Blog

Dass an Land lebende, fliegende Insekten recht wenig mit Fischen gemein haben, wissen selbst Menschen, die keinen Hochschulabschluss in Biologie haben. Bienen sind Insekten und Fische sind eben Fische. In der weit verzweigten Vielfalt des Lebens zwei Bereiche, die alles andere als eine nahe Verwandtschaft haben. Niemand würde auf die Idee kommen in diesem Fall zu behaupten, dass Bienen auch nur annähernd mit Fischen verwandt sind oder gar selbst Fische sind, oder?

Sind Bienen in Wirklichkeit aquatisch lebende Fische?

Nun, so absurd es auch klingen mag, aber ein kalifornisches Gericht hat nun genau das geurteilt: Bienen können nun rechtlich als Fische angesehen werden. Zumindest nach kalifornischem Recht. Wie es zu diesem sonderbaren Urteil kam und warum es sogar sinnvoll ist, bedarf etwas Erklärung.

In diesem speziellen Fall geht es tatsächlich gar nicht um Bienen, sondern um Hummeln. Warum dennoch in den Schlagzeilen überall von Bienen die Rede ist, erklärt sich folgendermaßen: Hummeln (englisch: bumble bees) und Bienen (englisch: bees) werden im englischsprachigen Raum häufig in einen Topf geworfen. Sowohl Hummeln als auch Bienen werden umgangssprachlich als bees (Bienen) bezeichnet. Für viele englischsprachige Menschen sind Hummeln eine Art von Bienen. Da es sich bei dem Gerichtsurteil jedoch um ein Grundsatzurteil handelt, betrifft die neue Rechtsprechung nicht nur Hummeln, sondern ebenso Bienen (und viele andere Tierarten). Es kann also ruhigen Gewissen in diesem Fall von Bienen geredet werden.

Das besagte Urteil, welches am 31. Mai 2022 veröffentlicht wurde, revidiert ein früheres Urteil, nach dem Hummeln nicht als geschützte Spezies im Sinne des California Endangered Species Act angesehen wurden. Hintergrund ist der, dass der Wortlaut dieser Verordnung lediglich den Schutz von „einheimischen Arten und Unterarten von Vögeln, Säugetieren, Fischen, Amphibien, Reptilien und Pflanzen“ vorsieht. Insekten und andere wirbellose Tiere (zu denen auch die Bienen und Hummeln zählen) finden sich nicht in dieser Auflistung und konnten somit zumindest bisher nicht in die Liste der nach dieser Verordnung geschützten Arten aufgenommen werden.

Das kalifornische Gericht urteilte jedoch nun, dass Hummeln unter die Definition des Begriffs „Fisch“ gemäß dieser Verordnung fallen und somit in die Liste der geschützten Spezies aufgenommen werden können. Das Gericht argumentiert wie folgt: Die Verordnung selbst definiert den Begriff „Fisch“ als

ein wilder Fisch, ein Weichtier, ein Krebstier, ein wirbelloses Tier, eine Amphibie oder ein Teil, ein Laich oder eine Eizelle eines dieser Tiere

Da Insekten (und somit auch unsere besagten Bienen und Hummeln) ebenfalls wirbellose Tiere sind, fallen Sie ganz klar unter diese in der Verordnung selbst beschriebenen Definition von Fisch, so das Gericht in seiner Begründung.

Mit dieser Entscheidung hob das kalifornische Gericht ein früheres Urteil vom Bezirksgericht in Sacramento aus dem Jahr 2020 auf, welches entschieden hatte, dass sich diese Definition in der Verordnung lediglich auf maritime Lebewesen beziehe. Wirbellose Tiere könnten somit nur dann als Fisch im Sinne dieser Verordnung angesehen werden, wenn sie im Wasser leben.

Hummel in einer Mohnblüte

Wenn auch die Entscheidung aus dem Jahr 2020 eindeutig von einem logischen Standpunkt mehr Sinn ergibt, so ist das indessen gefällte Urteil definitiv das ökologisch sinnvollere. Hintergrund für das ganze Rechtswirrwarr und das etwas sonderbare Urteil war eine Petition aus dem Jahr 2018, die forderte, dass 4 in Kalifornien vom Aussterben bedrohte Hummelarten in die Liste der geschützten Arten aufgenommen werden, um somit einen besonderen rechtlichen Schutz zu erlangen. Die damalige Entscheidung sorgte jedoch dafür, dass den lokalen Behörden die rechtliche Grundlage fehlte, um diesen besonderen Schutz durchzusetzen. Ihnen waren die Hände gebunden.

Mit dem neuen Urteil aus Kalifornien können die bedrohten Hummelarten nun mit rechtlich solider Grundlage den benötigten Schutz bekommen. Weiterhin öffnet dieses Urteil auch die Möglichkeit, dass zukünftig weitere Arten von an Land lebenden wirbellosen Tieren bei Bedarf mit aufgenommen werden können. Denn nach diesem Urteil ist klar: Alle wirbellosen Tiere sind Fisch genug, um rechtlich als Fisch angesehen zu werden, auch wenn sie an Land leben und eigentlich Insekten sind.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Quellen: https://edition.cnn.com/2022/06/06/us/california-bees-fish-court-ruling-scn-trnd/index.html

https://www.reuters.com/legal/litigation/who-knew-bees-are-fish-2022-06-02/

An Wegesrändern, im Wald, an Straßenrändern, auf dem Bürgersteig, auf Wiesen und als unliebsames Unkraut im Rasen, Naturgebiet oder inmitten der Betonwüsten der modernen Zivilisation: der Spitzwegerich ist eine sehr verbreitete Pflanze und fast überall zu finden. Die kleine zarte Pflanze mit den unscheinbaren grau weißen Blütenständen mag zwar auf den ersten Blick einen sehr zerbrechlichen Eindruck machen, sie steckt aber voller Widerstands- und Heilkräfte.

Blüten des Spitzwegerich

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) bevorzugt ein Habitat, welches für viele andere Pflanzen uneroberbar bleibt. Die Wegeriche wachsen überall dort, wo Mensch, Tier oder geologische Begebenheiten den Boden stark verdichtet haben. Wildpfade, platt getretene Wege, und durch das Gewicht der modernen Zivilisation, mit all ihren schweren Geräten und Bauwerken, stark verdichteter Boden bilden den perfekten Lebensraum für den König des Weges. Das bedeutet nämlich der Name Wegerich eigentlich. Er setzt sich zusammen aus den Wörtern Weg und dem althochdeutschen Wort rīh, was König bedeutet. Diese althochdeutsche Bedeutung sowie unser modernes Wort reich oder das englische Äquivalent rich, gehen alle auf den gleichen Wortursprung zurück und beziehen sich auf Fülle, Reichtum, Häufigkeit. Genauso ist es der Wegerich, der häufig an Wegen wächst. Daher der Name Wegerich.

Und auf diesen besonderen Lebensraum auf verdichteten, viel frequentierten Wegen, wo Mensch, Tier und Maschine hinüber wandeln, hat sich der Wegerich auch in seiner Vermehrung spezialisiert. Die kleinen hellbraunen Samen sind so angelegt, dass sie sich beim Drauftreten an den Fußsohlen, Hufen oder Pfoten von Tier und Mensch verkleben und so verbreitet werden. Der Wegerich ist also nicht nur in der Lage ein auf ihm Herumtrampeln zu überstehen, er braucht es sogar. Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch den Wind. Nur gelegentlich wird der Wegerich auch von bestäubenden Insekten besucht. Neben der generativen Vermehrung über Samen, verbreitet sich der Wegerich zudem vegetativ über unterirdische Wurzeslsprosse.

