Der Huflattich (Tussilago farfara) gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas und zählt zu den ersten Frühlingsboten. Seine leuchtend gelben Blüten erscheinen oft schon, wenn der Winter die Natur noch fest im Griff hat und andere Pflanzen noch ruhen. Seit langer Zeit wird er sowohl als Heilpflanze als auch als Symbol für den Beginn der warmen Jahreszeit geschätzt. Besonders in der Volksmedizin spielt Huflattich eine wichtige Rolle bei Atemwegserkrankungen.

Botanisch gehört der Huflattich zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Pflanze ist eine mehrjährige, krautige Staude mit einem weit verzweigten unterirdischen Rhizom, aus dem jedes Jahr neue Triebe entstehen. Charakteristisch ist die ungewöhnliche Wachstumsweise: Zuerst erscheinen im zeitigen Frühjahr die Blütenstände, während die Blätter erst später nach dem Verblühen austreiben. Diese Blätter sind rundlich bis herzförmig, am Rand leicht gezähnt und auf der Unterseite weißlich-filzig behaart. Der Name „Huflattich“ leitet sich von der Form der Blätter ab, die entfernt an einen Pferdehuf erinnern können.

Blüten des Huflattich. Foto: Nefronus, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Die Blüten selbst sitzen auf kurzen, schuppigen Stängeln und bestehen aus zahlreichen gelben Zungenblüten, die stark an kleine Löwenzahnblüten erinnern. Nach der Blüte entwickeln sich die typischen Samenstände mit einem weißen Haarschirm, die dem Löwenzahn ähnlich sind und gleichermaßen durch den Wind verbreitet werden. Huflattich ist in großen Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas verbreitet und wurde auch in andere Regionen eingeführt. Die Pflanze bevorzugt offene, gestörte Böden und wächst häufig an Wegrändern, Böschungen, Ufern, Kiesflächen oder auf Baustellen. Besonders wohl fühlt sie sich auf lehmigen, kalkhaltigen Böden. Da sie mit ihren Rhizomen schnell neue Flächen besiedeln kann, gilt sie als typische Pionierpflanze. Die Wachstumsperiode beginnt meist sehr früh im Jahr. In Mitteleuropa erscheinen die Blüten oft bereits im Februar, manchmal sogar noch früher, wenn der Winter mild verläuft. Erst nach der Blüte entwickeln sich im Verlauf des Frühlings die großen Blätter, die bis in den Sommer hinein wachsen. Für die traditionelle Nutzung werden die Blüten meist im frühen Frühjahr gesammelt, während die Blätter typischerweise zwischen Mai und Juli geerntet werden.

Die Pflanze enthält eine Reihe von wirksamen Inhaltsstoffen, die ihre medizinische Anwendungen erklären. Dazu gehören Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide sowie Bitterstoffe. Besonders die Schleimstoffe wirken entzündungshemmend, reizlindernd und schützend auf Schleimhäute. Traditionell wird Huflattich deshalb vor allem bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt. Die Blätter und Blüten werden zu Tees oder Sirup verarbeitet. Die Pflanze wird verwendet zur Behandlung von trockenem Reizhusten, Bronchitis, Asthma oder Heiserkeit. Auch äußerlich findet Huflattich Verwendung: Zerstoßene Blätter werden in der Volksmedizin auf entzündete Hautstellen oder kleine Wunden gelegt. Auch das Rauchen der getrockneten Huflattichblätter zur Linderung von Husten und Atemwegserkrankungen war früher sehr verbreitet. Heute mutet diese Praxis etwas paradox an. Doch sie funktioniert. Durch das Inhalieren des Huflattichrauches gelangen die Wirkstoffe direkt dorthin, wo sie wirken sollen: in Bronchien und Lunge. Und der Rauch ist keineswegs mit dem kratzenden Rauch von Zigaretten zu vergleichen.

Hufeisenförmige Blätter des Huflattich. Foto: Daria, CC0, via Wikimedia Commons

Der wissenschaftliche Name Tussilago weist direkt auf diese historische Nutzung hin. Er stammt aus dem Lateinischen, von „tussis“ für Husten und „agere“ für vertreiben oder vertreiben helfen. Wörtlich bedeutet der Name also „Hustenvertreiber“. Auch der Artname farfara ist interessant: Er bezieht sich vermutlich auf die weißliche, mehlartige Behaarung der Blattunterseite.

In der europäischen Volkskultur hat Huflattich eine besondere symbolische Bedeutung. Als eine der ersten blühenden Pflanzen nach dem Winter gilt er als Zeichen des wiederkehrenden Lebens und der Hoffnung auf wärmere Tage. In manchen Regionen wurden die ersten Blüten als Frühlingsboten gesammelt oder in kleine Sträuße gebunden. Gleichzeitig war die Pflanze wegen ihrer medizinischen Wirkung lange Bestandteil vieler bäuerlicher Hausapotheken.