Neben dem leckeren Honig erfreuen sich auch die anderen Erzeugnisse aus dem Bienenstock großer Beliebtheit. Als Naturheilmittel oder natürliche Nahrungsergänzung nutzt man Propolis, Pollen & Co schon lange in volkstümlichen Anwendungen. Ein weiteres Produkt aus der Bienenwelt ist das sagenumwobene Gelee Royale.

Eine majestätische Bienenkönigin (in der Mitte des Bildes), umringt von ihren Arbeiterbienen.  Hunderte von Ihnen müssen ihr Leben lassen für ein einzelnes Gläschen Gelee Royale. Foto: Matthew Greger, pixabay.com

Nicht nur in hochpreisiger Kosmetik findet es eine werbewirksame Verwendung, auch in der Alternativmedizin schwören viele auf diesen besonderen Stoff der Bienen. Unzählige Heilwirkungen spricht man dem Wunderstoff zu. Er soll ein Jungbrunnen für Haut, Körper und Kreislauf sein und neue Lebenskraft in geschwächte und ausgebrannte Leiber bringen. Ja, sogar als Heilmittel gegen Krebs wird er gelegentlich angepriesen. Welche Wirkungen hierbei empirisch nachgewiesen werden können und welche mehr aus alternativmedizinischem Wunschdenken herrühren, ist häufig jedoch fraglich. Nichtsdestoweniger werde ich als Imker häufig gefragt, ob ich auch Gelee Royale verkaufe. Der Bedarf an dem vermeintlichen Wunderstoff aus dem Bienenvolk ist groß.

Die Antwort auf diese Frage ist jedoch ein klares Nein. Ich ernte in meiner eigenen Imkerei kein Gelee Royale und ich verkaufe dieses Bienenprodukt auch nicht. Und das aus Überzeugung. Das Ganze hat jedoch nichts damit zu tun, dass Ernte und Verarbeitung von Gelee Royale sehr aufwendig und teuer sind, vielmehr sind es ethische Gründe, die mich davon abhalten. Denn eines ist für mich klar: Die Ernte von Gelee Royale ist ein Massaker an den Bienen und lässt sich nicht mit einer artgerechten, naturnahen oder wesensgemäßen Bienenhaltung vereinen. Es ist ein Akt der Tierquälerei und Verachtung des Lebens.

Weiselfuttersaft, wie Gelee Royale auf Deutsch eigentlich heißt, ist ein nahrhafter Futtersaft, den Arbeiterbienen in speziellen Futtersaftdrüsen selbst produzieren. Mit diesem Saft werden die Larven der Jungköniginnen gefüttert. Er ist es, der darüber entscheidet, ob aus einer Larve eine unfruchtbare, einfache Arbeiterin oder eine majestätische Bienenkönigin heranwächst. Nur die Larven, die ausreichend Weiselfuttersaft erhalten, entwickeln sich zu neuen Jungköniginnen, den einzig voll entwickelten Weibchen im Bienenstock. Die Larven der Jungköniginnen werden bis zu ihrer Metamorphose zu adulten Tieren mit dem besonderen Stoff gefüttert. In den verdeckelten Wabenzellen schwimmen sie sozusagen in einem Vorrat aus Gelee Royale. Arbeiterlarven hingegen werden lediglich für kurze Zeit am Anfang ihrer Entwicklung mit dem kostbaren Gut gefüttert. Sie erhalten anschließend nur noch ein Gemisch aus Perga (fermentierten Pollen) und Honig.

Mit Pollen (links) und Eiern & Larven (rechts) gefüllte Wabenzellen. Foto: xiSerge, pixabay.com

Gelee Royale ist also ein Naturstoff, der es vermag aus einfachen Arbeiterinnen wahre Königinnen zu machen. Kein Wunder, dass er so begehrt ist. Wer will da nicht etwas von abhaben? Dabei ist auch der Name von Bedeutung. Das deutsche Wort Weiselfuttersaft haben die wenigsten schon einmal gehört. Kaum einer weiß damit etwas anzufangen. Das französische Wort Gelee Royale verkauft sich hingegen gut, denn es klingt viel erhabener und hochwertiger als der deutsche Name. Auch wenn kaum einer weiß, was Gelee Royale eigentlich ist, so lässt die Bezeichnung keinen Zweifel daran, dass es etwas ist, was für Königinnen und Könige bestimmt ist. Und das muss gut sein.