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Bild aus Flora londinensis, 1777

Doch was macht den Wegerich so besonders? Warum meiden viele andere Pflanzen verdichteten Boden? Die Antwort ist einfach: Wasser. In stark verdichtetem Boden haben die Wurzeln der Pflanzen keine Chance genügend Wasser aufzunehmen. Auch kann verdichteter Boden deutlich weniger Wasser aufnehmen und speichern. Verdichteter Boden bietet also kaum etwas des flüssigen Lebenselexiers, das alle Pflanzen benötigen. Dies ist auch beim Wegerich nicht anders. Auch seine Wurzeln finden in den dichten Erdschichten kein Wasser. Was ist also sein Gehemnis? Die kleine zarte Pflanze, die kaum 15 cm hoch wird, kann enorme Wurzeln bilden, die bis zu 4 Meter tief in die Erde reichen. Wenn man sich vorstellt, dass riesige Bäume, wie etwa die Fichten als Flachwurzler gerade mal 1 Meter tief in der Erde verwurzelt sind, wirkt der Wegerich umso beeindruckender. Die Wurzeln des Wegerichs reichen in so tiefe Erdschichten hinunter, dass sie die obere stark verdichtete Erdschicht durchdringen und in tiefergelegene Bereiche vordringen, wo der Boden wieder lockerer wird und somit genügend Wasser aufgenommen werden kann.

Die schmal zulaufenden lanzettlichen Blätter des Spitzwegerich sind ein beliebtes Wildgemüse. Sie können unverarbeitet als Wildsalat gegessen werden und haben einen leicht bitteren, an Champignons erinnernden Geschmack. Kleingeschnitten können die Blätter ähnlich wie Spinat oder Mangold zubereitet werden. Da der Spitzwegerich das ganze Jahr über immer neue Blätter bildet, können zu jeder Jahreszeit frische Blätter geerntet werden. Die jungen Blätter sind dabei weniger bitter. Seine Häufigkeit und gute Verfügbarkeit der frischen Blätter das ganze Jahr über machen den Spitzwegerich zu einem der bliebtesten Wildkräuter für die wilde grüne Küche.

Doch nicht nur zu Speisezwecken kann der Wegerich genutzt werden. In ihm stecken auch starke Heilkräfte. Die bekannteste Wirkung ist die Hustenreiz linderndene und entzündunghemmnde Wirkung der Blätter. Als Spitzwegerichsirup ist diese Medizin als Fertigpräparat in Apotheken, Drogerien und Supermärkten zu finden und wird gerne als milde Medizin bei Kindern eingesetzt. Beachten sollte man hierbei jedoch: Husten ist nicht gleich Husten. Der Spitzwegerich hilft bei trockenem Husten, Reizhusten und Entzündungen der Atemwege. Ist hingegen festsitzender Schleim die Ursache des Hustens sollte man auf eine schleimlösende andere Medizin zurückgreifen. In diesem Fall kann der Spitzwegewrich sogar kontraindiziert sein, da er den zum Abhusten wichtigen Hustenreiz unterdrückt.

Häufig findet man den Spitzwegerich auch in Hustenteemischungen. Das macht aber leider wenig Sinn und ist pharmakologisch wirkungslos. Der für die entzündungshemmnde und Hustenreiz lindernde Wirkung verantwortliche Wirkstoff ist Aucubin. Dieser Stoff ist sehr empfindlich. Hitze, der Kontakt mit Sauerstoff, das Trocknen der Pflanze oder lange Lagerzeiten zerstören diesen Inhaltstoff und machen die Pflanze wirkungslos. Es macht daher keinen Sinn getrocknetes Spitzwegerichkraut mit heißem Wasser aufzugießen und dann eine Wirkung zu erwarten. Neben Aucubin und anderen Iridoidglycosiden (Catalpol und Asperulosid) enthält Spitzwegerich geringe Mengen an Gerbstoffen,Schleimstoffen und Saponinen.

Der unscheinbare Blütenstand vom Spitzwegerich

Wie kann man den Wegerich also sinnvoll innerlich nutzen? Der Sirup aus dem Handel macht es uns vor: Am besten stellt man einen Sirup her. Das geht ganz einfach und benötigt keinerlei Erhitzen. Auch ein alkoholischer Extrakt, bei dem die frischen Blätter in hochprozentigen Alkohol eingelegt werden, ist möglich. Für die Herstellung eines Sirups benötigt man ein großes Glas, in das man abwechselnd je eine ca. 1 cm dicke Schicht aus kleingeschnittenen frischen Spitzwegerichblättern und Zucker gibt, bis das Gefäß voll ist. Diesen Ansatz lässt man nun mehrere Wochen ziehen. Der Zucker zieht die Feuchtigkeit aus dem frischen Pflanzenmaterial und mit ihr die enthaltenden Wirkstoffe. Die Feuchtigkeit löst dann den Zucker. So entsteht ein dickflüssiger, intensiver Sirup, der aufgrund seines hohen Zuckergehaltes auch komplett ohne Erhitzen oder Kühlung haltbar ist. Den Ansatz sodann durch ein Sieb abgießen und fertig ist der heilsame Spitzwegerichsirup. Wichtig zu wissen: für die Heilwirkung bevorzugt man die älteren Blätter des Spitzwegerich. Sie enthalten mehr wirksames Aucubin als die jungen Blätter. Dieser Wirkstoff ist es auch, der den Blättern den bitteren Geschmack verleihen. Je bitterer das Kraut schmeckt, umso mehr Wirkstoff ist auch enthalten.

Neben dem Aucubin haben auch die Schleimstoffe eine Wirkung auf die Atemwege. Sie legen sich bei der Einnahme als schützende Schicht auf die Schleimhäute und unterstützen so die Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der Atemwege. Schleimstoffe und Saponine besitzen zudem generell eine schleimlösende Wirkung. Im Spitzwegerich kommen sie aber nur in geringen Mengen vor und die hustenreizlindernde Wirkung des Aucubin überwiegt, so dass durch den Spitzwegerich nicht das Abhusten von festsitzendem Schleim gefördert werden kann. Hierfür gibt es andere wirksamere Pflanzenmedizin wie etwa den Efeu.

In vielen modernen Kräuterbüchern und Blogs liest man zudem von einer antibiotischen Wirkung des Spitzwegerichs und somit einer Anwendung bei bakteriellen Infektionen. Die antibiotische Wirkung ist zwar technisch korrekt, praktisch aber wieder genau so ein Blödsinn wie der Spitzwegerichtee. Leider werden in modernen Publikationen über Heilkräuter viel zu häufig einfach nur Dinge nachgeplappert, ohne dass sie vom Urheber selbst verstanden werden. Da schnappt man irgendwo auf, dass Aucubin antibiotisch wirkt und irgendwo anders, dass Spitzwegerich Aucubin enthält und schon hat man den „Beweis“ das Spitzwegerich bei bakteriellen Infektionen hilft. Leider wurde versäumt, den Wirkstoff chemisch und pharmakologisch zu verstehen. Aucubin hat pharmakologisch zwar in der Tat eine antibiotische Wirkung, die sogar eine vielversprechende Lösung für die immer häufiger vorkommenden Antibiotika resistenten Keime sein könnte (Dies wurde in Studien nachgewiesen, in der der Reinstoff direkt in die Blutbahn injiziert wurde). Leider können wir diese Wirkung jedoch nicht durch Einnahme von Spitzwegerich innerlich nutzen, da das empfindliche Aucubin in unserem Verdauungstrakt zerstört wird, bevor es vom Körper aufgenommen werden kann. Spitzwegerich entfaltet seine entzündungshemmende und Hustenreiz lindernde Wirkung nur im Bereich von Mund, Hals und der oberen Atemwege. Dort wo die Medizin direkt hinkommt. Die Wirkstoffe werden nicht vom Blut aufgenommen und können somit nicht im Körper verteilt werden.

