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Die Advents- und Weihnachtszeit ist geprägt von intensiven Düften und Aromen, die bei vielen Menschen sofort Assoziationen von sinnlicher Gemütlichkeit und Winterruhe hervorlocken. Was wäre das winterliche Treiben in den warmen Stuben ohne den Duft von Nadelbäumen, exotischen Gewürzen und Zitrusfrüchten? Und daran hat selbst der zunehmende Trend zu künstlichen Tannenbäumen aus Plastik nichts geändert. Bei allem Fortschritt stellt man nämlich schnell fest: dem künstlichen Plastikbaum mangelt es an Weihnachtsduft. Mit Hilfe ätherischer Öle oder Räucherkegel, die um diese Jahreszeit sogar in vielen Supermärkten angeboten werden, wird der Hunger nach authentischem Winterdüften befriedigt und selbst der unnatürlichste Baum zum duften gebracht.

Doch was hat es eigentlich mit diesen Düften auf sich? Warum nutzen wir gerade diese typischen Weihnachtsaromen, die teilweise aus so fernen Ländern stammen und welche Geheimnisse und verborgenen Kräfte oder Heilwirkungen schlummern in ihnen?

Genau dies will ich in dieser Artikel Serie in der Advents- und Weihnachtszeit 2021 etwas genauer beleuchten. Die Serie gliedert sich in 4 Teile, die jeweils an den Montagen bis zum Weihnachtsfest erscheinen werden. Den Beginn soll diese Einleitung bilden, bei der ich etwas auf die Hintergründe und Geschichte der besonderen Weihnachtsduftwelt eingehen möchte. Warum sind die Düfte von Nadelbäumen, Zitrusfrüchten und exotischen Gewürzen für uns so untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden?

Der Grund, warum wir den Duft von harzigen Nadelbäumen mit der Winterzeit verbinden, lässt sich am, einfachsten erklären. Immerhin handelt es sich hier um einheimische Gewächse, die die Menschen zumindest früher direkt vor Ihrer Haustür fanden. Da die Nadelbäume im Winter ihr Nadelkleid nicht verlieren, sondern auch im tiefsten Schnee und in kältesten Temperaturen ihren grünen Schein bewahren, waren diese immergrünen Gewächse schon lange ein Symbol für das unsterbliche Leben der Natur im ewig wiederkehrenden Jahreskreis. In einer Zeit, in der um uns herum die sommerliche Fülle an Pflanzen abgestorben ist, die kahlen Äste der Bäume leblos in die eisigen Lüfte ragen und sich Tiere und Pflanzensamen in den Schoss der Erde zurückziehen, während die Schneedecke das unsichtbare Treiben gänzlich verhüllt, scheint die Welt ein lebloser und trostloser toter Ort zu sein. Dann ist das unverändert grüne Kleid der unbezwingbar wirkenden Tannen, Fichten Kiefern und anderer Nadelbäume geradezu ein leuchtender Schimmer der Hoffnung und Gewissheit, dass das Leben auch in dieser Zeit nicht gänzlich vergeht. Es ist ein Zeichen der Widerstandskraft und der Hoffnung auf ein baldiges Widererwachen der Lebenskräfte im Frühjahr.

Besonders in früheren Zeiten, in denen auch die Menschen weit mehr in den natürlichen Lauf der Natur eingebettet waren und auch menschliche Verluste aufgrund von Krankheit, Kälte und Hunger besonders in der kalten Jahreszeit ein Teil des Lebens waren, brachte das Ritual, sich die immergrünen Zweige in die warmen Stuben zu holen, eine beruhigende und hoffnungsvolle Atmosphäre in die Ruhe des winterlichen Lebens. Holz und Nadeln der Nadelbäume sind reich an ätherischen Ölen und verströmen in den geheizten Stuben ihren typischen Duft. Auf diese Weise wirkt die Symbolik des Weihnachtsgrüns nicht nur optisch, sondern auch olfaktorisch auf uns Menschen. Bis heute erinnert unser modernes Brauchtum an die frühen heidnischen Rituale. Kein Wunder also, dass ein Duft, der schon so lange unsere Winterzeit prägt, zu einem aromatischen Sinnbild für eben jene geworden ist.

Doch warum sind ausgerechnet die stark aromatischen Gewürze aus exotischen Ländern wie etwa Zimt, Kardamom und Gewürznelken mit unseren Weihnachtsbräuchen verbunden? Warum würzen wir unser Weihnachtsgebäck mit diesen starken und fremdartigen Aromen? Warum nutzen wir nicht auch hier einheimisches? Die Antwort auf diese Frage mag überraschen und wirkt in unserer modernen Welt ein wenig befremdlich.

Das moderne Weihnachtsgebäck wie etwa Lebkuchen, Stollen und Spekulatius hat seinen Ursprung in schlecht gewordenem Fett. In früheren Zeiten, in denen moderne Techniken und Geräte zur Haltbarmachung von Lebensmitteln noch nicht erfunden waren, und frische Lebensmittel nur zu bestimmten Zeiten im Jahreskreis zu ernten waren, war es nicht immer leicht, diese für die kalte und karge Zeit des Jahres zu konservieren. Da Nahrung aber kostbar war und jedes bisschen mehr an Vorrat über Leben oder Tod im Winter entscheiden konnte, wurden Lebensmittel, die ihre beste Zeit überschritten hatten und verdarben nicht einfach weggeschmissen. Man aß was man hatte. So auch ranziges Fett. Insbesondere die Butter, die aus der fettreichen Milch von Weidegenährten Kühen bereits in den warmen Monaten hergestellt wurde, war zur Zeit des Winters oft schon ranzig, übelriechend und streng im Geschmack. Das kalorienreiche Fett war aber essentiell, um in der Winterzeit zu überleben. Unzählige fettreiche Speisen wurden gebacken und verzehrt und noch heute erinnern die verschiedensten frittierten Hefeteiggebäcke und butterreiches Weihnachtsgebäck an diesen Brauch. Um den Geschmack der ranzigen Butter zu überdecken, wurden diesen Zubereitungen stark aromatische Gewürze beigefügt, die den strengen Geschmack des verdorbenen Fettes überdecken sollten. Die typische Weihnachstgewürzmischung, die wir noch heute schätzen war geboren. Denn wenn es um stark aromatische Gewürze geht, so sind die kostbaren Stoffe aus exotischen Ländern unseren einheimischen Würzmitteln sehr weit überlegen. Wer also mal ein wirklich authentisches Weihnachtsessen probieren möchte, der kann ja mal versuchen seine Weihnachtsleckereien mit ranzigem Fett zu backen.

Und was ist mit den Zitrusfrüchten? Warum finden diese aus weitaus wärmeren Gegenden stammenden Früchte nun ausgerechnet in der kalten Winterzeit ihren Weg in unsere Kammern? Nun, heutzutage mag es sein, dass wir diese Früchte das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen können. Gewächshäuser und modernste Anbau- und Transporttechniken ermöglichen es uns, dass wir auch hier nicht mehr auf den natürlichen Jahreslauf angewiesen sind. Aber auch das war früher anders. Wie gesagt, Zitrusfrüchte kommen ursprünglich aus Gegenden, in denen es ganzjährig ein wärmeres Klima hat. Und diese Gegenden finden sich viele Kilometer südlich unserer winterlichen Welt des Nordens. Wie die meisten Früchte wachsen und reifen auch die Zitrusfrüchte über die Sommermonate und sind dann erst im späten Sommer bis Herbst erntereif. In früheren Zeiten wurden viele der dann geernteten und lange haltbaren Früchte auf Schiffe verladen und über den Seeweg in den Norden verschifft. Als exotische Handelsware konnten Händler mit diesen Früchten ein gutes Geld verdienen. Doch der Seeweg ist langsam. Vor allem früher, als Segelschiffe die einzige Transportmöglichkeit für die lange Reise war. Und so kam es, dass diese sommerlichen Früchte erst in der frühen Weihnachtszeit im winterlichen Norden auf den Märkten der Hafenstädte zu finden waren. Und da man sich zur Weihnachtszeit auch mal etwas Abwechslung gönnen wollte, kauften die Menschen als besondere Speise für die Festtage die exotischen Früchte auf den Weihnachtsmärkten.

