des Weltraumkuriers Planet Express Weltraumhonig (Space Honey) von gigantischen im All lebenden Bienen sammeln. Dieser Honig hat, wie für einen so außergewöhnlichen Honig angemessen, ganz besondere Eigenschaften: 1 Löffel wirkt beruhigend, 2 Löffel bewirken einen tiefen Schlaf. Vor dem Konsum von mehr als 2 Löffeln wird jedoch gewarnt. 3 Löffel sollen einen Schlaf induzieren, der so tief ist, dass man nie wieder davon erwacht. Es handelt sich hierbei also eindeutig um einen psychoaktiven Honig. Passenderweise dreht sich der ganze Plot um Erlebnisse, die die Protagonisten Leela in einem durch die Weltraumbienen induzierten Delirium erlebt. Das ganze mag zwar eine rein fiktive Geschichte sein, in Sachen coole psychoaktive Honigsorten macht ein berauschender Weltraumhonig jedoch ganz klar den vordersten Platz.

Astrobees: Die autonomen Bienenroboter auf der ISS

Astronautin Anne McLain mit dem Astrobee Roboter „Bumble“ auf der ISS. Foto: NASA

Ganz futuristisch und nicht weniger spannend geht es auch in unserer realen Welt weiter: Unter dem Namen Astrobees agieren seit einiger Zeit 3 autonome, intelligente, fliegende Roboter auf der ISS. Diese eckigen Würfel sollen die Astronauten bei ihren täglichen Aufgaben unterstützen. Ihren Namen verdanken sie dem summenden Geräusch, welches sie erzeugen, wenn sie durch die Schwerelosigkeit schweben. Damit es in den engen Platzverhältnissen nicht zu Kollisionen zwischen Mensch und Maschine kommt, sind die kleinen Roboter mit Blinklichtern ausgestattet, die beim Flug ihre Destination anzeigen. Da intelligente, summende Weltraumbienenroboter, die selbständig durch die Raumstation fliegen scheinbar nicht nur für mich etwas spooky klingen, wurden die Modelle später mit einem animierten Augenpaar ausgestattet, welches auf dem Display an der Front angezeigt wird. Hier wird nun comichaft eine Mimik simuliert, die die Situation zwischen Mensch und Roboter auflockern soll. Da eine weitere Aufgabe dieser kleinen Roboter die Erforschung der Interaktionen von Mensch und Roboter im All ist, ist dies ein passendes Feature. Die drei kleinen Kästen sehen zwar aus wie fliegende Baustellenradios, es handelt sich aber um hochmoderne, super teure Geräte, die auch direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Sie hören übrigens auf die Namen Bumble, Honey und Queen. Nachdem zunächst die Dockingstation, welche die Roboter selbständig zu Ladezwecken anfliegen, auf die Raumstation verbracht und dort installiert wurde, erreichten am 17. April 2019 die beiden ersten Roboter Bumble & Honey ihren Einsatzort. Am 25. Juli 2019 folgte mit einer weiteren Cargomission der dritte Roboter, der auf den Namen Queen hört.

Diese drei futuristischen Weltraumroboter stehen nun auch der freien Forschung zur Verfügung. Für das nötige Kleingeld kann nun jeder einen Forschungsslot direkt bei NASA buchen und seine eigenen Forschungen mit den Weltraumbienenrobotern auf der ISS durchführen. Die Zukunft ist jetzt. Ich finde es großartig, dass die ersten autonomen Weltraumroboter, die den Modellen aus Science-Fiction-Filmen in nichts nachstehen nach den Bienen benannt sind.

Baustellenradio oder hochmoderner Roboter? Die drei Astrobees Queen, Honey und Bumble (v. l.)
Foto: NASA

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Alle Bilder aus dem Bildarchiv von NASA, http://www.nasa.gov