Anders sieht es aber bei der äußerlichen Anwendung von Spitzwegerich aus: Hierbei kann das Aucubin in den frischen Blättern seine volle Wirkung verbreiten. Die entzündungshemmende Wirkung der Spitzwegerichblätter nutzt man gerne als Notfallmedizin bei Insektenstichen. Hierzu zerkaut man ein paar frische Blätter. Durch das zerkleinern im Mund und das Anreichern mit Speichel werden die Wirkstoffe besonders gut herausgelöst. Den fertigen Pflanzenbrei schmiert man nun auf die Einstichstelle. Egal ob Mücke, Biene oder Wespe: der Spitzwegerich lindert den Schmerz, vermindert Schwellungen und hilft gegen den Juckreiz. Die beste Wirkung zeigt sich, wenn der Wegerich direkt nach dem Stich appliziert wird, bevor eine Schwellung und Rötung auftritt. Doch auch bei älteren Stichen kann der Wegerich eine Linderung verschaffen und die Heilung beschleunigen. Auch entzündliche Hautleiden wie etwa Neurodermitis können mit frischem Spitzwegerich behandelt werden.

Des Weiteren besitzt frischer Spitzwegerich eine stark Blutstillende Wirkung, wenn er äußerlich angewendet wird. Hierzu zerkaut man wieder etwas frisches Pflanzenmaterial und schmiert den Brei auf die blutende Wunde. Die Wirkstoffe im Wegerich vermögen selbst größere Blutungen innerhalb kürzester Zeit zu stoppen. Damit ist der Spitzwegerich eine wunderbare Erste-Hilfe bei kleineren Unfällen in der Natur.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: 膀胱眼球胎, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Curtis et al. 1777, Flora Londinensis

Illuvis, www.pixabay.com

 

Die gelb leuchtenden Blüten der Forsythie gehören hierzulande zu den unverkennbaren Boten des Frühlings. Der ausdauernde Strauch wird gerne als Zierpflanze in Gärten angepflanzt und ist mit seinen üppigen Blüten, die bereits im zeitigen Frühjahr goldgelb die noch karge Natur erhellen, mit die erste Blütenfülle des Jahres. Kein Wunder, dass die blütenbesetzten Zweige gerne in Ostergestecken verwendet und als ein Zeichen der wiedererwachenden Natur angesehen werden. Die Forsythie gehört zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und wird ebenfalls Goldglöckchen oder Goldflieder genannt.

Auch die Honigbienen und andere nektarsuchende Insekten werden nach dem langen kargen Winter von den vielen goldenen Blüten angezogen. So summt und brummt es an warmen Frühlingstagen in den gelben Sträuchern, und wir erfreuen uns an diesem Frühlingserwachen. Doch leider handelt es sich hier häufig um eine Mogelpackung, die den Insekten nichts zu bieten hat. Die emsigen Fliegetierchen finden weder Nektar noch Pollen in den Blüten. Der Grund: Die bei uns angepflanzten Forsythien sind in der Regel Hybride (Kreuzung aus Forsythia suspensa und F. viridissima), die nur unfruchtbare Blüten hervorbringen, die keinen Nektar und Pollen produzieren.

Die aus Asien stammende Stammpflanze Forsythia suspensa ist zwar ebenfalls keine Nektarquelle, bietet jedoch in ihrer natürlichen Variante zumindest etwas Pollen. Wer also den Bienen etwas Gutes tun möchte und dabei nicht auf die gelbe Forsythienblüte im Frühjahr verzichten möchte, sollte sich also lieber die natürliche Form des Strauches in den Garten holen und auf moderne Zuchtformen und Hybride verzichten.

Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa)

Die Hänge-Forsythie, wie F. suspensa bei uns genannt wird, bietet nicht nur den Insekten eine wichtige Pollenmahlzeit. Auch wir Menschen können die Pflanze für uns nutzen. Die Früchte der Forsythie werden schon lange in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewandt und die gesamte Pflanze wird im asiatischen Raum in der traditionellen Volksheilkunde bei vielen verschiedenen Leiden angewandt. In der Regel wird ein Sud aus den reifen oder unreifen Früchten hergestellt, der dann eine entzündungshemmende, fiebersenkende, blutdrucksenkende, tonisierende, entgiftende, antibakterielle und antiseptische Wirkung haben soll. Wegen dieser Eigenschaften nutzt man die Forsythienfrüchte äußerlich bei eitrigen Wunden und Geschwüren sowie innerlich zur Behandlung von Entzündungen im Mund und Rachenraum und des Urinaltrakts sowie bei bakteriellen Infektionen, zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems und zur Entgiftung. Insbesondere Mandelentzündungen und Entzündungen der Niere und der ableitenden Harnwege werden in der TCM mit der Forsythie behandelt. Moderne Forschungen konnten mittlerweile die positive Heilwirkung der Forsythienfrüchte bei Nephritis bestätigen.

Auch in der Krebstherapie spielt die Forsythie eine wichtige Rolle. Traditionell nutzt man einen Sud aus den Blättern und Zweigen zur Behandlung von Brustkrebs. Aber auch andere Krebsarten werden mit der Forsythie behandelt. Genutzt werden auch hier wieder die unreifen Früchte (im Chinesischen Qing Qiao) und die reifen Früchte (Huang Qiao). In der Apotheke erhält man die Forsythienfrüchte unter der Bezeichnung grüner Frosythiae fructus (unreife Früchte) bzw. reifer Forsythia fructus (reife Früchte). Auch hier konnten moderne Forschungen die positive Heilwirkung der Forsythienfrüchte bei der Behandlung verschiedener Krebsarten bestätigen. Eine Wirkung konnte bei Prostata-, Brust– und Darmkrebs sowie bei Leukämie nachgewiesen werden. Es hat sich gezeigt, dass die unreifen Früchte in der Krebstherapie sowie zur Behandlung von innerliuchen Entzündungen eine stärkere Wirkung haben. Die reifen Früchte hingegen zeigen eine höhere Wirksamkeit bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen, sowie zur Stärkung des Herzens und Senkung des Blutdrucks. Außerdem wirken sie besonders immunstärkend.