Nun sind zumindest die historischen Hintergründe der Weihnachtsdüfte etwas gelüftet. Was die Duft- und Aromastoffe im Einzelnen noch für Geheimnisse und Heilkräfte verbergen, dass werde ich in den kommenden Artikeln näher ausführen. Am nächsten Montag erschient ein ausführlicher Artikel über die Geheimnisse und Heilkraft des Nadelbaumduftes…

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Der Herbstmonat Oktober näher sich langsam dem Ende und mit großer Vorfreude erwarten schon viele das nahende Halloweenfest. Nicht wenige Menschen stehen aber der zunehmenden Verbreitung der augenscheinlich aus Amerika übergeschwappten Halloweenbräuche kritisch gegenüber. Der Brauch in der letzten Oktobernacht leuchtende Fratzen in Kürbisform aufzustellen und verkleidet als Geister und Gruselgestalten umherzuziehen ist aber keinesfalls nur ein Klamauk der modernen amerikanischen Spaßgesellschaft.

Die Ursprünge der modernen Halloweentradtion finden sich in der keltischen Kultur und sind somit etwas ureuropäisches. Irische Auswanderer haben einst ihre Traditionen mit in die neue Welt genommen, wo sich dann in der modernen Zeit das uns bekannte Halloweenfest daraus entwickelt hat.

Zurück geht das moderne Halloweenfest dabei auf das keltische Jahreskreisfest Samhain. Dies wurde in der Nacht zum ersten November gefeiert und ist zusammen mit Imbolc, Beltaine und Lughnasadh eines der vier großen keltischen Feste. Im keltischen Jahreskreis stellte Samhain den Beginn des neuen Jahres dar. In dieser besonderen Nacht, so glaubte man, stünden die Pforten zur Anderswelt offen und Ahnen, Geister und Dämonen konnten in der Welt der Lebenden umherziehen. Die Grenzen zwischen dem Totenreich und der unseren Welt verwischen in dieser Nacht. Um nicht versehentlich ins Reich des Todes zu wandern und um sich vor den negativen Einflüssen dieser Geistwesen zu schützen, blieb man in dieser Nacht zuhause. Man stellt zudem Laternen an die Pforten und Tore, die den heimischen Hof vom Wegesrand trennten, um den umherziehenden Totengeistern den rechten Weg zu weisen. Diese Laternen wurden aus den Überresten der im Herbst geernteten Rüben und Kürbisse geschnitzt. Auch stellte man Nahrung (Nüsse, Äpfel und süßes Gebäck) und andere Opfergaben für die umherziehenden Ahnen und Totengeister auf, damit diese gekräftigt und wohlgesonnen weiterziehen konnten. Tat man dies nicht, riskierte man, dass die Geisterwesen vor Ende der Nacht nicht mehr ins Reich des Todes zurückfanden und so in der Welt der Lebenden Unheil und Unglück verbreiteten. Diese Vorstellungen spiegeln sich heute in den als Gruselgestalten verkleideten Kindern wider, die zu Halloween von Haus zu Haus wandern und mit dem Spruch „Süßes, sonst gibt’s Saures“ süße Leckereien von den Hausbewohnern erbitten.

Doch die noch heute bei uns beliebte geschnitzte Kürbislaterne schenkt uns nicht nur ein herbstliches Licht, Halloweenfreude und Erinnerungen an längst vergessene Mythen und Legenden. In den orangefarbenen Gruselfratzen steckt gleichfalls eine kräftige Naturmedizin.

Während das Fruchtfleisch der Kürbisse (Cucurbita pepo) beim Präparieren der Kürbislaternen gerne noch zu Kürbissuppe oder Kürbisbrötchen weiterverarbeitet wird, finden die großen Kerne oftmals keine Verwendung und landen einfach im Müll. Zu Schade, denn in ihnen steckt die ungeahnte Heilkraft der Kürbisse. Insbesondere ältere Männer schätzen die Wirkung dieser wirkstoffreichen Kerne sehr, helfen sie doch bei Prostatabeschwerden. Die Kerne enthalten Phytosterine, die eine entzündungshemmende Wirkung haben und besonders bei gutartigen Prostatavergrößerungen angewandt werden. Bei regelmäßiger Anwendung über längere Zeit helfen Sie dabei Schwellungen und Entzündungen der Prostata abzuheilen. Die Kürbiskerne können dabei sowohl roh gegessen werden als auch in Form von Fertigpräparaten eingenommen werden.

Ebenfalls helfen die Kürbiskerne gegen Reizblasen und nächtlichen Harndrang. Auch bei Blasenentzündungen und zur Vorbeugung von Blasensteinen werden sie genutzt. Des Weiteren sollen die Kerne eine blutdrucksenkende Wirkung haben und gegen erhöhte Fettwerte helfen.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Bunt sind schon die Blätter,

rau das Herbstzeit Wetter.

Wind und Regen fegen

stürmisch auf den Wegen.

Der Herbst ist da. Mit all seiner stürmischen und zerstörerischen Kraft fegt er das sommerliche Leben hinfort und macht Platz für die winterliche Zeit der Ruhe, Stille und Einkehr. Viele Pflanzen sterben, manche ziehen sich in die schützende Erde zurück und nur wenige überwintern als immergrüne Bäume und Sträucher bis zur nächsten warmen Jahreszeit. Doch auch in dieser Phase des Dahinscheidens lässt sich Schönheit in der Natur finden. Beim morgendlichen Spaziergang strahlt das Zwielicht der tief stehenden Morgensonne durch die nebligen Schwaden und Raureif glitzert magisch auf dem letzten Grün. Das welkende Laub an den Bäumen verzaubert die Wälder in ein buntes Farbenmeer.

Viele Menschen verbringen die Herbstzeit am liebsten daheim in gemütlich warmer Atmosphäre. Bei Kerzenschein, Kaminfeuer und einer heißen Tasse Kaffee oder Tee lässt sich das raue Treiben des Herbstes wunderbar durch die Fenster beobachten. Doch auch ein gelegentlicher Ausflug in das stürmische Nass mag dem ein oder anderen Freude bereiten.

Kaum einer denkt jedoch daran, dass auch der Herbst ein paar wilde Schätze an Heilpflanzen für uns bereithält. Die meisten Heilkräuter wachsen und gedeihen in Frühling und Sommer. Spät im Herbst ist von ihnen lediglich nur noch ein vertrocknetes Gerippe zu finden. Die Zeit des Sammelns ist für sie vorbei. Doch nicht alle Kräuter haben ihre beste Zeit in den warmen Monaten. Der Herbst ist die Zeit für alle die Kräuter, bei denen man die unterirdischen Pflanzenteile nutzt.

Zweijährige und ausdauernde Pflanzen, die nicht verholzen, ziehen sich im Herbst ins Erdreich zurück. Die oberirdischen Pflanzenteile welken und sterben ab. Doch die Pflanze ist keineswegs tot, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Sie hat ihre komplette Pflanzenkraft ins Erdreich zurückgezogen. In der Wurzel speichert sie ihre kostbaren Inhaltsstoffe. Es ist die Zeit, in der die Wurzeln dieser Pflanzen am wirksamsten sind. In ihren Wurzeln haben sie über den Frühling und Sommer ihre Pflanzenkraft angereichert und mit dem Welken der oberirdischen Pflanzenteile zieht auch das letzte bisschen Lebenskraft in die Wurzeln. Über den Winter zehren diese Pflanzen nun von den gespeicherten Kräften, um dann im Frühling sämtliche Ressourcen in den Austrieb des frischen Grünes zu stecken. Zu keiner anderen Zeit im Jahr finden sich also mehr Kräfte in den Wurzeln, als jetzt im Herbst. Genau jetzt ist die Zeit, sie zu sammeln.

