Einleitung

Der Japanische Beifuß (Artemisia princeps) ist eine traditionsreiche Heil- und Nahrungspflanze Ostasiens. In Japan ist er unter dem Namen „Yomogi“ bekannt und seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Volksmedizin und Küche. Die Pflanze gehört zur Gattung Artemisia innerhalb der Korbblütler und ist eng verwandt mit dem in Europa heimischen Gewöhnlichen Beifuß, Artemisia vulgaris. Trotz ihrer Ähnlichkeit unterscheiden sich beide Arten in einigen botanischen Details sowie in Geschmack und kultureller Bedeutung.

Blütenstände und Blätter des Japanischen Beifuß. Foto: Qwert1234, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Beschreibung und Biologie

Artemisia princeps ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 50 und 100 Zentimetern erreicht. Sie bildet kräftige Rhizome aus, mit denen sie sich vegetativ ausbreitet und dichte Bestände bilden kann. Die aufrechten Stängel sind meist leicht behaart und tragen wechselständig angeordnete, tief eingeschnittene Blätter. Die Blattoberseite erscheint sattgrün, während die Unterseite oft heller und leicht filzig wirkt. Die Pflanze blüht im Spätsommer bis Herbst mit unscheinbaren, gelblich-grünen Blütenköpfchen, die in rispenartigen Blütenständen angeordnet sind. Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch den Wind. Wie viele Artemisia-Arten enthält auch der Japanische Beifuß ätherische Öle, die für den charakteristischen aromatisch-herben Duft verantwortlich sind. Die Pflanze ist winterhart und treibt im Frühjahr erneut aus dem Wurzelstock aus.

Erkennungsmerkmale und Unterscheidung vom Gewöhnlichen Beifuß

Auf den ersten Blick ähnelt der Japanische Beifuß stark dem europäischen Gewöhnlichen Beifuß, Artemisia vulgaris. Beide besitzen gefiederte Blätter und rispige Blütenstände. Unterschiede zeigen sich vor allem in folgenden Punkten: Der Japanische Beifuß hat meist etwas breitere und weicher wirkende Blätter. Die Blattunterseite ist weniger stark weißfilzig als beim Gewöhnlichen Beifuß. Zudem gilt sein Aroma als frischer und weniger bitter. Auch wächst Artemisia princeps häufig kompakter und breitet sich stärker über unterirdische Ausläufer aus. Botanisch lassen sich die Arten zudem durch feine Unterschiede in Blütenmerkmalen und Chromosomenzahl unterscheiden, was jedoch meist nur Fachleuten eindeutig möglich ist.

Verbreitungsgebiet, Standort und Anbau

Der Japanische Beifuß stammt ursprünglich aus Ostasien, insbesondere aus Japan, Korea und Teilen Chinas. In Japan ist er nahezu landesweit verbreitet und wächst sowohl wild als auch kultiviert. Bevorzugte Standorte sind sonnige bis halbschattige Plätze mit durchlässigen, nährstoffreichen Böden. Man findet ihn an Wegrändern, Böschungen, Flussufern und auf Brachflächen. Im Garten lässt sich die Pflanze unkompliziert anbauen. Sie ist robust, frosthart und relativ anspruchslos. Aufgrund ihrer starken Ausbreitung über Rhizome empfiehlt sich jedoch eine Wurzelsperre oder der Anbau in größeren Pflanzgefäßen, um unkontrolliertes Wuchern zu vermeiden.

Inhaltsstoffe

Der Japanische Beifuß enthält eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe. Dazu gehören ätherische Öle mit Bestandteilen wie Cineol und Thujon in variierenden Mengen. Außerdem finden sich Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe sowie Cumarine. Die Zusammensetzung kann je nach Standort, Erntezeitpunkt und Pflanzenteil variieren. Besonders die jungen Blätter gelten als aromatisch und werden bevorzugt verwendet.

Heilwirkung und Verwendung als Heilpflanze

Frische Blätter des Japanischen Beifuß. Foto: 박지형, CC BY 2.0 KR https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/kr/deed.en, via Wikimedia Commons

In der ostasiatischen Volksmedizin wird der Japanische Beifuß traditionell vielseitig eingesetzt. Ihm werden verdauungsfördernde, krampflösende und durchblutungsanregende Eigenschaften zugeschrieben. Getrocknete Blätter dienen in der traditionellen Wärmetherapie (Moxibustion) als Brennmaterial. Dabei wird Beifußkraut nahe bestimmter Körperpunkte erhitzt, um Wärmeimpulse zu setzen. Zudem wird Yomogi-Tee traditionell bei Erkältungsbeschwerden, Menstruationsproblemen und allgemeinen Erschöpfungszuständen getrunken. Wegen einer wehenfördernden Wirkung sollten Schwangere auf eine innerliche Anwendung verzichten.

Verwendung als Nahrung

Reiskekse mit Japanischem Beifuß. Foto: Korea.net / Korean Culture and Information Service (Photographer name), CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

In der japanischen Küche ist Yomogi ein geschätztes Wildgemüse. Besonders bekannt ist seine Verwendung in traditionellen Reiskuchen, sogenannten „Kusa Mochi“. Die frischen, jungen Blätter werden blanchiert, fein püriert und dem Mochiteig beigemischt, wodurch dieser seine charakteristische grüne Farbe und ein würziges Aroma erhält. Auch in Suppen, Pfannengerichten oder als Tempura-Zutat findet das Kraut Verwendung. Der Geschmack ist aromatisch, leicht herb und erinnert an eine Mischung aus Kräutern und grünem Tee.

Symbolik und Folklore im asiatischen Raum

In Japan besitzt der Beifuß eine lange kulturelle Bedeutung. Er gilt als Schutzpflanze gegen negative Einflüsse und wurde traditionell an Häusern aufgehängt, um Unheil fernzuhalten. Am japanischen Knabenfest, dem „Tango no Sekku“ (heute Teil des Kindertags), werden Beifußblätter gemeinsam mit Schwertlilien in Bädern verwendet. Dieses Ritual soll Gesundheit und Stärke fördern. Auch in der koreanischen und chinesischen Tradition spielt Beifuß eine Rolle als reinigende und schützende Pflanze. Sein Duft wurde mit Klarheit, Erneuerung und dem Beginn des Sommers assoziiert.