Die Wirkung der Forsythie beruht laut modernen Forschungsergebnissen auf den Inhaltsstoffen Forsythosid I, Forsythosid A, Forsythosid E, Pinoresinol (ein Stoff aus der Gruppe der Lignane) und Oleanolsäure. Forsythoside und Pinoresinol sind dabei hauptsächlich für die entzündungshemmende und anticarinogene Wirkung verantwortlich (wobei Pinoresinol in den Untersuchungen die stärkste Wirkung zeigt), die Oleanolsäure hingegen für die herzstärkende, immunstärkende, und blutdrucksenkende Wirkung verantwortlich ist. In den unreifen Früchten überwiegen Forsythoside und Pinoresinol, wohingegen in den reifen Früchten die Oleanolsäure vermehrt vorkommt, was die unterschiedlichen Anwendungen erklärt.

Verzichtet man also auf moderne Zierformen und pflanzt stattdessen lieber das natürliche Original in seinen Garten, dankt einem nicht nur die heimische Insektenpopulation, man holt sich ebenso ein wahres Wunderwerk an natürlichen Heilkräften in den Garten und muss dabei nicht auf die gelbe Pracht im Frühling verzichten.

Text: Fabian Kalis

Foto: KENPEI, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Der Frühling zieht ins Land und mit ihm die ersten warmen Sonnentage. Langsam erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf und genau jetzt ist die ideale Zeit, um sich mit der Gemmotherpie zu beschäftigen und sich seine eigene Medizin aus den Pflanzenknospen herzustellen. Denn genau in dieser Zeit des Erwachens, wenn die Knospen der Pflanzen beginnen sich zu entfalten, tragen sie die größten Heilkräfte in sich.

Bei der ersten Kräuterwanderung in diesem Jahr, am ersten Sonntag im März, konnten wir neben ein paar mutigen ersten Frühlingskräutern zahlreiche kostbare Pflanzenknospen entdecken und probieren.

Aktuell sind auch noch individuelle Wildkräutercoachings zum Thema Heilsame Knospen möglich. Gerne zeige ich dir, wie du die verschiedenen Knospen erkennst und erkläre dir die Verarbeitung und Anwendung im Kontext der Gemmotherapie. Nur noch kurze Zeit möglich in diesem Jahr. Sobald sich die Blätter entfaltet haben, ist es vorbei mit Knospenpower. Die neuen und jungen anderen Pflanzenteile können dann natürlich auch wieder auf ihre ganz eigene Art und Weise genutzt werden, die Zutaten für die speziellen Anwendungen der Knospenmedizin können aber nur im jetzt zeitigen Frühjahr gesammelt werden.

Für alle, die gerne Lesen und mehr über diese moderne Therapiefrom der Phytotherapie erfahren wollen, gibt es ab sofort mein neues Büchlein zu kaufen:

Gemmotherapie – Heilsame Pflanzenknospen

36 Seiten, Metall-Spiralbindung, Komplett in Farbe, gedruckt auf edlem 115 g/m² Papier

ISBN: 978-3-00-071888-5

Jetzt direkt in meinem Onlineshop bei mir bestellen auf: www.Imkerei-Kalis.de

In Kürze wird das Büchlein auch im regulären Buchhandel zu beziehen sein. Wer direkt bei mir kauft, zahlt den gleichen Preis wie bei der Konkurenz, für mich macht es aber einen positiven Unterschied….

Buchpreis: 7,49 €

Buchbeschreibung

Gemmotherapie

Heilsame Pflanzenknospen

Eine Einführung in die Thematik von Fabian Kalis

 

Die Gemmotherapie ist ein Teilbereich der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und beschäftigt sich mit den Heilkräften von Pflanzenknospen. Dieses handliche Buch gibt eine ganzheitliche Einführung in die Thematik. Eine kurze Vorstellung der Geschichte dieser noch recht jungen Therapieform, eine Erklärung ihrer Wirkungsmechanismen, eine Anleitung zum Herstellen eigener Therapeutika aus Pflanzenknospen und bewährte Anwendungen sowie Kurzportraits der 20 wichtigsten Pflanzenknospen finden sich in kompakter Form in diesem Buch. Ebenso gibt es ein kurzes Register von verschiedenen Symptomen, Krankheiten und Beschwerden mit passenden Knospen zur Behandlung. Bilder ausgesuchter Pflanzenknospen helfen zudem bei der Bestimmung und Identifikation.

Spekulatius, Lebkuchen, Glühwein und Weihnachtskekse, alle drei wäre nicht das, was sie sind, ohne die typischen Weihnachtsgewürze aus fernen Ländern. Zimt, Gewürznelken und Kardamom würzen unsere Weihnachtszeit mit exotischen Aromen.

Echter Zimt ist die Rinde vom Ceylon-Zimtbaum (Cinnamomum verum). Gelegentlich wird auch die Rinde anderer Bäume aus der Gattung als Gewürz genutzt. Der echte Zimtbaum kommt ursprünglich aus Sri-Lanka, wird heute aber auch in anderen tropischen Ländern kommerziell angebaut. Genutzt wird hierbei die Bastschicht der Rinde des Baumes, welche sich zusammenrollt, wenn sie vom Baum gelöst getrocknet wird und so die typischen Zimtstangen bildet.

Die Zimtrinde war bereits in der Antike eine beliebte Medizin. Sie wurde bei allerlei Leiden eingesetzt, etwa bei Husten und Schnupfen. Auch ist sie harntreibend und magenstärkend. Eine blutstillende Wirkung ist ebenfalls beschrieben. In der modernen Phytotherapie nutzt man die Zimtrinde wegen ihrer Blutzucker senkenden Wirkung. Hier kommt sie als unterstützende Medizin bei Diabetes zum Einsatz. Da Zimtöl eine wehenfördernde Wirkung hat, wurde es früher auch zur Einleitung von Geburten verwendet. Ein übermäßiger Verzehr in der frühen Schwangerschaft kann aber abtreibend Wirken und sollt daher gemieden werden.

Die Rinde des Zimtbaums

Das ätherische Öl aus der Zimtrinde, was dem Zimt seinen typischen Duft und Geschmack verleiht, besteht hauptsächlich aus Eugenol und Zimtaldehyd und dem Monoterpen Linalool. Zimt ist übrigens eines der wichtigsten Aromen von Cola. Nicht etwa die namensgebende Kolanuss, sondern der Zimt ist maßgeblich für den typischen Colagemschack verantwortlich.

Gewürznelken

Die Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen vom Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum), welcher auf den Molukken beheimatet ist. Der Name Nelken kommt dabei aus dem Mitteldeutschen und bedeutet Nagel, da die Form der Knospen an Nägel erinnert. Die als Blume bekannte Pflanzengattung der Nelken ist wegen ihrer nagelförmigen und aromatisch duftenden Blüten nach der Gewürznelke benannt. Nicht andersherum, wie häufig angenommen wird.

Gewürznelken enthalten sehr viel ätherisches Öl, welches hauptsächlich aus Eugenol, Eugenolacetat und Caryophyllen besteht und für den typischen Duft und Geschmack verantwortlich ist. Im Mittelalter galten Gewürznelken als gut für das Gehirn, die Leber und den Magen. Das enthaltene Eugenol hat eine betäubende Wirkung. Daher werden noch heute die Gewürznelken gerne bei Zahnschmerzen gekaut.