Mit Larven und Gelee Royale gefüllte natürliche Königinnenzellen. Foto: 용한 배, pixabay.com

Doch wie gelangt der spezielle Futtersaft, der für den heranwachsenden Bienen-Nachwuchs gedacht ist, in die Hände der menschlichen Verbraucher? Die Antwort hierauf ist einfach: Abtreibung. Um den Weiselfuttersaft ernten zu können, müssen die Baby-Bienen (Larven) aus den Zellen entfernt werden. Sie werden dabei ihrer einer Gebärmutter ähnelnden, schützenden Zelle entrissen und sterben innerhalb kürzester Zeit, denn außerhalb der schützenden Wabenzelle und ohne den nahrhaften Futtervorrat unterkühlen und verhungern die Larven. Ein Verlust, der für den Imker keine Rolle spielt, denn die Larven haben ihre Aufgabe erfüllt. Der gewünschte Futtersaft ist nun in den Zellen und kann geerntet werden.

Doch in so einer Wabenzelle ist nicht sehr viel Futtersaft vorhanden. Pro abgetriebener Jungkönigin können nur wenige Milliliter Gelee Royale geerntet werden. Hinzu kommt, dass Gelee Royale nur mit teuren, spezialisierten Geräten geerntet werden kann und nach der Ernte kühl gelagert oder gefriertrocknet werden muss. Die Ernte dieses Stoffes ist also mit hohen Unkosten und viel Arbeit für den Imker verbunden. Und wie rentiert sich das ganze, wenn man nur winzigste Mengen pro Abtreibung ernten kann? Ganz einfach: Massenabtreibung.

Natürliche, zerstörte Brutzellen mit Bienenlarven (Mitte, unten). Foto: xiSerge, pixabay.com

Die Imker regen die Bienenvölker dabei künstlich an, eine unnatürliche Vielzahl an Jungköniginnen großzuziehen. Nachdem die alte Bienenkönigin aus dem Bienenstock entfernt (in der Regel wird diese abgetötet) wurde (was zu immensem Stress bei den Bienen führt), werden Rähmchen mit künstlichen Königinnenzellen in den Stock gegeben. In diese Zellen setzt der Imker vorher jeweils eine Larve, die er aus den Zellen im Brutnest des Volkes entnehmen kann. Die Arbeiterbienen aus dem Bienenvolk beginnen nun in einem Notfallprogramm (der Verlust der Königin bedeutet im schlimmsten Fall den Tod für das ganze Volk) die neuen Jungköniginnen in den künstlichen Wabenzellen zu versorgen und heranzuziehen, damit sie so schnell wie möglich wieder eine neue Königin im Volk haben. Normalerweise machen die Bienen dies bei einem natürlichen Königinnenverlust nur mit einer Handvoll Wabenzellen. Mit dieser künstlichen Methode können pro Volk aber hunderte an Königinnenlarven gleichzeitig herangezogen werden.

Natürliche Königinnenzelle auf einer Honigwabe (Mitte, oben). Foto: PollyDot, pixabay.com

Sind die Zellen am Höhepunkt ihrer Fülllhöhe angekommen, wird geerntet. „Ernte“ ist dabei ein Euphemismus für Massenmord oder Massenabtreibung. Hunderte Jungköniginnen werden jetzt in aufwendiger Handarbeit abgetrieben. Die von den unnötigen Baby-Bienen befreiten Zellen können indessen mit einem Spezialsauger entleert werden. Pro Volk können jedoch auch mit dieser Methode der Massenabtreibung nur etwa 500 g des begehrten Stoffes pro Jahr geerntet werden. Dies erklärt den hohen Preis des beliebten Produktes.

Das so geerntete Gelee Royale muss dann direkt kühl gelagert werden, damit es nicht verdirbt. Häufig wird es gefriergetrocknet, um es haltbar zu mache. Die Opfer dieser Massenabtreibung werden nicht weiter beachtet. Sie können einfach zum Sterben auf den Boden neben den Bienenkästen geworfen werden. Zum Glück sind die Larven so winzig, dass man Mühe hat, sie mit dem bloßen Auge zu erkennen. Und niedliche runde Äuglein, wie sie bei Säugetieren üblich sind, haben sie auch nicht. Es ist also leicht, die wahre Natur dieser fragwürdigen Anwendung aus den Augen zu lassen.

