Die Moxibustion ist eine traditionelle Wärmetherapie aus Ostasien und ein zentraler Bestandteil der Traditionellen Chinesische Medizin. Ihr Name leitet sich vom japanischen Wort „Mogusa“ ab, das getrocknetes Beifußkraut bezeichnet. Verwendet werden vor allem Blätter des Chinesischen Beifuß Artemisia argyi oder des Japanischen Beifuß Artemisia princeps, die zu feinen Fasern verarbeitet werden. Dieses sogenannte „Moxa“ wird angezündet und gezielt zur Erwärmung bestimmter Körperpunkte eingesetzt. Moxibustion ist auch als Moxa-Therapie oder Moxen bekannt.

Japanische Moxibustion im medizinischen Hausbuch Banshō myōhōshū (1853). Bild: Keisai Eiju, CC0, via Wikimedia Commons

Das therapeutische Prinzip beruht auf der Vorstellung, dass Lebensenergie – im chinesischen Denken als Qi bezeichnet – in Leitbahnen, den Meridianen, durch den Körper fließt. Kälte, Feuchtigkeit oder energetische Blockaden gelten als mögliche Ursachen für Beschwerden. Durch die intensive, tief eindringende Wärme der Moxibustion sollen diese Stagnationen gelöst und der Energiefluss harmonisiert werden.

Chinesischer Beifuß. Foto: 竹围墙 at zh.wikipedia, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Besonders eng ist die Moxibustion mit der Akupunktur verbunden. Beide Verfahren nutzen dieselben Meridianpunkte und verfolgen ein gemeinsames energetisches Konzept. In der Praxis wird Moxa häufig ergänzend zur Nadelbehandlung eingesetzt. Eine verbreitete Methode ist das Aufsetzen kleiner Moxakegel auf den Griff einer bereits gesetzten Akupunkturnadel. Die Hitze wandert dabei entlang der Metallnadel in die Tiefe des Gewebes und verstärkt die stimulierende Wirkung des Nadelreizes. Diese Kombination soll vor allem bei sogenannten „Kälte-Zuständen“ des Körpers hilfreich sein, etwa bei chronischen Schmerzen, Verspannungen oder Erschöpfung.

Akkupunkturnadeln mit glimmender Moxa in Japan. Foto: Mobile wiki, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons 

Daneben gibt es die indirekte Moxibustion, bei der eine glimmende Moxazigarre wenige Zentimeter über die Haut gehalten wird, um den jeweiligen Akupunkturpunkt zu erwärmen. In manchen Fällen wird Moxa auch auf isolierende Materialien wie Ingwerscheiben oder Salz gesetzt, wodurch die Wärme sanfter übertragen wird. Die direkte Moxibustion, bei der kleine Moxakegel unmittelbar auf der Haut abbrennen, wird heute seltener angewendet und erfordert große Erfahrung.

Traditionelles Behandlungsset aus Japan, mit der watteartigen Moxa und Glimmstäbchen zum Entzünden. Foto: Wolfgang Michel, Public domain, via Wikimedia Commons

Typische Anwendungsgebiete sind chronische Erschöpfung, Antriebsschwäche und allgemeines Kältegefühl. Menschen, die schnell frieren oder unter kalten Händen und Füßen leiden, werden traditionell als besonders geeignet für diese Therapieform angesehen. Auch bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, weichem Stuhl oder einem Gefühl von innerer Kälte im Bauchraum wird Moxibustion eingesetzt. Die Wärme soll hier regulierend und stärkend wirken. Im Bereich des Bewegungsapparates findet die Methode Anwendung bei chronischen Rücken- und Gelenkschmerzen, Verspannungen sowie bei Beschwerden, die sich durch Kälte oder feuchtes Wetter verschlechtern. Die tief eindringende Wärme wird genutzt, um Muskelpartien zu entspannen und stagnierende Prozesse zu lösen. Ebenso wird Moxibustion traditionell bei gynäkologischen Beschwerden angewendet, etwa bei Menstruationsschmerzen, unregelmäßigem Zyklus oder Kältegefühlen im Unterbauch. In der Geburtshilfe ist besonders die unterstützende Anwendung bei Beckenendlage bekannt, bei der ein spezieller Akupunkturpunkt am kleinen Zeh erwärmt wird. Darüber hinaus kommt die Therapie bei wiederkehrenden Atemwegsbeschwerden, erhöhter Infektanfälligkeit oder in Phasen der Rekonvaleszenz zum Einsatz. In diesen Fällen soll sie das „Abwehr-Qi“ stärken und den Organismus stabilisieren.

Japanischen Spiegel der Moxibustionspunkte. Bild: Engelbert Kaempfer: Amoenitates Exoticae. Lemgo, 1712.

Heute findet die Moxibustion sowohl in Asien als auch im Westen Anwendung, meist im Rahmen komplementärmedizinischer Behandlungen. Die Kombination mit Akupunktur gilt dabei als besonders wirkungsvoll, da mechanischer Reiz durch die Nadel und thermischer Reiz durch das Moxa synergistisch zusammenwirken.