Kardamom sind die Samen vom Grünen Kardamom (Elettaria cardamomum). Diese ausdauernde krautige Pflanze stammt ursprünglich aus Indien, Sir-Lanka, Thailand und Irak. Der würzig, süße, scharfe Geschmack der Samen geht auf das enthaltene ätherische Öl zurück, welches etwa 120 verschiedene Stoffe enthält, unter anderem alphaTerpenylacetat, Cineol, Terpeniol, Limonen, Linalylacetat, Linalool sowie Hydroxyzimtsäure. Das ätherische Öl der Kardamomsamen wirkt fördernd auf die Magen-, Gallensaft und Speichel Produktion. Auch eine aphrodisierende Wirkung schreibt man den aromatischen Samen zu. Traditionell nutzt man Kardamom als Medizin bei Verdauungsstörungen, Magenkrämpfen, Regelschmerzen, Blähungen, Husten, Erkältungen, Grippe, Asthma und Mundgeruch.

Text: Fabian Kalis

Bilder: Marion Schneider & Christoph Aistleitner, Public domain, via Wikimedia Commons

Brian Arthur, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Didier Descouens, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Egal ob getrocknet als Weihnachtsdeko, zum Aromatisieren von Glühwein oder einfach als leckere und gesunde Weihnachtsnascherei, die verschiedenen Zitrusfrüchte gehören zum Winter dazu wie Schnee und Eis. Doch die aromatischen Früchte sind nicht nur lecker und duften herrlich, sondern haben auch eine Heilwirkung. Es sind besonders die Orangen, Mandarinen und Clementinen, die uns die Winterzeit mit ihrem aromatisch säuerlichen Geschmack versüßen. Bei vielen kommerziell genutzten Arten handelt es sich heutzutage um Kreuzungen oder Hybride, so dass eine genaue botanische Zuorndung nicht immer möglich ist.

Die Orange (Citrus sinensis  / Citrus x sinensis) stammt ursprünglich aus China und ist eigentlich eine Kreuzung aus der Mandarine (Citrus reticulata) und der Pampelmuse (Citrus maxima). Von den drei zu Weihnachten genutzten Arten ist sie die größte. In Scheiben geschnitten legt man sie gerne zum Trocknen auf Heizung oder an den Kamin. So verströmt sie ihren intensiven Duft am besten. Die getrockneten rundlichen Scheiben bekommen einen glitzernden, goldenen Glanz, und sind traditionell eine beliebte Weihnachtsdeko. Sie symbolisieren die Sonne und stehen für das Wiedererwachen der Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende. Während die Bitterorange bereits seit dem 11. Jahrhundert in Europa nachzuweisen ist, ist die heute beliebte süße Orange erst etwa im 15. Jahrhundert entstanden.

Clementinen (Citrus clementina / Citrus × aurantium) ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Hybriden aus der Gattung der Zitruspflanzen. Sie sind als Hybriden zwischen der Orange bzw. der Pomeranze (Citrus × aurantium) und der mediterranen Mandarine (Citrus x deliciosa) entstanden. Sie sind deutlich kleiner als Orangen und haben als Hybriden den Vorteil, dass sie häufig kernlos sind. Auch sind sie in der Regel deutlich süßer als ihre Verwandten, was die Clementine zu einer der beliebtesten Zitrusfrüchte gemacht hat. Die Clementine ist in Europa erst seit ungefähr 150 Jahren bekannt. Entdeckt und beschrieben wurde sie erstmals von einem Mönch in Algerien. Unklar ist, ob diese Hybridisierung bereits vorher in China zu finden war oder erst in der neueren Zeit in Afrika gezüchtet wurde.

Die Mandarine (Citrus reticulata) kommt ursprünglich aus Nordostindien oder Südwestchina. Sie wird dort bereits seit einigen tausend Jahren kultiviert und ist somit die älteste der drei vorgestellten Arten. Sie ist eine natürlich entstandene Art und die kleinste unserer Weihnachtsfruechte. Sie wurde allerdings erst im frühen 19. Jahrhundert erstmals nach Europa eingeführt. Eng verwandt ist die Mandarine mit der Tangerine (Citrus tangerina). Im englischsprachigen wird die Bezeichnung Tangerine sowohl für die Mandarine als auch die Tangerine genutzt. Auch hierzulande wird die Tangerine, auch wenn sie nur selten im Handel zu finden ist,  häufig mit der Mandarine gleichgesetzt. Auch die Ortanique (eine Hybride aus Orange und Tangerine) wird bei uns als Mandarine gehandelt.

Alle drei Arten enthalten eine große Menge an Vitamin C. Zudem finden sich Vitamin B1 und B2 und Niacin in den aromatischen Früchten. Außerdem finden sich Alkaloide, Flavonoide, Tannine, Phenole und Saponine in den Früchten. Viele verschiedene Aromastoffe, deren genaue Zusammensetzung je nach Züchtung und Art variiert, sorgen für den Geschmack der Früchte. Es sind unter anderem Naringenin, Acetaldehyd, Hexanal, Octanal, Nonanal, Decanal, Limonen, Myrcen und Pinen, wovon einige als ätherisches Öl den typischen Citrusduft verursachen. Ebenso enthalten die Zitrusfrüchte wichtige Spurenelemente wie Kalium und auch Magnesium.

Wegen des hohen Gehalts an Vitamin C eignen sich die Zitrusfrüchte wunderbar als ein immunstärkendes Mittel gegen Erkältungskrankheiten. Dabei können wir die Früchte einfach so naschen, getrocknet als Tee aufbrühen, oder frisch in Glühwein einlegen. Orangen, Clementinen und Mandarinen wirken entzündungshemmend und antioxidativ. Der Duft der Zitrusfrüchte hat eine beruhigende Wirkung, reduziert Stresshormone im Körper und hilft beim Einschlafen. Äußerlich angewandt hat das Öl, welches sich besonders in den Schalen der Früchte findet, eine beruhigende Wirkung auf entzündliche Hautleiden. Das in den Früchten enthaltene Magnesium stärkt die Knochen und Zähne und Kalium kann den Blutdruck senken.

Text: Fabian Kalis

Bild: Trevor Parker, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Was wäre die Weihnachts- und Winterzeit ohne die immergrünen Nadelbäume und ihren typisch harzigen Duft? Egal ob Adventskranz, Weihnachtsbaum oder einfaches Schnittgrün als Winterdeko, die nadeligen Gewächse beschenken uns mit winterlichen Düften und optischer Weihnachtssymbolik. Sie vermitteln uns ein Gefühl der winterlichen Ruhe und Gemütlichkeit. Die wichtigsten Nadelgewächse sind bei uns die Tanne (Abies spp.), die Fichte (Picus spp.) und die Kiefer (Pinus spp.). Alle drei Gattungen werden gerne für die weihnachtliche Dekoration der Stuben genutzt. Was genau man nun für ein Gewächs ins Haus geholt hat, darüber besteht häufig Unkenntnis, denn allzu häufig werden die verschiedenen Baumgattungen einfach unter dem Schlagwort Tannenbaum gehandelt und genutzt. Wer mehr hierüber erfahren möchte, findet eine Erklärung in meinem Artikel aus dem letzten Winter Oh weh Tannenbaum.