Das Ergebnis dieser Massenabtreibung kann nun in Gläser abgefüllt und hochpreisig vermarktet werden. Kunden gibt es genug. Denn, wenn es um (vermeintliche) Heilkräfte geht, dann ist es auch egal, wenn dafür ein eine Massenabtreibung durchgeführt werden muss. Wenn Du also das nächste Mal ein Kosmetikprodukt mit Gelee Royale kaufen möchtest, denke doch vorher einmal darüber nach, wie viele Abtreibungen Dir eine schöne Haut wert ist.

Text: Fabian Kalis

Dass an Land lebende, fliegende Insekten recht wenig mit Fischen gemein haben, wissen selbst Menschen, die keinen Hochschulabschluss in Biologie haben. Bienen sind Insekten und Fische sind eben Fische. In der weit verzweigten Vielfalt des Lebens zwei Bereiche, die alles andere als eine nahe Verwandtschaft haben. Niemand würde auf die Idee kommen in diesem Fall zu behaupten, dass Bienen auch nur annähernd mit Fischen verwandt sind oder gar selbst Fische sind, oder?

Sind Bienen in Wirklichkeit aquatisch lebende Fische?

Nun, so absurd es auch klingen mag, aber ein kalifornisches Gericht hat nun genau das geurteilt: Bienen können nun rechtlich als Fische angesehen werden. Zumindest nach kalifornischem Recht. Wie es zu diesem sonderbaren Urteil kam und warum es sogar sinnvoll ist, bedarf etwas Erklärung.

In diesem speziellen Fall geht es tatsächlich gar nicht um Bienen, sondern um Hummeln. Warum dennoch in den Schlagzeilen überall von Bienen die Rede ist, erklärt sich folgendermaßen: Hummeln (englisch: bumble bees) und Bienen (englisch: bees) werden im englischsprachigen Raum häufig in einen Topf geworfen. Sowohl Hummeln als auch Bienen werden umgangssprachlich als bees (Bienen) bezeichnet. Für viele englischsprachige Menschen sind Hummeln eine Art von Bienen. Da es sich bei dem Gerichtsurteil jedoch um ein Grundsatzurteil handelt, betrifft die neue Rechtsprechung nicht nur Hummeln, sondern ebenso Bienen (und viele andere Tierarten). Es kann also ruhigen Gewissen in diesem Fall von Bienen geredet werden.

Das besagte Urteil, welches am 31. Mai 2022 veröffentlicht wurde, revidiert ein früheres Urteil, nach dem Hummeln nicht als geschützte Spezies im Sinne des California Endangered Species Act angesehen wurden. Hintergrund ist der, dass der Wortlaut dieser Verordnung lediglich den Schutz von „einheimischen Arten und Unterarten von Vögeln, Säugetieren, Fischen, Amphibien, Reptilien und Pflanzen“ vorsieht. Insekten und andere wirbellose Tiere (zu denen auch die Bienen und Hummeln zählen) finden sich nicht in dieser Auflistung und konnten somit zumindest bisher nicht in die Liste der nach dieser Verordnung geschützten Arten aufgenommen werden.

Das kalifornische Gericht urteilte jedoch nun, dass Hummeln unter die Definition des Begriffs „Fisch“ gemäß dieser Verordnung fallen und somit in die Liste der geschützten Spezies aufgenommen werden können. Das Gericht argumentiert wie folgt: Die Verordnung selbst definiert den Begriff „Fisch“ als

ein wilder Fisch, ein Weichtier, ein Krebstier, ein wirbelloses Tier, eine Amphibie oder ein Teil, ein Laich oder eine Eizelle eines dieser Tiere

Da Insekten (und somit auch unsere besagten Bienen und Hummeln) ebenfalls wirbellose Tiere sind, fallen Sie ganz klar unter diese in der Verordnung selbst beschriebenen Definition von Fisch, so das Gericht in seiner Begründung.

Mit dieser Entscheidung hob das kalifornische Gericht ein früheres Urteil vom Bezirksgericht in Sacramento aus dem Jahr 2020 auf, welches entschieden hatte, dass sich diese Definition in der Verordnung lediglich auf maritime Lebewesen beziehe. Wirbellose Tiere könnten somit nur dann als Fisch im Sinne dieser Verordnung angesehen werden, wenn sie im Wasser leben.

