Dem süßen, wohlschmeckenden Saft ihrer Früchte, vor allem in der vergorenen Form als Wein, verdankt die Weinrebe ihre Verbreitung in alle Teile der Welt, in denen es warm genug ist, dass die Früchte reifen. Heutzutage verbinden wir die Weinrebe mit mediterranem Klima und sonnenbeschienenen Hängen der charakteristischen Weinberge. Ursprünglich ist die Weinrebe (Vitis vinifera) jedoch eine eher unscheinbare Kletterpflanze mit wenig süßen Früchten in den Auenwäldern Mitteleuropas gewesen. Ihre Wildform (Vitis vinifera ssp. sylvestris) findet sich heute nur noch selten in den einheimischen Wäldern. Erst durch Züchtungen des Menschen entwickelte sich die moderne, zur Weinherstellung nutzbare Form der Weinrebe (Vitis vinifera ssp. vinifera). Die Anfänge dieser Zucht reichen aber schon weit in der Geschichte der Menschheit zurück, was die Weinrebe zu einer der ältesten Kulturpflanzen macht.

Das die Weinrebe aber nicht nur mit dem berauschendem Saft ihrer Früchte punkten kann, sondern auch voller Heilkräfte steckt, ist wenig bekannt. Wegen ihrer Heilwirkungen wurde die Weinrebe daher zur Heilpflanze des Jahres 2023 gekürt. Die vielseitigen Anwendungen der Pflanze sind in der traditionellen Volksheilkunde vieler Kulturen schon lange in Gebrauch, moderne Forschungen konnten diese mittlerweile auch rational nachweisen. So spielen Zubereitungen aus der Weinrebe auch in der modernen Schulmedizin und in der Phytotherapie eine wichtige Rolle. Genutzt werden dabei vor allem die Blätter und die Samen.

Die Inhaltsstoffe der Blätter, insbesondere die der Roten Weinrebe (Vitis vinifera var. tinctoria), werden zur Behandlung von Ödemen (Wasseransammlungen im Körper) genutzt. Die Wirkung ist auch vorbeugend nutzbar, da die innerlich angewandten Weinrebenblätter dabei helfen, die Wände der Kapillare abzudichten und so den Flüssigkeitsaustritt ins umliegende Gewebe tu verhindern. Verantwortlich für diese Wirkungen sind unter anderem Flavonoide, Polyphenole und Proanthocyanidine. Darüber hinaus wirkt das Laub der Weinrebe entzündungshemmend und bindet freie Radikale im Blut. Ebenso hat es die Wirkung, die Verklumpung von Blutplättchen zu hemmen, was der Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) entgegenwirkt.

Aus diesen Gründen wird die Weinrebe in der modernen Phytotherapie innerlich hauptsächlich zur Behandlung chronischer Venenschwäche angewendet. Sie hilft dabei, die typischen Symptome wie Schwellungen, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen sowie Juckreiz und Spannungsgefühle in den Waden zu lindern. Außerdem hilft sie gegen Wadenkrämpfe. Äußerlich werden die Weinblätter unter anderem zur Behandlung von Krampfadern, Besenreisern und Hämorrhoiden genutzt. Insbesondere bei letzterem Leiden hilft die entzündungshemmende Wirkung zudem gegen die typischen Symptome wie Juckreiz und Brennen.

Auch in den Samen der Weinrebe steckt eine starke Heilwirkung. Die Inhaltsstoffe und Anwendung überschneiden sich mit denen der Blätter. Aus den Samen, in denen sich zudem eine große Menge an Vitamin E findet, werden häufig Extrakte hergestellt. Verwendet werden diese innerlich ebenfalls zur Behandlung von chronischer Venenschwäche, aber auch äußerlich zur Wundheilung und bei Entzündungen. Die insbesondere in den Samen vermehrt vorkommenden Proanthocyanidine sind außerdem Gegenstand der Forschung zur Behandlung von Demenz und Krebserkrankungen.

Text: Fabian Kalis

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