Doch die benadelten Äste tun nicht nur unserer Seele gut, in ihnen stecken starke Heilkräfte. Und diese Kräfte können wir uns auf verschiedene Arten zunutze machen. Zum einen können die ätherischen Öle, die für die intensive Duftwirkung verantwortlich sind, uns allein durch ihren Duft etwas Gutes tun. Das bloße Riechen und Einatmen dieser Düfte hat einen wohltuenden Effekt, nicht nur auf unser Gemüt, sondern auch auf unseren Körper. Das ätherische Öl, ganz gleich, ob von Tanne, Fichte oder Kiefer, hat schon beim bloßen Einatmen eine immunstärkende, beruhigende und stresslindernde Wirkung. Ebenfalls wirkt der Duft antiseptisch und kann die Keimbelastung in der Raumluft reduzieren. Auch eine schleimlösende Wirkung ist bekannt. Der Nadelbaumduft eignet sich daher wunderbar für die winterliche Zeit mit all ihren unangenehmen verschnodderten Nasen und Erkältungen. Die ätherischen Öle der Nadelbäume enthalten Monoterpene, Limonen, Pinen, Phellandren, und Camphen.

Für eine noch intensivere Wirkung kann man die Nadeln der verschiedenen Bäume auch als Tee aufbrühen. Der harzig, säuerlich schmeckende Tee wirkt gut gegen Erkältungskrankheiten. Die Inhaltsstoffe haben nämlich eine entzündungshemmende Wirkung und stärken das Immunsystem. Zudem ist der Tee reich an Vitamin C und löst festsitzenden Schleim. Gleichermaßen wirkt der Tee keimtötend auf ungewünschte Bakterien im Mund und stärkt das Zahnfleisch. Auch eine harntreibende Wirkung ist bekannt. Der Nadelbaumtee hilft so auch bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege. Ebenfalls wirkt der Tee durchblutungsfördernd, was besonders hilfreich ist, wenn man in der Winterzeit wegen schlechter Durchblutung schnell kalte Hände und Füße bekommt.

Auch das Harz der Nadelbäume wird traditionell als Medizin genutzt. Aus ihm stellt man Salben zur äußerlichen Anwendung her. Salben mit dem Harz der Nadelbäume sind schmerzlindernd bei rheumatischen Beschwerden und Muskelschmerzen und helfen wegen ihrer antiseptischen Wirkung bei entzündeten und eitrigen Wunden.

Natürlich kann man das Harz auch verräuchern. Eine Anleitung, wie man das Harz am besten sammelt und verarbeitet findest du in meinem Artikel Baumharze zum Räuchern aus einheimischen Wäldern. Das verräucherte Harz verströmt einen intensiven Harzgeruch. In seiner Wirkung gleicht es dem der ätherischen Öle, ist aber um ein vielfaches stärker sowohl im Duft als auch in der Wirkung. Zum Verräuchern legt man das getrocknete, zerbröselte Harz auf ein Stück Räucherkohle. Durch die Hitze werden die Duftstoffe verdampft und bilden einen aromatischen Nebel im Raum.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Die Advents- und Weihnachtszeit ist geprägt von intensiven Düften und Aromen, die bei vielen Menschen sofort Assoziationen von sinnlicher Gemütlichkeit und Winterruhe hervorlocken. Was wäre das winterliche Treiben in den warmen Stuben ohne den Duft von Nadelbäumen, exotischen Gewürzen und Zitrusfrüchten? Und daran hat selbst der zunehmende Trend zu künstlichen Tannenbäumen aus Plastik nichts geändert. Bei allem Fortschritt stellt man nämlich schnell fest: dem künstlichen Plastikbaum mangelt es an Weihnachtsduft. Mit Hilfe ätherischer Öle oder Räucherkegel, die um diese Jahreszeit sogar in vielen Supermärkten angeboten werden, wird der Hunger nach authentischem Winterdüften befriedigt und selbst der unnatürlichste Baum zum duften gebracht.

Doch was hat es eigentlich mit diesen Düften auf sich? Warum nutzen wir gerade diese typischen Weihnachtsaromen, die teilweise aus so fernen Ländern stammen und welche Geheimnisse und verborgenen Kräfte oder Heilwirkungen schlummern in ihnen?

Genau dies will ich in dieser Artikel Serie in der Advents- und Weihnachtszeit 2021 etwas genauer beleuchten. Die Serie gliedert sich in 4 Teile, die jeweils an den Montagen bis zum Weihnachtsfest erscheinen werden. Den Beginn soll diese Einleitung bilden, bei der ich etwas auf die Hintergründe und Geschichte der besonderen Weihnachtsduftwelt eingehen möchte. Warum sind die Düfte von Nadelbäumen, Zitrusfrüchten und exotischen Gewürzen für uns so untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden?

Der Grund, warum wir den Duft von harzigen Nadelbäumen mit der Winterzeit verbinden, lässt sich am, einfachsten erklären. Immerhin handelt es sich hier um einheimische Gewächse, die die Menschen zumindest früher direkt vor Ihrer Haustür fanden. Da die Nadelbäume im Winter ihr Nadelkleid nicht verlieren, sondern auch im tiefsten Schnee und in kältesten Temperaturen ihren grünen Schein bewahren, waren diese immergrünen Gewächse schon lange ein Symbol für das unsterbliche Leben der Natur im ewig wiederkehrenden Jahreskreis. In einer Zeit, in der um uns herum die sommerliche Fülle an Pflanzen abgestorben ist, die kahlen Äste der Bäume leblos in die eisigen Lüfte ragen und sich Tiere und Pflanzensamen in den Schoss der Erde zurückziehen, während die Schneedecke das unsichtbare Treiben gänzlich verhüllt, scheint die Welt ein lebloser und trostloser toter Ort zu sein. Dann ist das unverändert grüne Kleid der unbezwingbar wirkenden Tannen, Fichten Kiefern und anderer Nadelbäume geradezu ein leuchtender Schimmer der Hoffnung und Gewissheit, dass das Leben auch in dieser Zeit nicht gänzlich vergeht. Es ist ein Zeichen der Widerstandskraft und der Hoffnung auf ein baldiges Widererwachen der Lebenskräfte im Frühjahr.

Besonders in früheren Zeiten, in denen auch die Menschen weit mehr in den natürlichen Lauf der Natur eingebettet waren und auch menschliche Verluste aufgrund von Krankheit, Kälte und Hunger besonders in der kalten Jahreszeit ein Teil des Lebens waren, brachte das Ritual, sich die immergrünen Zweige in die warmen Stuben zu holen, eine beruhigende und hoffnungsvolle Atmosphäre in die Ruhe des winterlichen Lebens. Holz und Nadeln der Nadelbäume sind reich an ätherischen Ölen und verströmen in den geheizten Stuben ihren typischen Duft. Auf diese Weise wirkt die Symbolik des Weihnachtsgrüns nicht nur optisch, sondern auch olfaktorisch auf uns Menschen. Bis heute erinnert unser modernes Brauchtum an die frühen heidnischen Rituale. Kein Wunder also, dass ein Duft, der schon so lange unsere Winterzeit prägt, zu einem aromatischen Sinnbild für eben jene geworden ist.

Doch warum sind ausgerechnet die stark aromatischen Gewürze aus exotischen Ländern wie etwa Zimt, Kardamom und Gewürznelken mit unseren Weihnachtsbräuchen verbunden? Warum würzen wir unser Weihnachtsgebäck mit diesen starken und fremdartigen Aromen? Warum nutzen wir nicht auch hier einheimisches? Die Antwort auf diese Frage mag überraschen und wirkt in unserer modernen Welt ein wenig befremdlich.