Hummel in einer Mohnblüte

Wenn auch die Entscheidung aus dem Jahr 2020 eindeutig von einem logischen Standpunkt mehr Sinn ergibt, so ist das indessen gefällte Urteil definitiv das ökologisch sinnvollere. Hintergrund für das ganze Rechtswirrwarr und das etwas sonderbare Urteil war eine Petition aus dem Jahr 2018, die forderte, dass 4 in Kalifornien vom Aussterben bedrohte Hummelarten in die Liste der geschützten Arten aufgenommen werden, um somit einen besonderen rechtlichen Schutz zu erlangen. Die damalige Entscheidung sorgte jedoch dafür, dass den lokalen Behörden die rechtliche Grundlage fehlte, um diesen besonderen Schutz durchzusetzen. Ihnen waren die Hände gebunden.

Mit dem neuen Urteil aus Kalifornien können die bedrohten Hummelarten nun mit rechtlich solider Grundlage den benötigten Schutz bekommen. Weiterhin öffnet dieses Urteil auch die Möglichkeit, dass zukünftig weitere Arten von an Land lebenden wirbellosen Tieren bei Bedarf mit aufgenommen werden können. Denn nach diesem Urteil ist klar: Alle wirbellosen Tiere sind Fisch genug, um rechtlich als Fisch angesehen zu werden, auch wenn sie an Land leben und eigentlich Insekten sind.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Quellen: https://edition.cnn.com/2022/06/06/us/california-bees-fish-court-ruling-scn-trnd/index.html

https://www.reuters.com/legal/litigation/who-knew-bees-are-fish-2022-06-02/

Ihre Majestät die Bienenkönigin stellt vor: das königliche Rezept für gekochte Hornissen. Was man braucht: eine frische lebende Hornisse, 20 – 25 starke Arbeiterbienen und ein paar Minuten Zeit. Umhülle die Hornisse mit den Arbeiterbienen, stell die Flügel auf Vibration und gare die Hornissen so bei etwa 43 °C über mehrere Minuten.

Eine noch ungekochte Hornisse in ihrem Nest.

Bei dieser Anleitung handelt es sich keinesfalls um einen Spaß. Zugegeben, den Bienen geht es hierbei natürlich nicht um die Zubereitung einer leckeren Mahlzeit. Unsere Honigbienen sind aber tatsächlich in der Lage Hornissen zu kochen. Wie genau und warum sie das machen, ist eine spannende Geschichte.

Die Bienen verteidigen ihren Bienenstock sehr wachsam gegen allerlei Räuber und Feinde. Niemand der nicht zum Volk gehört, darf das Innere des Bienenstockes betreten. Egal ob Wespe, Maus, Dachs oder Bär: jeder, der es wagt, dem Flugloch zu nahezukommen oder gar den kostbaren Honig zu stehlen zu wollen wird von den wachsamen Wächterbienen mit schmerzhaften Stichen in die Flucht geschlagen. Bei den großen Säugetieren ist es der Schmerz, der die Tiere von der geplanten Räuberei abhalten soll. Kleine Insekten können durch das Bienengift sogar getötet werden. Ein Sonderfall sind aber die Hornissen. Bei ihnen funktioniert die bewährte Methode nicht. Sie kümmern sich nicht um erlangte Stiche und sind immun gegen das Bienengift. Sie führen ihren Angriff auf den Vorrat der Bienen unbeeindruckt fort.

Das Flugloch: Eingang zum Bienenstock, gut bewacht durch die Wächterbienen

Besonders im späten Sommer sind viele Hornissen auf der Suche nach ein paar süßen Leckerbissen. Der Duft nach Honig aus dem Flugloch lockt dabei so manche wagemutige Hornisse zu den Bienen. Tapfer und ohne Beachtung der Gefährlichkeit dieser Aktion wagt sich die honig-hungrige Hornisse vorbei an den stechenden Fluglochwachen ins Innere des Bienenvolkes. Den Hornissen macht das Bienengift nichts aus. Egal wie viele Stiche sie abbekommen, das Bienengift vermag es nicht, die großen Insekten vom Plündern des Honigvorrates abzuhalten. Eine ausweglose Situation für die Bienen? Keineswegs. Die schlauen Honigbienen haben extra für die Hornissen eine ganz spezielle Methode zur Verteidigung entwickelt.: Sie kochen die Hornissen.

Grundlage für diese sonderbare Aktion ist, dass Hornissen hitzeempfindlicher sind als die Bienen. Die Hornissen sterben bei Temperaturen über 42 °C. Bienen hingegen vertragen kurzzeitig Temperaturen bis 44 °C. Dieser winzige Unterschied in der Hitzeverträglichkeit ermöglicht es den Bienen, die Hornissen mit Hitze zu töten, ohne dabei selbst schaden zu nehmen. Dafür umschließen zahlreiche Bienen die Hornisse und beginnen mit ihren Flügeln zu vibrieren, um Hitze zu erzeugen. Das Knäuel aus Hornisse und Bienen wird so innerhalb weniger Minuten auf eine Temperatur von knapp über 42 °C erhitzt. Die arme Hornisse wird dabei also langsam zu Tode gegart. Die mutigen Arbeiterbienen hingegen überleben diesen kurzzeitigen Temperaturanstieg unbeschadet.

Mit dieser Methode schaffen es die Bienen, die robusten Eindringlinge ganz ohne ihren Stachel zu besiegen. Gegessen werden die Hornissen dann aber nicht von den Bienen. Zum Heraustragen ist die tote Hornissen dann aber zu schwer für die kleinen Arbeiterinnen. Damit die leblose Hornisse nun nicht innerhalb des Bienenstockes verrottet und Keime und Krankheiten verbreitet, wird die getötete Hornisse von den Bienen mumifiziert. Ja genau, richtig gelesen. Die Bienen Mumifizieren die toten Hornissen. Tatsächlich haben die Bienen das Mumifizieren erfunden. Die Ägypter haben sich diese Technik von den Bienen abgeschaut und verfeinert. Die Bienen mumifizieren nicht nur Hornissen sondern jedes Tier was innerhalb des Bienenstocks ums leben kommt und zu schwer zum Heraustragen ist. Die leblosen Körper werden von den Bienen präpariert und mit Propolis einbalsamiert. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Rauch ist seit jeher eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Arbeit mit Bienen. Schon in der Steinzeit nutzten die Menschen Rauch, um die wilden Honigbienen bei der Honigjagd vom Stechen abzuhalten. Und bis heute hat sich hieran nichts geändert. Was funktioniert und sich bewährt, das bleibt eben erhalten. Kein Wunder also, dass das Einräuchern der Bienen bei Imkern weltweit auch in moderner Zeit ein ganz alltägliches Tun ist. Je nach Kultur und lokalen Ressourcen unterscheiden sich die Hilfsmittel und Rauchmaterialien, die zur Raucherzeugung dienen natürlich ein wenig. Klar ist aber: überall nutzt man den Rauch, um die Arbeit mit den Bienen zu erleichtern.

Was genau glimmt und Rauch erzeugt ist abhängig davon, welche natürlichen Ressourcen den Imkern, Zeidlern und Honigjägern vor Ort zur Verfügung stehen. In Indien und Mazedonien nutzt man getrocknete Kuhfladen zur Raucherzeugung. In vielen Teilen Afrikas wird der getrocknete Dung anderer Tiere genutzt. In wieder anderen Teilen der Welt macht man große Feuer, auf die dann frisches, noch feuchtes Pflanzenmaterial gelegt wird, was eine enorme Rauchentwicklung in großer Umgebung rund um das Feuer zur Folge hat. Andere kennen bestimmte Kräuter, die eine besonders gute Rauchentwicklung beim Verglimmen zeigen. Und viele Kulturen schätzen den Wohlgeruch bestimmter Kräuter beim Verräuchern. Doch nicht nur Duft und Rauchentwicklung spielen eine Rolle. Auch weniger rationale Aspekte wie etwa Mythologie und Zauberei sind, wenn es um die Bienen geht, nicht zu vergessen.