Eine Pflanze, deren Wurzeln wir jetzt im Herbst sammeln können, möchte ich hier kurz vorstellen:

Es ist die Große Klette (Arctium lappa). Diese imposante Pflanze, mit riesigen Blättern, deren eindrucksvolle Blütenstände mehrere Meter in die Höhe wachsen und nach den lilafarbenen Blüten große, runde Kletten als Früchte hervorbringen, verbergen ihre Heilkraft nicht etwa in den unübersehbaren oberirdischen Pflanzenteilen, sondern tief in den Wurzeln. Die Große Klette ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr treibt sie als Blattrosette aus und erst im zweiten Jahr bildet sie ihre Blütenstände. Danach stirb die Pflanze ab. Zum Sammeln der Wurzel nutzt man daher die Pflanzen, die sich im Herbst nach dem ersten Wachstumsjahr befinden. Die Große Klette wächst gerne an Wegesrändern von Waldwegen und Feldwegen. Sie ist eine häufige Erscheinung in unseren einheimischen Wäldern. Man kann sie bei einem herbstlichen Spaziergang durch Wald und Flur leicht finden.

Die Klettenwurzel ist dabei ein wahrer Alleskönner. Unter der Bezeichnung Radix Bardanae, ist sie in den Apotheken als Droge zu beziehen. Ihre volksheilkundlichen Anwendungen sind die Behandlung von trockenen und schuppigen Hautleiden, insbesondere der Kopfhaut, aber auch von Ekzemen und Schuppenflechte. Die Klettenwurzel soll zudem auch die Haarwurzeln stärken und so Haarausfall vorbeugen und für einen starken wuchs sorgen. Ebenso wurde sie zur Unterstützung der Galle und Niere eingesetzt und soll bei Harnwegentzündungen helfen. Auch äußerlich zur Unterstützung der Wundheilung und zur Behandlung von Geschwüren wurde sie eingesetzt. Gleichfalls zur Linderung rheumatischer Beschwerden nutzte man die Klettenwurzel.

Die moderne Kosmetik wendet das Klettenwurzelöl wegen seiner positiven Wirkungen auf die Haut an. Forschungen der modernen Phytotherapie zeigen zudem antitumorale, antivirale, antibakterielle und antioxidative Wirkungen der Klettenwurzel. Verantwortlich für die Wirkungen der Klettenwurzel sind Fructane (wasserlösliche Polysacharide) sowie der Wirkstoff Arctigenin.

Für die äußerliche Anwendung nutzt man am besten das Klettenwurzelöl. Dies kann man leicht selbst herstellen, indem man die getrocknete und kleingehackte Wurzel in Speiseöl einlegt und mehrere Wochen ziehen lässt. Für innerliche Anwendungen kann man die Klettenwurzel als Tee aufbrühen. Da insbesondere der Wirkstoff Arctigenin sich jedoch besonders gut in Fett löst, ist es ratsam dem Tee bereits beim Aufbrühen etwas Sahne zuzuführen. Unter dem Namen Ueong ist dieser Tee vor allem in Korea eine beliebte Medizin.

Auch kulinarisch wird die Klettenwurzel genutzt. Hierzulande ist sie als Gemüse nahezu in Vergessenheit geraten. Früher wurde sie aber ähnlich der Schwarzwurzel zubereitet und war eine beliebte Speise bei der armen Landbevölkerung. Lediglich in asiatischen Ländern findet sich bis heute eine verbreitete Verwendung der Klettenwurzel als Nahrung.

Text: Fabian Kalis

Bild: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons,

Die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) ist ein bis zu 15 Meter hohes, sommergrünes Gewächs. Die kann sowohl in Strauchform als auch in Baumform wachsen. Die Traubenkirsche blüht von April bis Juni und bildet kleine, weiße in Trauben hängende Blüten. Die Blüten haben einen intensiven an Bittermandel erinnernden Duft. Nach der Blüte bilden sich erbsengroße Früchte, die zunächst rot, später schwarz sind und in Trauben von bis zu 30 Früchten an den Ästen hängen. Diesen kirschähnlichen in Trauben reifenden Früchten verdankt die Traubenkirsche ihren Namen. Die Früchte reifen im Spätsommer und werden insbesondere von verschiedenen Vogelarten verzehrt.

Das reife Fruchtfleisch ist ungiftig und genießbar. Lediglich der Steinkern enthält ein für den Menschen unverträgliches Blausäureglykosid (Amygdalin). Sofern die Samen jedoch unzerkaut eingenommen werden, stellen diese keine Vergiftungsgefahr dar. Aufgrund der Inhaltstoffe in den Samen wird die Traubenkirsche jedoch in Kräuterbüchern häufig als giftig angegeben. Wenn man die Früchte jedoch entkernt, sind Sie unbedenklich und essbar. In Mecklenburg-Vorpommern kocht man traditionell eine Marmelade aus den Früchten. Auch die Rinde der Traubenkirsche enthält das unverträgliche Blausäureglykosid Amygdalin.

In manchen Gegenden wird die Traubenkirsche auch als Faulbaum bezeichnet. Dies kann zu Verwechslungen mit dem Echten Faulbaum (Prunus frangula) führen. Auch botanisch haben die beiden Pflanzen viele Gemeinsamkeiten, die eine Unterscheidung für Laien schwierig machen kann. Unterscheiden kann man die beiden Sträucher gut am Geruch der abgeschabten Rinde. Die Traubenkirsche duftet intensiv nach Bittermandel (oder auch Honig oder Marzipan) der Echte Faulbaum hat ein faulige Duftnote. Auch am Blattrand der ansonsten ähnlichen Blätter ist eine Unterscheidung zu erkennen: Der Faulbaum hat einen glatten Blattrand, die Blätter der Traubenkirsche sind leicht gezahnt.

Weitere Namen der Traubenkirsche sind Sumpfkirsche und Elsenbeere. Der Name Sumpfkirsche deutet darauf hin, dass die Traubenkirsche gerne an feuchten, sumpfartigen Standorten wächst.

Besonders in Osteuropa finden die biegsamen Zweige der Traubenkirsche als Flechtmaterial Verwendung. Das Holz wird zudem gerne zum Drechseln genutzt. Auch als Zierpflanze in Parkanlagen und Gärten findet die Traubenkirsche zunehmend Verwendung.

Text: Fabian Kalis

Bild: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany

Ihre Majestät die Bienenkönigin stellt vor: das königliche Rezept für gekochte Hornissen. Was man braucht: eine frische lebende Hornisse, 20 – 25 starke Arbeiterbienen und ein paar Minuten Zeit. Umhülle die Hornisse mit den Arbeiterbienen, stell die Flügel auf Vibration und gare die Hornissen so bei etwa 43 °C über mehrere Minuten.

Eine noch ungekochte Hornisse in ihrem Nest.

Bei dieser Anleitung handelt es sich keinesfalls um einen Spaß. Zugegeben, den Bienen geht es hierbei natürlich nicht um die Zubereitung einer leckeren Mahlzeit. Unsere Honigbienen sind aber tatsächlich in der Lage Hornissen zu kochen. Wie genau und warum sie das machen, ist eine spannende Geschichte.

Die Bienen verteidigen ihren Bienenstock sehr wachsam gegen allerlei Räuber und Feinde. Niemand der nicht zum Volk gehört, darf das Innere des Bienenstockes betreten. Egal ob Wespe, Maus, Dachs oder Bär: jeder, der es wagt, dem Flugloch zu nahezukommen oder gar den kostbaren Honig zu stehlen zu wollen wird von den wachsamen Wächterbienen mit schmerzhaften Stichen in die Flucht geschlagen. Bei den großen Säugetieren ist es der Schmerz, der die Tiere von der geplanten Räuberei abhalten soll. Kleine Insekten können durch das Bienengift sogar getötet werden. Ein Sonderfall sind aber die Hornissen. Bei ihnen funktioniert die bewährte Methode nicht. Sie kümmern sich nicht um erlangte Stiche und sind immun gegen das Bienengift. Sie führen ihren Angriff auf den Vorrat der Bienen unbeeindruckt fort.