Das moderne Weihnachtsgebäck wie etwa Lebkuchen, Stollen und Spekulatius hat seinen Ursprung in schlecht gewordenem Fett. In früheren Zeiten, in denen moderne Techniken und Geräte zur Haltbarmachung von Lebensmitteln noch nicht erfunden waren, und frische Lebensmittel nur zu bestimmten Zeiten im Jahreskreis zu ernten waren, war es nicht immer leicht, diese für die kalte und karge Zeit des Jahres zu konservieren. Da Nahrung aber kostbar war und jedes bisschen mehr an Vorrat über Leben oder Tod im Winter entscheiden konnte, wurden Lebensmittel, die ihre beste Zeit überschritten hatten und verdarben nicht einfach weggeschmissen. Man aß was man hatte. So auch ranziges Fett. Insbesondere die Butter, die aus der fettreichen Milch von Weidegenährten Kühen bereits in den warmen Monaten hergestellt wurde, war zur Zeit des Winters oft schon ranzig, übelriechend und streng im Geschmack. Das kalorienreiche Fett war aber essentiell, um in der Winterzeit zu überleben. Unzählige fettreiche Speisen wurden gebacken und verzehrt und noch heute erinnern die verschiedensten frittierten Hefeteiggebäcke und butterreiches Weihnachtsgebäck an diesen Brauch. Um den Geschmack der ranzigen Butter zu überdecken, wurden diesen Zubereitungen stark aromatische Gewürze beigefügt, die den strengen Geschmack des verdorbenen Fettes überdecken sollten. Die typische Weihnachstgewürzmischung, die wir noch heute schätzen war geboren. Denn wenn es um stark aromatische Gewürze geht, so sind die kostbaren Stoffe aus exotischen Ländern unseren einheimischen Würzmitteln sehr weit überlegen. Wer also mal ein wirklich authentisches Weihnachtsessen probieren möchte, der kann ja mal versuchen seine Weihnachtsleckereien mit ranzigem Fett zu backen.

Und was ist mit den Zitrusfrüchten? Warum finden diese aus weitaus wärmeren Gegenden stammenden Früchte nun ausgerechnet in der kalten Winterzeit ihren Weg in unsere Kammern? Nun, heutzutage mag es sein, dass wir diese Früchte das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen können. Gewächshäuser und modernste Anbau- und Transporttechniken ermöglichen es uns, dass wir auch hier nicht mehr auf den natürlichen Jahreslauf angewiesen sind. Aber auch das war früher anders. Wie gesagt, Zitrusfrüchte kommen ursprünglich aus Gegenden, in denen es ganzjährig ein wärmeres Klima hat. Und diese Gegenden finden sich viele Kilometer südlich unserer winterlichen Welt des Nordens. Wie die meisten Früchte wachsen und reifen auch die Zitrusfrüchte über die Sommermonate und sind dann erst im späten Sommer bis Herbst erntereif. In früheren Zeiten wurden viele der dann geernteten und lange haltbaren Früchte auf Schiffe verladen und über den Seeweg in den Norden verschifft. Als exotische Handelsware konnten Händler mit diesen Früchten ein gutes Geld verdienen. Doch der Seeweg ist langsam. Vor allem früher, als Segelschiffe die einzige Transportmöglichkeit für die lange Reise war. Und so kam es, dass diese sommerlichen Früchte erst in der frühen Weihnachtszeit im winterlichen Norden auf den Märkten der Hafenstädte zu finden waren. Und da man sich zur Weihnachtszeit auch mal etwas Abwechslung gönnen wollte, kauften die Menschen als besondere Speise für die Festtage die exotischen Früchte auf den Weihnachtsmärkten.

Nun sind zumindest die historischen Hintergründe der Weihnachtsdüfte etwas gelüftet. Was die Duft- und Aromastoffe im Einzelnen noch für Geheimnisse und Heilkräfte verbergen, dass werde ich in den kommenden Artikeln näher ausführen. Am nächsten Montag erschient ein ausführlicher Artikel über die Geheimnisse und Heilkraft des Nadelbaumduftes…

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Der Herbstmonat Oktober näher sich langsam dem Ende und mit großer Vorfreude erwarten schon viele das nahende Halloweenfest. Nicht wenige Menschen stehen aber der zunehmenden Verbreitung der augenscheinlich aus Amerika übergeschwappten Halloweenbräuche kritisch gegenüber. Der Brauch in der letzten Oktobernacht leuchtende Fratzen in Kürbisform aufzustellen und verkleidet als Geister und Gruselgestalten umherzuziehen ist aber keinesfalls nur ein Klamauk der modernen amerikanischen Spaßgesellschaft.

Die Ursprünge der modernen Halloweentradtion finden sich in der keltischen Kultur und sind somit etwas ureuropäisches. Irische Auswanderer haben einst ihre Traditionen mit in die neue Welt genommen, wo sich dann in der modernen Zeit das uns bekannte Halloweenfest daraus entwickelt hat.

Zurück geht das moderne Halloweenfest dabei auf das keltische Jahreskreisfest Samhain. Dies wurde in der Nacht zum ersten November gefeiert und ist zusammen mit Imbolc, Beltaine und Lughnasadh eines der vier großen keltischen Feste. Im keltischen Jahreskreis stellte Samhain den Beginn des neuen Jahres dar. In dieser besonderen Nacht, so glaubte man, stünden die Pforten zur Anderswelt offen und Ahnen, Geister und Dämonen konnten in der Welt der Lebenden umherziehen. Die Grenzen zwischen dem Totenreich und der unseren Welt verwischen in dieser Nacht. Um nicht versehentlich ins Reich des Todes zu wandern und um sich vor den negativen Einflüssen dieser Geistwesen zu schützen, blieb man in dieser Nacht zuhause. Man stellt zudem Laternen an die Pforten und Tore, die den heimischen Hof vom Wegesrand trennten, um den umherziehenden Totengeistern den rechten Weg zu weisen. Diese Laternen wurden aus den Überresten der im Herbst geernteten Rüben und Kürbisse geschnitzt. Auch stellte man Nahrung (Nüsse, Äpfel und süßes Gebäck) und andere Opfergaben für die umherziehenden Ahnen und Totengeister auf, damit diese gekräftigt und wohlgesonnen weiterziehen konnten. Tat man dies nicht, riskierte man, dass die Geisterwesen vor Ende der Nacht nicht mehr ins Reich des Todes zurückfanden und so in der Welt der Lebenden Unheil und Unglück verbreiteten. Diese Vorstellungen spiegeln sich heute in den als Gruselgestalten verkleideten Kindern wider, die zu Halloween von Haus zu Haus wandern und mit dem Spruch „Süßes, sonst gibt’s Saures“ süße Leckereien von den Hausbewohnern erbitten.

Doch die noch heute bei uns beliebte geschnitzte Kürbislaterne schenkt uns nicht nur ein herbstliches Licht, Halloweenfreude und Erinnerungen an längst vergessene Mythen und Legenden. In den orangefarbenen Gruselfratzen steckt gleichfalls eine kräftige Naturmedizin.