Rauchschwaden bei einem Waldbrand

Doch warum räuchert man die Bienen eigentlich ein? Rational gesehen ist die Erklärung wie folgt: Der Rauch vermittelt den Bienen, die ja ursprünglich in hohlen Baumstämmen in den Wäldern lebten, dass der Wald brennt. Ein Waldbrand ist für so ein wildes Bienenvolk natürlich eine enorme Gefahr. Der komplette Bienenstock mit Brut, Waben und Honigvorrat kann durch das Feuer vernichtet werden. Die einzige Rettung für die Bienen ist hierbei die Flucht. Sobald die Bienen den Rauch wahrnehmen, bereiten sich alle Arbeiterbienen vor, den Bienenstock als Schwarm zu verlassen und ein neues zu Hause zu suchen. Dabei wollen sie natürlich so viel wie möglich von ihrem kostbaren Honigvorrat mitnehmen. Dafür eilen nun die Arbeiterbienen zu dem Honigvorrat in den Waben und nehmen so viel Honig wie möglich in ihre Honigmägen auf. Das hat zur Folge, dass die Arbeiterbienen beschäftigt sind und nicht umherfliegen oder angreifen und stechen, wenn man die Bienenstöcke öffnet. Die Bienen haben dann einfach wichtigeres zu tun.

Und warum Schwärmen die Bienen dann nicht aus und sind weg? Der ganze Rauch würde dem Imker wenig nutzen, wenn er jedes Mal sein Volk verliert, wenn er hineinschaut. Die Bienen fliegen aber zum Glück trotz des Rauches erst einmal nicht aus. Sie bereiten sich zwar auf eine mögliche Flucht vor, das heimische Nest zurückzulassen erfordert aber eine weitaus größere Bedrohung als nur den Rauch. Erst wenn zu dem Rauch noch eine starke Hitzeentwicklung dazu kommt, verlassen die Bienen tatsächlich ihren Stock. Als Imker kann man also ohne Bedenken den Rauch verwenden. Sobald sich der Rauch nach einer Weile wieder gelegt hat, kehren die Bienen unbehelligt zu ihrer alltäglichen Arbeit zurück.

Doch nicht nur diese rationale Sichtwiese erklärt den Effekt des Rauches auf die Bienen. Viele Imker sind sich sicher, dass der Rauch die Bienen besänftigt und beruhigt, was aus oben genannter Sicht natürlich überhaupt nicht der Fall ist. Nach diesem Erklärungsmodell müssten die Bienen beim Einräuchern in Todesangst und enormen Stress sein. Dennoch wirken die Bienen beim Verräuchern der richtigen Kräuter ruhig, langsam, meditativ und strahlen eine friedvolle Harmonie aus. Es spielen also durchaus noch andere Aspekte eine wichtige Rolle.

Ein moderner Smoker (Foto: www.pixabay.com)

Moderne Imker in konventioneller Imkerei nutzen auch gerne mal Eierkartons oder alte Pappe und Zeitungen. Dem Rauchmaterial wird hier keine große Beachtung geschenkt. Man nimmt, was man findet und ist froh, gleichzeitig etwas Müll loszuwerden. Das mag natürlich gut rauchen, einen Wohlgeruch erzeugt dieses Material aber nicht. Und von der besänftigenden Wirkung mancher Kräuter ist bei der Nutzung solch eines Materials bei den Bienen auch nichts zu sehen.

In der nordeuropäischen Imkerei und früher auch in der Waldbienenzucht, der Zeidlerei, nutzte man traditionell eine Mischung aus Kräutern und anderen Pflanzenmaterialien, um Rauch zu erzeugen. Die Kräuter wurden dabei nicht nur aufgrund ihrer guten Glimm- und Raucheigenschaften ausgesucht, sondern beisitzen noch weitere Eigenschaften. Viele von ihnen erzeugen beim Verräuchern einen angenehmen Wohlgeruch und einigen sagt man eine magische Wirkung nach, die besonders geeignet ist, um das Wesen der Bienen zu besänftigen. So entstanden im Laufe der Zeit viele verschiedene Kräutermischungen, die von den Imkern und Zeidlern genutzt wurden. Einige dieser Rezepte wurden als wohlgehütete Familiengeheimnisse von Generation zu Generation weitergegeben und sind uns bis heute erhalten. Jeder Imker kannte eine ganz eigene Zaubermischung, die besonders magische Kräfte besaß.

Ich benutzte in meinem Smoker ebenfalls eine Kräutermischung aus besonderen Kräutern. Das Rezept dafür ist eine dieser altüberlieferten geheimen Zaubermischungen. Und Wohlgeruch und Wirkung dieser Kräutermischung sind so überzeugend gut, dass ich nichts anderes mehr in meine Imkerpfeife lasse. Das wichtigste Kraut in meiner Mischung ist der Rainfarn Tanacetum vulgare. Rainfarn ist ein in Nordeuropa häufiges Gewächs innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er hat viele kleine gelbe Blütenköpfe, die aus unzähligen winzigen Einzelblüten bestehen und eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insekten, auch die Honigbiene, bilden. Die Blätter des Rainfarn erinnern an Farnblätter, was dem Rainfarn seinen Namen verleiht. Das Wort Rain deutet dabei auf den Wuchsort der Pflanze hin, die man häufig an Feldrainen wachsen sieht. Der Rainfarn war früher ein wichtiges Mittel in der Pflanzenheilkunde und wurde zur Behandlung von Darmparasiten bei Mensch und Tier eingesetzt. Auch war er eine wichtige Färberpflanze. Die Pflanze hat einen stark aromatischen Duft, der auch beim Verräuchern besonders entfaltet wird. Das macht dieses Kraut zu einem idealen Kandidaten für die Imkerpfeife.

Zeichnung vom Rainfarn aus einem alten Kräuterbuch

Darüber hinaus sagt man dem Rainfarn eine magische Wirkung zu. Generell soll er beim Verräuchern geladene Stimmungen harmonieren und Unheil, Streit und Böses fernhalten. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem passenden Kraut für die Smokermischung, denn welcher Imker möchte nicht in Harmonie mit seinen Bienen sein und frei von unheilvollen Stichen und Bienenangriffen?

Rainfarn (Foto: Vanessa Michels)

Ein weiteres Kraut in meiner Imkerpfeife ist der Gemeine Beifuß Artemisia vulgaris. Auch diese Pflanze hat einen stark aromatischen Duft. Beifuß ist eine uralte Schamanenpflanze. Bereits die Neandertaler nutzen das magische Kraut zu Rituellen Zwecken. Noch heute findet sich nahezu in jeder Kultur ein Hinweis auf die Verwendung von Beifuß als Räucher- und Ritualpflanze. Der Beifuß soll dabei ebenfalls eine schützende Wirkung haben und negative Energien, böse Geister und Dämonen vertreiben und einen heiligen, geschützten Raum schaffen. Ebenfalls soll er den Geist für Botschaften aus anderen Welten öffnen. Für die Imker und Zeidler, die in meditativer Stimmung in die verborgene Welt im Inneren des Bienenstocks eindringen, ist der Beifuß eine gute Hilfe, um mit dem Geist der Bienen in Kontakt zu treten und ihren Botschaften zu lauschen. Nur wer als Imker oder Zeidler vermag den Bienen zuzuhören, der kann auch unbeschadet den Honig ernten.

Die weiteren Zutaten für meine Räuchermischung bleiben aber nach alter Tradition ein wohlgehütetes Geheimnis.

Zeichnung vom Beifuß aus einem alten Kräuterbuch

Es wird hier schnell klar, dass das Rauchmaterial in der Imkerpfeife weitaus mehr als der reinen Raucherzeugung dient. Wie so vieles hatte zumindest früher alles eine tiefgründige Bedeutung. Die Honigernte und die Arbeit mit den Bienen galt schon immer als eine besondere Aufgabe, die mit Ritualen und Zauberei begleitet wurde. Doch wie bei so vielem wurden diese Bedeutungen im Laufe der Zeit vergessen und die Handlung auf rein rationale und praktische Belange reduziert. Das wird den Bienen meiner Meinung nach aber in keiner Weise gerecht. Für mich ist es wichtig, den Bienen mit diesem ursprünglichen Respekt in einer nicht alltäglichen Rituellen Weise zu begegnen. Daher setzte ich mich für die Bewahrung der alten Imkertraditionen ein. Und damit meine ich nicht nur das Sammeln und Dokumentieren für die Nachwelt, sondern aktiv gelebte Imkertradition, die ich bei meiner Arbeit mit den Bienen fortführe.