Das Flugloch: Eingang zum Bienenstock, gut bewacht durch die Wächterbienen

Besonders im späten Sommer sind viele Hornissen auf der Suche nach ein paar süßen Leckerbissen. Der Duft nach Honig aus dem Flugloch lockt dabei so manche wagemutige Hornisse zu den Bienen. Tapfer und ohne Beachtung der Gefährlichkeit dieser Aktion wagt sich die honig-hungrige Hornisse vorbei an den stechenden Fluglochwachen ins Innere des Bienenvolkes. Den Hornissen macht das Bienengift nichts aus. Egal wie viele Stiche sie abbekommen, das Bienengift vermag es nicht, die großen Insekten vom Plündern des Honigvorrates abzuhalten. Eine ausweglose Situation für die Bienen? Keineswegs. Die schlauen Honigbienen haben extra für die Hornissen eine ganz spezielle Methode zur Verteidigung entwickelt.: Sie kochen die Hornissen.

Grundlage für diese sonderbare Aktion ist, dass Hornissen hitzeempfindlicher sind als die Bienen. Die Hornissen sterben bei Temperaturen über 42 °C. Bienen hingegen vertragen kurzzeitig Temperaturen bis 44 °C. Dieser winzige Unterschied in der Hitzeverträglichkeit ermöglicht es den Bienen, die Hornissen mit Hitze zu töten, ohne dabei selbst schaden zu nehmen. Dafür umschließen zahlreiche Bienen die Hornisse und beginnen mit ihren Flügeln zu vibrieren, um Hitze zu erzeugen. Das Knäuel aus Hornisse und Bienen wird so innerhalb weniger Minuten auf eine Temperatur von knapp über 42 °C erhitzt. Die arme Hornisse wird dabei also langsam zu Tode gegart. Die mutigen Arbeiterbienen hingegen überleben diesen kurzzeitigen Temperaturanstieg unbeschadet.

Mit dieser Methode schaffen es die Bienen, die robusten Eindringlinge ganz ohne ihren Stachel zu besiegen. Gegessen werden die Hornissen dann aber nicht von den Bienen. Zum Heraustragen ist die tote Hornissen dann aber zu schwer für die kleinen Arbeiterinnen. Damit die leblose Hornisse nun nicht innerhalb des Bienenstockes verrottet und Keime und Krankheiten verbreitet, wird die getötete Hornisse von den Bienen mumifiziert. Ja genau, richtig gelesen. Die Bienen Mumifizieren die toten Hornissen. Tatsächlich haben die Bienen das Mumifizieren erfunden. Die Ägypter haben sich diese Technik von den Bienen abgeschaut und verfeinert. Die Bienen mumifizieren nicht nur Hornissen sondern jedes Tier was innerhalb des Bienenstocks ums leben kommt und zu schwer zum Heraustragen ist. Die leblosen Körper werden von den Bienen präpariert und mit Propolis einbalsamiert. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

 

Rauch ist seit jeher eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Arbeit mit Bienen. Schon in der Steinzeit nutzten die Menschen Rauch, um die wilden Honigbienen bei der Honigjagd vom Stechen abzuhalten. Und bis heute hat sich hieran nichts geändert. Was funktioniert und sich bewährt, das bleibt eben erhalten. Kein Wunder also, dass das Einräuchern der Bienen bei Imkern weltweit auch in moderner Zeit ein ganz alltägliches Tun ist. Je nach Kultur und lokalen Ressourcen unterscheiden sich die Hilfsmittel und Rauchmaterialien, die zur Raucherzeugung dienen natürlich ein wenig. Klar ist aber: überall nutzt man den Rauch, um die Arbeit mit den Bienen zu erleichtern.

Was genau glimmt und Rauch erzeugt ist abhängig davon, welche natürlichen Ressourcen den Imkern, Zeidlern und Honigjägern vor Ort zur Verfügung stehen. In Indien und Mazedonien nutzt man getrocknete Kuhfladen zur Raucherzeugung. In vielen Teilen Afrikas wird der getrocknete Dung anderer Tiere genutzt. In wieder anderen Teilen der Welt macht man große Feuer, auf die dann frisches, noch feuchtes Pflanzenmaterial gelegt wird, was eine enorme Rauchentwicklung in großer Umgebung rund um das Feuer zur Folge hat. Andere kennen bestimmte Kräuter, die eine besonders gute Rauchentwicklung beim Verglimmen zeigen. Und viele Kulturen schätzen den Wohlgeruch bestimmter Kräuter beim Verräuchern. Doch nicht nur Duft und Rauchentwicklung spielen eine Rolle. Auch weniger rationale Aspekte wie etwa Mythologie und Zauberei sind, wenn es um die Bienen geht, nicht zu vergessen.

Rauchschwaden bei einem Waldbrand

Doch warum räuchert man die Bienen eigentlich ein? Rational gesehen ist die Erklärung wie folgt: Der Rauch vermittelt den Bienen, die ja ursprünglich in hohlen Baumstämmen in den Wäldern lebten, dass der Wald brennt. Ein Waldbrand ist für so ein wildes Bienenvolk natürlich eine enorme Gefahr. Der komplette Bienenstock mit Brut, Waben und Honigvorrat kann durch das Feuer vernichtet werden. Die einzige Rettung für die Bienen ist hierbei die Flucht. Sobald die Bienen den Rauch wahrnehmen, bereiten sich alle Arbeiterbienen vor, den Bienenstock als Schwarm zu verlassen und ein neues zu Hause zu suchen. Dabei wollen sie natürlich so viel wie möglich von ihrem kostbaren Honigvorrat mitnehmen. Dafür eilen nun die Arbeiterbienen zu dem Honigvorrat in den Waben und nehmen so viel Honig wie möglich in ihre Honigmägen auf. Das hat zur Folge, dass die Arbeiterbienen beschäftigt sind und nicht umherfliegen oder angreifen und stechen, wenn man die Bienenstöcke öffnet. Die Bienen haben dann einfach wichtigeres zu tun.

Und warum Schwärmen die Bienen dann nicht aus und sind weg? Der ganze Rauch würde dem Imker wenig nutzen, wenn er jedes Mal sein Volk verliert, wenn er hineinschaut. Die Bienen fliegen aber zum Glück trotz des Rauches erst einmal nicht aus. Sie bereiten sich zwar auf eine mögliche Flucht vor, das heimische Nest zurückzulassen erfordert aber eine weitaus größere Bedrohung als nur den Rauch. Erst wenn zu dem Rauch noch eine starke Hitzeentwicklung dazu kommt, verlassen die Bienen tatsächlich ihren Stock. Als Imker kann man also ohne Bedenken den Rauch verwenden. Sobald sich der Rauch nach einer Weile wieder gelegt hat, kehren die Bienen unbehelligt zu ihrer alltäglichen Arbeit zurück.

Doch nicht nur diese rationale Sichtwiese erklärt den Effekt des Rauches auf die Bienen. Viele Imker sind sich sicher, dass der Rauch die Bienen besänftigt und beruhigt, was aus oben genannter Sicht natürlich überhaupt nicht der Fall ist. Nach diesem Erklärungsmodell müssten die Bienen beim Einräuchern in Todesangst und enormen Stress sein. Dennoch wirken die Bienen beim Verräuchern der richtigen Kräuter ruhig, langsam, meditativ und strahlen eine friedvolle Harmonie aus. Es spielen also durchaus noch andere Aspekte eine wichtige Rolle.

Ein moderner Smoker (Foto: www.pixabay.com)

Moderne Imker in konventioneller Imkerei nutzen auch gerne mal Eierkartons oder alte Pappe und Zeitungen. Dem Rauchmaterial wird hier keine große Beachtung geschenkt. Man nimmt, was man findet und ist froh, gleichzeitig etwas Müll loszuwerden. Das mag natürlich gut rauchen, einen Wohlgeruch erzeugt dieses Material aber nicht. Und von der besänftigenden Wirkung mancher Kräuter ist bei der Nutzung solch eines Materials bei den Bienen auch nichts zu sehen.

In der nordeuropäischen Imkerei und früher auch in der Waldbienenzucht, der Zeidlerei, nutzte man traditionell eine Mischung aus Kräutern und anderen Pflanzenmaterialien, um Rauch zu erzeugen. Die Kräuter wurden dabei nicht nur aufgrund ihrer guten Glimm- und Raucheigenschaften ausgesucht, sondern beisitzen noch weitere Eigenschaften. Viele von ihnen erzeugen beim Verräuchern einen angenehmen Wohlgeruch und einigen sagt man eine magische Wirkung nach, die besonders geeignet ist, um das Wesen der Bienen zu besänftigen. So entstanden im Laufe der Zeit viele verschiedene Kräutermischungen, die von den Imkern und Zeidlern genutzt wurden. Einige dieser Rezepte wurden als wohlgehütete Familiengeheimnisse von Generation zu Generation weitergegeben und sind uns bis heute erhalten. Jeder Imker kannte eine ganz eigene Zaubermischung, die besonders magische Kräfte besaß.

Ich benutzte in meinem Smoker ebenfalls eine Kräutermischung aus besonderen Kräutern. Das Rezept dafür ist eine dieser altüberlieferten geheimen Zaubermischungen. Und Wohlgeruch und Wirkung dieser Kräutermischung sind so überzeugend gut, dass ich nichts anderes mehr in meine Imkerpfeife lasse. Das wichtigste Kraut in meiner Mischung ist der Rainfarn Tanacetum vulgare. Rainfarn ist ein in Nordeuropa häufiges Gewächs innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er hat viele kleine gelbe Blütenköpfe, die aus unzähligen winzigen Einzelblüten bestehen und eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insekten, auch die Honigbiene, bilden. Die Blätter des Rainfarn erinnern an Farnblätter, was dem Rainfarn seinen Namen verleiht. Das Wort Rain deutet dabei auf den Wuchsort der Pflanze hin, die man häufig an Feldrainen wachsen sieht. Der Rainfarn war früher ein wichtiges Mittel in der Pflanzenheilkunde und wurde zur Behandlung von Darmparasiten bei Mensch und Tier eingesetzt. Auch war er eine wichtige Färberpflanze. Die Pflanze hat einen stark aromatischen Duft, der auch beim Verräuchern besonders entfaltet wird. Das macht dieses Kraut zu einem idealen Kandidaten für die Imkerpfeife.

Zeichnung vom Rainfarn aus einem alten Kräuterbuch

Darüber hinaus sagt man dem Rainfarn eine magische Wirkung zu. Generell soll er beim Verräuchern geladene Stimmungen harmonieren und Unheil, Streit und Böses fernhalten. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem passenden Kraut für die Smokermischung, denn welcher Imker möchte nicht in Harmonie mit seinen Bienen sein und frei von unheilvollen Stichen und Bienenangriffen?

Rainfarn (Foto: Vanessa Michels)

Ein weiteres Kraut in meiner Imkerpfeife ist der Gemeine Beifuß Artemisia vulgaris. Auch diese Pflanze hat einen stark aromatischen Duft. Beifuß ist eine uralte Schamanenpflanze. Bereits die Neandertaler nutzen das magische Kraut zu Rituellen Zwecken. Noch heute findet sich nahezu in jeder Kultur ein Hinweis auf die Verwendung von Beifuß als Räucher- und Ritualpflanze. Der Beifuß soll dabei ebenfalls eine schützende Wirkung haben und negative Energien, böse Geister und Dämonen vertreiben und einen heiligen, geschützten Raum schaffen. Ebenfalls soll er den Geist für Botschaften aus anderen Welten öffnen. Für die Imker und Zeidler, die in meditativer Stimmung in die verborgene Welt im Inneren des Bienenstocks eindringen, ist der Beifuß eine gute Hilfe, um mit dem Geist der Bienen in Kontakt zu treten und ihren Botschaften zu lauschen. Nur wer als Imker oder Zeidler vermag den Bienen zuzuhören, der kann auch unbeschadet den Honig ernten.

Die weiteren Zutaten für meine Räuchermischung bleiben aber nach alter Tradition ein wohlgehütetes Geheimnis.

Zeichnung vom Beifuß aus einem alten Kräuterbuch

Es wird hier schnell klar, dass das Rauchmaterial in der Imkerpfeife weitaus mehr als der reinen Raucherzeugung dient. Wie so vieles hatte zumindest früher alles eine tiefgründige Bedeutung. Die Honigernte und die Arbeit mit den Bienen galt schon immer als eine besondere Aufgabe, die mit Ritualen und Zauberei begleitet wurde. Doch wie bei so vielem wurden diese Bedeutungen im Laufe der Zeit vergessen und die Handlung auf rein rationale und praktische Belange reduziert. Das wird den Bienen meiner Meinung nach aber in keiner Weise gerecht. Für mich ist es wichtig, den Bienen mit diesem ursprünglichen Respekt in einer nicht alltäglichen Rituellen Weise zu begegnen. Daher setzte ich mich für die Bewahrung der alten Imkertraditionen ein. Und damit meine ich nicht nur das Sammeln und Dokumentieren für die Nachwelt, sondern aktiv gelebte Imkertradition, die ich bei meiner Arbeit mit den Bienen fortführe.

Viele moderne Imker gleichen bei ihrem Besuch bei den Bienen eher einem Astronauten bei der Mondlandung mit ihren Ganzkörperschutzanzügen. Ich trage, wenn ich meine Bienenvölker besuche nicht ein einziges Stück an Schutzkleidung. Barfuß, kurze Hose und T-Shirt, mein Alltagsoutfit ist völlig ausreichend. Dabei bekomme ich nur ganz selten mal einen Stich ab. Für mich ist das ein ganz klares Zeichen, dass diese alten Rituale funktionieren. Ich begegne den Bienen mit Respekt, Hochachtung und meditativer Ruhe, ich nutze die alten Imkerzauber und Rituale und habe es gelernt zuzuhören. Das alles schafft eine Harmonie zwischen Mensch und Biene. Und meine magische Kräutermischung in der Imkerpfeife vermag es ebenfalls eine zauberhafte Wirkung auf die Bienen zu haben.

Der Faulbaum (Rhamnus frangula) ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Kreuzdorngewächse, welche in Strauchform häufig in unseren heimischen Wäldern zu finden ist.

Der Name Faulbaum geht dabei auf den Fäulnisgeruch der Rinde zurück, der besonders intensiv wahrzunehmen ist, wenn man die Rinde mit dem Fingernagel abschabt. Der typische unangenehme Duft der Faulbaumrinde wurde früher genutzt, um Motten von den Kleidern fernzuhalten. Hierzu legten die Menschen frische abgeschälte Rindenstücke inzwischen die Kleidungsstücke. Dies war zwar ein wirksames Mittel, um die Klamotten vor Mottenverbiss zu schützen, allerdings nahmen die Kleider auch den fauligen Geruch der Rinde auf.

Dieser Fäulnisgeruch ist auch ein wichtiges Bestimmungsmerkmal des Faulbaumes. Aufgrund seiner Erscheinung kann der Faulbaum leicht mit der Traubenkirsche verwechselt werden, die dem Faulbaum ähnliche Blattform, Blüten und Früchte hat. Die abgeschabte Rinde der Traubenkirsche duftet zwar auch intensiv, ihr Aroma erinnert aber mehr an Marzipan. Der Faulbaum hingegen wartet mit seinem unverwechselbaren Fäulnisgeruch auf. Eine weitere Möglichkeit der Unterscheidung ist der Blattrand: Beim Faulbaum sind die Blattränder glatt, die Traubenkirsche hat einen leicht gezahnten Blattrand.

Die Rinde des Faulbaums wird auch in der Pflanzenheilkunde angewandt. Als Frangulae cortex wird die Rinde pharmazeutisch als Abführmittel genutzt. Die Hauptanwendung der Rinde ist daher bei kurzzeitigen Verstopfungen.  Verantwortlich für die pharmakologische Wirkung sind Glucofranguline. Daneben enthält Faulbaumrinde Frangulaemodinglykoside, Gerbstoffe und Peptidalkaloide. Da die Wirkstoffe in der frischen Rinde chemisch gebunden sind und erst durch chemische Zersetzungsprozesse freigesetzt werden, muss die Pflanzendroge entweder in der Sonne getrocknet und anschließend 1 Jahr gelagert oder aber künstlich durch Erhitzen auf 80 °C – 100 °C gealtert werden, um eine wirksame Medizin zu erhalten.

Der Faulbaum ist auch unter den Namen Pulverholz oder Schießbeere bekannt. Diese Namen gehen auf die Verwendung des Holzes zur Schießpulverherstellung zurück. Die aus Faulbaumholz hergestellte Holzkohle hat einen äußerst geringen Aschegehalt, was sie früher zu einem besonders geeignetem Rohstoff bei der Herstellung von Schwarzpulver gemacht hat. Es ist aber auch möglich, dass der Name Schießbeere nicht auf das Wort Schießen zurück geht, sondern als Schietbeere oder Scheißbeere ursprünglich die abführende Wirkung der Rinde beschrieben hat.

Darstellung des Faulbaums aus Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Der Faulbaum hat zwittrige grünlich-weißliche Blüten, die von Hummeln, Bienen, Schlupfwespen und verschiedenen Käfern bestäubt werden. Nach der Bestäubung bilden sich kleine bis 8 mm große Steinfrüchte, die zunächst grün später im Reifeprozess rot werden und bei vollständiger Reife schwarz sind. Die Blütezeit beginnt im Mai und reicht bis in den September. Der Baum bildet dabei immer wieder neue Blüten. So finden sich an einem Baum oftmals Blüten und Früchte in verschiedenen Reifezuständen gleichzeitig. Die ersten reifen Früchte finden sich ab August an den Bäumen, verbleiben aber bis in den Dezember am Baum, bevor sie herabfallen. Die Früchte werden gerne von verschiedenen Vogelarten gefressen, die so für die Verbreitung der Samen sorgen.

In der Literatur werden sämtliche Teile des Faulbaums als leicht giftig eingestuft. Die Giftwirkung gleicht dabei aber der pharmazeutisch genutzten Wirkung des Baumes. Der Konsum von Blättern, Rinde, Blüten oder der unreifen oder reifen Früchte kann zu Übelkeit und Erbrechen sowie zu starkem Durchfall führen. Da für diese Wirkung aber große Mengen an Pflanzenmaterial aufgenommen müssen, sind Vergiftungen selten.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen, 1897, gemeinfrei

Vor kurzem erschien die Ausgabe Nummer 12 des Magazins Lucys Rausch. Lucys Rausch ist ein Magazin für psychoaktive Kultur aus dem Nachtschatten Verlag. In dieser Ausgabe findet sich auch ein Artikel von mir über psychoaktiven Honig.

Mein Artikel Honigsüßer Rauschgenuss befindet sich auf S. 36 – 40 und gibt einen kurzen Einblick in die Thematik rund um psychotrope Honigsorten und deren Stellung in Geschichte, Kultur und Moderne.

Ausgabe Nummer 12 direkt in meinem Onlineshop kaufen:

www.Imkerei-Kalis.de

Neben meinem eigenen Artikel finden sich in dieser Ausgabe natürlich auch viele weitere interessante Artikel. Mit dem Schwerpunktthema Hanf in dieser Ausgabe beleuchten verschiedene Autoren die unterschiedlichen Aspekte rund um die Cannabiskultur: Hanf als Heilmittel, Entheogen und Rauschdroge.

Lucys Rausch ist ein modernes Gesellschaftsmagazin und beleuchtet die interdisziplinäre Thematik rund um sämtliche psychoaktiven Drogen aus verschiedensten Blickwinkeln – in Form von Reportagen, Interviews, Berichten, Features und Bildern. Neue Entwicklungen, Kunst, Musik und Literatur gehören ebenso zum Spektrum, wie Drogenpolitik und Konsumgewohnheiten von damals bis heute.

Lucys Rausch bringt Hintergrundwissen zu Ethnobotanik, Wissenschaft und Kultur rund um psychoaktive Substanzen, die in sämtlichen gesellschaftlichen Schichten und allen Altersklassen Thema sind.

Lucys Rausch informiert über Herkunft, Anwendung und Geschichte einzelner Substanzen – von der sakralen Ritualpflanze bis hin zum alltäglichen Gebrauch geistbewegender Moleküle – und berichtet auch über nicht pharmakologisch induzierte Bewusstseinsveränderungen.

Psychoaktive Substanzen sind längst kein Nischenthema mehr. Sowohl die Heilwirkungen psychotroper Substanzen als auch ihr hedonistischer Gebrauch werden mehr und mehr gesellschaftsfähig. Der Schweizer Nachtschatten Verlag gibt dieser Bewegung mit dem Magazin Lucys Rausch eine seriöse und ansprechende Plattform. In jeder Ausgabe berichten hochkarätige Autoren fachlich kompetent über wichtige und aktuelle Themen und die Thematik rund um psychoaktive Kultur wird in einer ansprechenden Form einer breiten Masse an interessierten Lesern zugänglich gemacht. Lucys Rausch ist ein Statement an die Gesellschaft, dass die psychoaktive Forschung und Kultur sich nicht mehr im Untergrund verstecken muss.

Doch ein neues Printmagazin zu etablieren, in einer Zeit in der selbst langjährige, gestandene Printmedien aufgrund abnehmender Leserzahlen vor dem baldigen Untergang stehen, ist keine leichte Aufgabe. Schon gar nicht, wenn man es einem so kontroversen Thema widmet. Auch wenn die Thematik mehr und mehr im Munde der Gesellschaft ist und auch in seriösen Kreisen langsam ernst genommen wird, so ist die Leserschaft dennoch nur ein eher begrenztes Klientel. Psychoaktive Kultur ist zwar zunehmend gesellschaftsfähig aber leider noch längst kein alltägliches Gesellschaftsthema. Umso wichtiger ist es, hier ein handfestes und seriöses Medium zu bieten, welches nicht nur die moderne und schnelllebige Internetkultur anspricht. Und das Magazin aus dem Schweizer Nachtschatten Verlag schafft genau das: Es bietet sowohl Autoren als auch Lesern eine Plattform für detaillierte und umfangreiche Artikel, eingebettet in ein optisch und inhaltlich abgerundetes Gesamtkonzept. Lucys Rausch ist kein Magazin zum schnellen Durchblättern, sondern lädt ein zum Verweilen und vertieften Lesen.

Damit das Magazin langfristig existieren kann, ist es wichtig, dass genügend Abonnenten den Verlag mit einer verlässlichen Finanzierung unterstützen. Denn nur, wenn die Finanzierung langfristig sichergestellt ist, kann so ein Magazin weiterhin in gewohnt hochwertiger Qualität produziert werden. Und in Sachen Qualität bekommt man bei der Lucys Rausch wirklich etwas geboten: nicht nur inhaltlich begeistern kompetente Autoren mit lesenswerten und umfangreichen Artikeln, auch die Gestaltung und Aufmachung ist stets ansprechend, passend und auf höchstem Niveau. Mit über 100 Seiten an ausgesuchten Inhalten, bietet jede Ausgabe ein Sammelsurium an spannenden Themen. Auch haptisch unterscheidet sich die Lucys von anderen Szenemagazinen: Ein robuster Pappeinband, dickes Papier und eine hochwertige Produktion schaffen ein Endprodukt, dass mehr an ein Taschenbuch erinnert, als an eine Zeitschrift.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich mich meinem Artikel in der aktuellen Ausgabe einen Teil zu diesem wichtigen Projekt beitragen durfte und hoffe natürlich, dass das Magazin langfristig seinen Platz in der Welt der Printmedien behalten kann.

Mehr Informationen zum Magazin, Abo und weiteren Ausgaben gibt es unter:

www.lucys-magazin.com

Seit vielen Jahren bin ich ein regelmäßiger Besucher in den Wäldern der Palinger Heide. Nicht nur bei den unzähligen Kräuterwanderungen, die ich dort geleitet habe, sondern auch bei zahlreichen privaten Ausflügen und Spaziergängen habe ich dieses Naturgebiet mittlerweile sehr umfassend kennengelernt. Vieles ist über die Jahre gleich geblieben. Mit großer Sicherheit kann ich das Erscheinen bestimmter Pflanzenarten im Jahreslauf vorhersagen und sichergehen, dass bestimmte Heilpflanzen an manchen Stellen jedes Jahr aufs Neue auftauchen.

Manches verändert sich aber auch. Einige Pflanzen wurden im Laufe der Jahre weniger, andere mehr. Etwas, was ich besonders in diesem Jahr feststellen konnte, ist ein stark vermehrtes Auftreten von zwei speziellen Heilpflanzen.

Blüten des Gamander-Ehrenpreis

Die erste Pflanze ist der Ehrenpreis (Veronica spp.). Der Ehrenpreis war zwar keine unbekannte aber dennoch zumindest bisher eine seltene Erscheinung in den hiesigen Wäldern. In diesem Jahr jedoch kann man seine kleinen blau-lilafarbenen, zarten Blüten an zahlreichen Plätzen entdecken.

Der Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis)

Die Ehrenpreise sind eine sehr artenreiche Pflanzengattung, die etwa 450 verschiedene Arten enthält. Viele der Arten werden in der Heilkunde verwendet. Botanisch gehören sie zur Familie der Wegerichgewächse. Bei den meisten Arten handelt es sich um kleine, krautige Pflanzen mit vierzähligen weißen bis blauen oder lilafarbenen Blüten.

Die in der Heilkunde angewandten Arten enthalten als Hauptwirkstoffe Aucubin (dieser Wirkstoffe verleiht auch dem ebenfalls zur Familie der Wegerichgewächse gehörende Spitzwegerich seine Heilwirkung) Iridroidglykoside, Flavonoide, Saponine und Gerbstoffe.

Der Name Ehrenpreis geht laut einem Kräuterbuch aus dem Jahre 1500 auf die Lobpreisung eines Französischen Königs zurück, der mit einem aus Ehrenpreis gewonnen Saft von einer chronischen Hautkrankheit geheilt wurde. Weitere volkstümliche Namen lauten Wundheilkraut, Grundheilkraut, Allerweltsheil und Gewitterblümchen.

Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Viele der Namen deuten dabei auf die Heilwirkung der Pflanze hin. Der Name Gewitterblümchen geht dabei auf einen alten Volksglauben zurück, nach dem das Abpflücken dieser Pflanzen Regen oder Gewitter hervorrufen soll.

Die am häufigsten zu Heilzwecken genutzetn Arten sind der Gamander-Ehrenrpeis (Veronica chameadrys) und der Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis). Die Pflanzen werden hauptsächlich innerlich als Tee angewendet. Dabei sollen sie entzündungshemmend auf die Atemwege und auswurffördend wirken. Daher nutzt man den Ehrenrpreis gerne bei entzündlichen Erkankungen der Atemwege (Bronchitis) oder zum Lösen festsitzenden Schleims in der Lunge. Verantwortlich für die entzündungshemmende Wirkung sind dabei das Aucubin sowie die Gerbstoffe. Die Saponine hingegen erklären die schleimlösende Wirkung der Pflanze.

Auch eine äußerliche Anwendung der Pflanze ist bekannt. Extrakte aus der Pflanze werden bei entzündlichen Hautleiden (wie etwa Neurodermitis oder Schuppenflechte) genutzt. Sie sollen dabei entzündungshemmend und Juckreiz lindernd wirken. Auch hier sind wieder das entzündungshemmende Aucubin sowie die Gerbstoffe als Wirkstoffe zu nennen. Auch eine wundheilende Wirkung wird dem Kraut zugeschrieben. Hierzu wurden Umschläge aus dem zerhackten, frischen Kraut auf die Wunden gelegt.

Eine dritte Anwendung ist das Gurgeln des Tees aus der Pflanze. Die soll gegen Beschwerden wie Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen im Mund und Halsbereich helfen.

Die zweite Pflanze, die ich in diesem Waldgebiet in diesem Jahr sogar erstmalig erblicke, ist die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris). Bisher war mir die Pflanze nur aus Kräuterbüchern und botanischen Gärten bekannt. In freier Natur hatte ich sie noch nicht gesehen. Doch das änderte sich mit diesem Jahr. Wie von Zauberhand erscheinen an allerlei Orten nun die typischen Blütenstände des heilkräftigen Gewächses.

Blütenstand der Braunelle (Prunelle vulgaris)

Die Kleine Braunelle gehört zur Gattung der Braunellen (Prunella) innerhalb der Familie der Lippenblütler. Sie ist eine immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze. Die Pflanze wird 5 cm bis 30 cm hoch und hat einen beharrten Stängel an dem eliptisch bis eiförmige Blätter gegenständig angeordnet sind. Der Blattrand ist leicht gekerbt. Die Pflanze blüht von Juni bis Oktober. Der dicht gedrängte Blütenstand beinhaltet viele blaulila-farbene Einzelblüten. Selten finden sich auch Exemplare mit weißlichen Blüten.

Botanische Zeichnung der Braunelle

Der Name Braunelle erklärt sich aus der Anwendung als Medizin zur Behandlung von Diphterie im Mittelalter. Diese Krankheit wurde früher auch Bräune-Krankheit genannt, da sie faulige, weißliche bis gelblich-bräunliche Verfärbungen im Rachen hervorruft. Aber auch zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems und zur Behandlung anderer bakterieller und viraler Infektionen wurde die Braunelle angewendet. Als wirksame Inhaltsstoffe enthält die Braunelle Prunellin (ein Polysaccharid), Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide sowie verschiedene Terpene und Triterpene (ätherische Öle). Insbesondere der Wirkstoff Prunellin ist eine mögliche Erklärung für die antivirale Wirkung der Pflanzen. In einer Labor-Studie konnte sogar eine gewisse Aktivität des Wirkstoffes Prunellin gegen das HI-Virus nachgewiesen werden.

Die Braunelle wächst häufig in Gruppen

Viele lokale volkstümliche Pflanzennamen gehen auf die Anwendung der Pflanze zur Behandlung der Diphterie zurück. So heißt sie in manchen Orten auch Mundfäulkraut, Rachenheyl, Halskraut oder Mundfäulzapfen. Andere Pflanzennamen wie Selbstheil, Gottsheil und Immergsund deuten auf die allgemeine Heilwirkung auch bei anderen Leiden hin. Besonders im asiatischen Raum ist die Braunelle bis heute eine beliebte Heilpflanze bei vielerlei Leiden.

Wenn man sich die Heilwirkungen dieser beiden Pflanzen anschaut, kommen sie in der aktuellen Zeit gerade Recht. Zwei Pflanzen: eine die gegen entzündliche Erkrankungen der Atemwege hilft und eine die immunstärkend und antiviral wirkt. Was wäre während einer Pandemie einer hochansteckenden Viruserkrankung, die hauptsächlich die Lungen befällt, passender? Ist ihr vermehrtes Auftreten ein reiner Zufall oder steckt da doch mehr dahinter? Zumindest in früheren Zeiten waren sich die Kräuterkundigen sicher, dass Heilpflanzen vermehrt dann und dort auftauchen und wachsen, wo sie benötigt werden.