Während das Fruchtfleisch der Kürbisse (Cucurbita pepo) beim Präparieren der Kürbislaternen gerne noch zu Kürbissuppe oder Kürbisbrötchen weiterverarbeitet wird, finden die großen Kerne oftmals keine Verwendung und landen einfach im Müll. Zu Schade, denn in ihnen steckt die ungeahnte Heilkraft der Kürbisse. Insbesondere ältere Männer schätzen die Wirkung dieser wirkstoffreichen Kerne sehr, helfen sie doch bei Prostatabeschwerden. Die Kerne enthalten Phytosterine, die eine entzündungshemmende Wirkung haben und besonders bei gutartigen Prostatavergrößerungen angewandt werden. Bei regelmäßiger Anwendung über längere Zeit helfen Sie dabei Schwellungen und Entzündungen der Prostata abzuheilen. Die Kürbiskerne können dabei sowohl roh gegessen werden als auch in Form von Fertigpräparaten eingenommen werden.

Ebenfalls helfen die Kürbiskerne gegen Reizblasen und nächtlichen Harndrang. Auch bei Blasenentzündungen und zur Vorbeugung von Blasensteinen werden sie genutzt. Des Weiteren sollen die Kerne eine blutdrucksenkende Wirkung haben und gegen erhöhte Fettwerte helfen.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Bunt sind schon die Blätter,

rau das Herbstzeit Wetter.

Wind und Regen fegen

stürmisch auf den Wegen.

Der Herbst ist da. Mit all seiner stürmischen und zerstörerischen Kraft fegt er das sommerliche Leben hinfort und macht Platz für die winterliche Zeit der Ruhe, Stille und Einkehr. Viele Pflanzen sterben, manche ziehen sich in die schützende Erde zurück und nur wenige überwintern als immergrüne Bäume und Sträucher bis zur nächsten warmen Jahreszeit. Doch auch in dieser Phase des Dahinscheidens lässt sich Schönheit in der Natur finden. Beim morgendlichen Spaziergang strahlt das Zwielicht der tief stehenden Morgensonne durch die nebligen Schwaden und Raureif glitzert magisch auf dem letzten Grün. Das welkende Laub an den Bäumen verzaubert die Wälder in ein buntes Farbenmeer.

Viele Menschen verbringen die Herbstzeit am liebsten daheim in gemütlich warmer Atmosphäre. Bei Kerzenschein, Kaminfeuer und einer heißen Tasse Kaffee oder Tee lässt sich das raue Treiben des Herbstes wunderbar durch die Fenster beobachten. Doch auch ein gelegentlicher Ausflug in das stürmische Nass mag dem ein oder anderen Freude bereiten.

Kaum einer denkt jedoch daran, dass auch der Herbst ein paar wilde Schätze an Heilpflanzen für uns bereithält. Die meisten Heilkräuter wachsen und gedeihen in Frühling und Sommer. Spät im Herbst ist von ihnen lediglich nur noch ein vertrocknetes Gerippe zu finden. Die Zeit des Sammelns ist für sie vorbei. Doch nicht alle Kräuter haben ihre beste Zeit in den warmen Monaten. Der Herbst ist die Zeit für alle die Kräuter, bei denen man die unterirdischen Pflanzenteile nutzt.

Zweijährige und ausdauernde Pflanzen, die nicht verholzen, ziehen sich im Herbst ins Erdreich zurück. Die oberirdischen Pflanzenteile welken und sterben ab. Doch die Pflanze ist keineswegs tot, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Sie hat ihre komplette Pflanzenkraft ins Erdreich zurückgezogen. In der Wurzel speichert sie ihre kostbaren Inhaltsstoffe. Es ist die Zeit, in der die Wurzeln dieser Pflanzen am wirksamsten sind. In ihren Wurzeln haben sie über den Frühling und Sommer ihre Pflanzenkraft angereichert und mit dem Welken der oberirdischen Pflanzenteile zieht auch das letzte bisschen Lebenskraft in die Wurzeln. Über den Winter zehren diese Pflanzen nun von den gespeicherten Kräften, um dann im Frühling sämtliche Ressourcen in den Austrieb des frischen Grünes zu stecken. Zu keiner anderen Zeit im Jahr finden sich also mehr Kräfte in den Wurzeln, als jetzt im Herbst. Genau jetzt ist die Zeit, sie zu sammeln.

Eine Pflanze, deren Wurzeln wir jetzt im Herbst sammeln können, möchte ich hier kurz vorstellen:

Es ist die Große Klette (Arctium lappa). Diese imposante Pflanze, mit riesigen Blättern, deren eindrucksvolle Blütenstände mehrere Meter in die Höhe wachsen und nach den lilafarbenen Blüten große, runde Kletten als Früchte hervorbringen, verbergen ihre Heilkraft nicht etwa in den unübersehbaren oberirdischen Pflanzenteilen, sondern tief in den Wurzeln. Die Große Klette ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr treibt sie als Blattrosette aus und erst im zweiten Jahr bildet sie ihre Blütenstände. Danach stirb die Pflanze ab. Zum Sammeln der Wurzel nutzt man daher die Pflanzen, die sich im Herbst nach dem ersten Wachstumsjahr befinden. Die Große Klette wächst gerne an Wegesrändern von Waldwegen und Feldwegen. Sie ist eine häufige Erscheinung in unseren einheimischen Wäldern. Man kann sie bei einem herbstlichen Spaziergang durch Wald und Flur leicht finden.

Die Klettenwurzel ist dabei ein wahrer Alleskönner. Unter der Bezeichnung Radix Bardanae, ist sie in den Apotheken als Droge zu beziehen. Ihre volksheilkundlichen Anwendungen sind die Behandlung von trockenen und schuppigen Hautleiden, insbesondere der Kopfhaut, aber auch von Ekzemen und Schuppenflechte. Die Klettenwurzel soll zudem auch die Haarwurzeln stärken und so Haarausfall vorbeugen und für einen starken wuchs sorgen. Ebenso wurde sie zur Unterstützung der Galle und Niere eingesetzt und soll bei Harnwegentzündungen helfen. Auch äußerlich zur Unterstützung der Wundheilung und zur Behandlung von Geschwüren wurde sie eingesetzt. Gleichfalls zur Linderung rheumatischer Beschwerden nutzte man die Klettenwurzel.

Die moderne Kosmetik wendet das Klettenwurzelöl wegen seiner positiven Wirkungen auf die Haut an. Forschungen der modernen Phytotherapie zeigen zudem antitumorale, antivirale, antibakterielle und antioxidative Wirkungen der Klettenwurzel. Verantwortlich für die Wirkungen der Klettenwurzel sind Fructane (wasserlösliche Polysacharide) sowie der Wirkstoff Arctigenin.

Für die äußerliche Anwendung nutzt man am besten das Klettenwurzelöl. Dies kann man leicht selbst herstellen, indem man die getrocknete und kleingehackte Wurzel in Speiseöl einlegt und mehrere Wochen ziehen lässt. Für innerliche Anwendungen kann man die Klettenwurzel als Tee aufbrühen. Da insbesondere der Wirkstoff Arctigenin sich jedoch besonders gut in Fett löst, ist es ratsam dem Tee bereits beim Aufbrühen etwas Sahne zuzuführen. Unter dem Namen Ueong ist dieser Tee vor allem in Korea eine beliebte Medizin.

Auch kulinarisch wird die Klettenwurzel genutzt. Hierzulande ist sie als Gemüse nahezu in Vergessenheit geraten. Früher wurde sie aber ähnlich der Schwarzwurzel zubereitet und war eine beliebte Speise bei der armen Landbevölkerung. Lediglich in asiatischen Ländern findet sich bis heute eine verbreitete Verwendung der Klettenwurzel als Nahrung.

Text: Fabian Kalis

Bild: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons,