Der Echte Kümmel (Carum carvi) ist vielen in erster Linie als Gewürz bekannt. Die aromatischen Früchte dieses Doldenblütlers finden insbesondere in der Osteuropäischen Küche Verwendung. Doch als beliebte Gewürzpflanze hat er fast die ganze Welt erobert und findet so auch Anwendung in Gerichten unterschiedlichster Länder. Nicht verwechseln sollte man den Echten Kümmel mit anderen, ebenfalls als Kümmel bezeichneten, Gewürzpflanzen wie dem Schwarzkümmel (Nigella sativa) oder dem Kreuzkümmel (Cuminum cuminum). Neben den manchmal fälschlicherweise als Kümmelsamen bezeichneten Früchten nutzt man auch die Blätter dieses Krautes zu kulinarischen Zwecken. Diese haben einen milden Geschmack, der gerne mit Petersilie oder Dill verglichen wird. Genutzt werden sie frisch zum Würzen oder als Salat. Auch die Wurzel des Echten Kümmels kann man als Wurzelgemüse zubereiten.

Wurzel und Kraut des Echten Kümmels. Foto: Laval University, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Bei Ausgrabungen von steinzeitlichen Pfahlbauten, die auf ein Alter von über 3000 Jahren datiert wurden, konnten ebenfalls Kümmelfrüchte gefunden werden, die. Die Verwendung dieser aromatischen Körner durch den Menschen hat also eine lange Geschichte. Doch nicht nur als Speisepflanze macht der Echte Kümmel eine gute Figur. Als wirksame Heilpflanze lassen sich Anwendungen durch schriftliche Aufzeichnung bis in frühe Mittelalter zurückverfolgen.

Blütenstände des Echten Kümmels. Foto: Niepokój Zbigniew, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Die Kümmelfrüchte oder das aus ihnen gewonnene Kümmelöl haben auch heute noch den Status einer offiziellen Arzneipflanze mit empirisch nachgewiesener Wirkung. Die für die pharmakologische Wirkung verantwortlichen Wirkstoffe finden sich im ätherischen Öl der Kümmelfrüchte, welches der Pflanze auch ihren typischen Duft verleiht. Mit einem Gehalt von über 50 % im ätherischen Öl ist Carvon der Hauptwirkstoff, daneben finden sich etwa 30 % Limonen sowie in geringen Mengen andere Monoterpene, Phenolcarbonsäuren, Flavonoide und Furocumarine.

Kümmel regt die Tätigkeit der Verdauungsdrüsen an und wirkt somit verdauungsfördernd. Darüber hinaus wirkt er stark entkrampfend und hilft gegen Blähungen. Aus diesem Grund wird Kümmel gerne bei Verdauungsstörungen mit Blähungen und Völlegefühl, sowie bei leichten Krämpfen im Magen-, Darm- und Gallenbereich und bei nervösen Herz-Magen-Beschwerden verwendet. Verwendet werden hierzu innerlich die als Tee aufgebrühten Kümmelfrüchte oder äußerlich auf den Bauch aufgetragenes Kümmelöl. Letzteres hat sich vor allem bei der Behandlung von Koliken von Babys und Kleinkindern bewährt.

Außerdem hat Kümmel antimikrobielle Eigenschaften und hilft gegen Mundgeruch. Aus diesem Grund finden Extrakte aus den Früchten Anwendung in Zahnpflegeprodukten. Auch traditionelle Anwendungen empfehlen das Kauen der Kümmelfrüchte bei schlechtem Atem.

Wie viele andere Doldenblütler hat auch der Echte Kümmel eine hautreizende Wirkung. Besonders bei Verwendung des ätherischen Öls der Pflanze sollte man also bei äußerlicher Anwendung vorsichtig sein. Der Echte Kümmel wurde 2016 zur Heilpflanze des Jahres ernannt. Alkoholische Zubereitungen aus den Kümmelfrüchten erfreuen sich in Form des skandinavischen Aquavits und des norddeutschen Köms großer Beliebtheit.

Text: Fabian Kalis