Mit unserem modernen, rein rationalem Weltbild ist so eine Vorstellung natürlich nicht zu vereinen. Doch was auch immer es ist, dankbar über eine so passende Medizin aus der Natur dürfen wir in jedem Fall sein. Und wer weiß, vielleicht ergeben zukünftige Studien ja auch eine offizielle Heilkraft aus der Natur gegen die neuartige Viruserkrankung.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis:

Karelj via Wikimedia Commons

Agnieszka Kwiecień, Nova, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Carl Axel Magnus Lindman, gemeinfreies Werk

Ivar Leidus, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, gemeinfreies Werk

Forest & Kim Starr, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

 

 

Die wilde unberührte Natur weckt in vielen Menschen eine Vorstellung von Freiheit, Entspannung und vor allem eines Ausgleichs zu unserer modernen, hektischen Welt und all den Problemen der menschlichen Kultur. Und in der Tat hilft uns der Kontakt zur Natur dabei uns an etwas Ursprüngliches und Großes anzubinden, unseren Stresslevel zu senken und uns auf uns selbst und ein Leben im Hier im Jetzt zu besinnen und dabei sämtliche Probleme des Alltags zumindest für einen Augenblick zu vergessen.

Doch die menschliche Kultur wäre nicht menschlich, wenn ihre negativen Auswüchse nicht auch in diese unbeschwerte Welt jenseits von Gut und Böse und jenseits von Ideologien, Wertvorstellungen und menschlichen Idealvorstellungen vordringen würde. Ein Phänomen, welches ganz besonders bei vermeintlichen Umweltschützern immer mehr mit erschrecken festzustellen ist, ist etwas, das ich gerne etwas provokant als Pflanzenrassismus bezeichne.

Mit Pflanzenrassismus meine ich die fragwürdigen Überzeugungen einiger Menschen, die sich als selbst deklarierte Naturschützer dem Ziel verpflichtet haben, alle fremdartigen Gewächse, alle ursprünglich nicht einheimischen Pflanzen, alle sogenannten Neophyten zu verteufeln, sie an ihrer Ausbreitung zu hindern und im Idealfall gänzlich auszurotten. Der Hass ist dabei in den meisten Fällen natürlich nicht persönlich gegen eine bestimmte Pflanzenart gerichtet. Natürlich mag man diese Pflanzen und sie haben ja auch ihre Daseinsberechtigung. Aber eben nicht hier in unserem Land. Sie sollen dort wachsen, wo sie herkommen.

Vertrocknete Blüten einer Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis). Ein gefürchteter Neophyt, wichtige Heilpflanze und Nektarquelle für hungrige Insekten

In Einzelarbeit oder groß angelegten Gruppenaktionen werden die fremdartigen Gewächse in wilder Natur herausgerissen und bekämpft. Mit einer hasserfüllten Zerstörungswut werden sogenannte Säuberungsaktionen durchgeführt, bei denen nicht selten sogar das selbstgesetzte Ziel verfehlt wird. Allzu häufig ist es um die botanische Kenntnis der „Naturschützer“ nämlich nicht besonders gut bestellt, sodass nicht nur die gefürchteten Neophyten herausgerissen werden, sondern auch einheimische Pflanzen, die den Zuwanderern ähnlich sehen. Im schlimmsten Falle werden dabei sogar einheimische Arten vernichtet, die aufgrund ihrer Gefährdung bereits unter einem besonderen gesetzlichen Schutz standen. Schon mehr als einmal sorgten eben solche Aktionen, für Schlagzeilen in den Medien.

Das indische Springkraut (Impatiens glandulifera): invasiver Schädling oder wichtige Bienenweide?

Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber zumindest bei mir läuten bei solchen Ideologien, Vorstellungen und Vorgehen die Alarmglocken. Die ideologischen Parallelen zu den dunklen Abgründen zwischenmenschlicher Grausamkeit in Vergangenheit und Gegenwart sind nicht von der Hand zu weisen und absolut erschreckend. Dort wo die Welt mit einem derart hasserfüllten Weltbild wahrgenommen wird, bei dem allein die Herkunft eines Wesens über sein Recht zu Leben entscheidet und wo mit politischen Hetzkampagnen großangelegte Säuberungsaktionen propagiert und angeregt werden, da ist es nicht weit, dass dieses Gedankengut sich von Pflanzen auch auf Menschen ausbreitet. Und wohin das führt, das hat uns die Geschichte schon mehr als einmal in all ihrer Grausamkeit gelehrt. Das ist eine Entwicklung, der wir mit aller Macht entgegenwirken sollten.

Auch das Kleine Springkraut (Impatiens pariflora) sehen viele lieber in seiner asiatischen Heimat. Doch Bienen lieben die Blüten, Kinder die explodierenden Samenkapseln und die Blätter sind lieblich und zart im Geschmack…

Genau aus diesem Grund widme ich den Neophyten bei meinen Kräuterwanderungen und Exkursionen immer eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Erklärung. Ich versuche aufzuzeigen, welche wunderbaren Eigenschaften ihnen innewohnen, welche Lücken sie in den Ökosystemen füllen, in denen sie sich ausbreiten, welchen Mehrwert sie nicht nur uns Menschen bringen und warum ihr Erscheinen in moderner Zeit aus erdgeschichtlicher Sicht etwas ganz normales ist. Dabei bringt jede einzelne Pflanzenart natürlich ihre ganz eigenen Besonderheiten mit sich und ihre Geschichten von Immigration in ferne Ökosysteme sind oftmals spannend. Und wenn wir anfangen uns die richtigen Fragen zustellen, dann rüttelt es ganz von allein an festgefahrenen Vorstellungen und negativen Ideen zum Thema Neophyten. Warum zum Beispiel sind unsere urdeutschen Kastanienbäume, die in keinem Biergarten fehlen dürfen, eigentlich keine bösen Neophyten, obwohl Sie hier im frühen Mittelalter noch gänzlich unbekannt waren und erst durch arabische und persische Reiter eingeschleppt wurden? Mit solchen und anderen erhellenden Fragestellungen kann man dem Pflanzenrassismus nach und nach die fehlende Rationalität enthüllen und so manchen Geist zum Umdenken bewegen. Sobald man beginnt die Dinge in größeren Maßstäben zu betrachten, wenn man längere Zeiträume berücksichtigt und Probleme ganzheitlich analysiert, dann kommt man nämlich unweigerlich zu dem Ergebnis, dass die Neophyten gar nicht die Ursache sind für die vermeintlichen Schäden und Gefahren, die man ihnen so oft anhängt. So konnte ich tatsächlich schon den ein oder anderen, der mit Beginn der Kräuterwanderung eine negative Haltung zu den Neophyten hatte, soweit aufklären, dass am Ende der Wanderung auch die zugewanderten Pflanzen in einem positiven und willkommenen Licht gesehen wurden.

Und das gibt mir dann doch wieder ein wenig mehr Hoffnung auch für das menschliche Zusammensein, denn wenn so eine Veränderung der Weltanschauung hin zum Positiven in Hinblick auf Pflanzen möglich ist, dann ist es das auch für menschliche Belange. In diesem Sinn möchte ich dazu einladen, die Natur mal einfach wahrzunehmen wie sie ist und dabei den eigenen Filter von Bewertung und Aufspaltung in Gut und Böse auszuschalten. In der Natur gibt es keine Moralvorstellungen, kein Gut, kein Böse. Die Natur ist. Punkt. Und das kann eine sehr heilsame Erkenntnis sein. Heilsam für uns selbst und heilsam für die Menschheit als Ganzes.

Text: Fabian Kalis

Bilder. www.pixabay.com