Viele moderne Imker gleichen bei ihrem Besuch bei den Bienen eher einem Astronauten bei der Mondlandung mit ihren Ganzkörperschutzanzügen. Ich trage, wenn ich meine Bienenvölker besuche nicht ein einziges Stück an Schutzkleidung. Barfuß, kurze Hose und T-Shirt, mein Alltagsoutfit ist völlig ausreichend. Dabei bekomme ich nur ganz selten mal einen Stich ab. Für mich ist das ein ganz klares Zeichen, dass diese alten Rituale funktionieren. Ich begegne den Bienen mit Respekt, Hochachtung und meditativer Ruhe, ich nutze die alten Imkerzauber und Rituale und habe es gelernt zuzuhören. Das alles schafft eine Harmonie zwischen Mensch und Biene. Und meine magische Kräutermischung in der Imkerpfeife vermag es ebenfalls eine zauberhafte Wirkung auf die Bienen zu haben.

Nachdem es den bisherigen Mai nahezu jeden Tag geregnet hatte, hatte ich die Hoffnung auf einen Bienenschwarm im Schwarmmonat Mai eigentlich schon gänzlich aufgegeben. Die wenigen regenfreien Sonnenstunden im Mai reichten den Bienen lediglich für ihr täglich Brot. Genug Nektar für einen Honigüberschuss für die Frühjahreshonigernte oder eine starke Volksentwicklung konnte aufgrund des vielen Regens leider nicht gesammelt werden. Eine für den Mai typische Schwarmstimmung konnte ich bei meinen Bienen bei meinen bisherigen Durchsichten noch nicht erkennen.

Doch dann wurde es plötzlich doch noch schön, die beiden letzten Tag im Mai segnete uns das Wetter mit den fast schon vergessenen typischen heißen Sonnentagen. Das weckte nicht nur bei mir wieder die frühlingshafte Lebensfreude. Auch bei den Bienen blieb dieser Wetterwandel nicht unbemerkt. Von einem Tag auf den anderen zeigte sich auch bei den Bienen nun doch das erhoffte Frühlingstreiben des Schwarmmonats Mai. Der bisher nur zaghafte Flugverkehr wandelte sich förmlich über Nacht in ein wildes Treiben aus tausenden Bienen.

Und dann gab es doch tatsächlich auch noch einen Bienenschwarm im Mai. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Als ich am vorletzten Maitag mit meinen Kindern an einem meiner Bienenstände vorbeifuhr, sagte meine Tochter plötzlich: da hängt ein Bienenschwarm im Baum. Und in der Tat: in ungefähr 4 – 5 Metern Höhe hing eine dichte schwarze Traube aus Bienen an einem alten Holunder. Der erste Schwarm in diesem Jahr. Was für eine Überraschung. Und welch ein Glück, dass meine Tochter einen so aufmerksamen Blick hatte. Ich selbst hätten den Schwarm an diesem Tag wohl einfach übersehen.

Der Schwarm sollte dann natürlich kurzentschlossen eingefangen werden. Das Ganze war natürlich völlig unvorbereitet und ohne das passende Equipment dabei zu haben. Etwas unter Zeitdruck (eigentlich wollte ich meine Kinder bloß absetzen und musste schnell weiter zu einem Termin) wurden dann eine Leiter und ein Plastikeimer organisiert. Schnell stellte sich aber heraus, dass ich mit der Leiter nicht nahe genug an den Ast heranreichen würde, an dem der Bienenschwarm sich niedergelassen hatte. Also habe ich den Eimer an einem langen Stock befestigt, um von oben auf der Leiter bis unter den Schwarm reichen zu können. Mit einem zweiten Stock wollte ich so kräftig am Ast rütteln, in der Hoffnung, dass der Schwarm dann in den Eimer fällt und ich ihn unkompliziert vom Baum bekomme. Soweit der Plan. Zeitdruck, unpassende Ausrüstung und keine Zeit daran zu denken, was dabei schiefgehen könnte, sind nie eine gute Voraussetzung für ein gelungenes Vorhaben, wohl aber für eine abenteuerliche Geschichte… Aber lest selbst:

Ein Bienenschwarm im Holunder

So stand ich also barfüßig (wie immer), in sommerliche Kleidung und mit im Winde wehenden langen Haaren in ca. 3 Metern Höhe auf einer nassen Leiter, die an einen wackeligen alten Holunder lehnte und hielt mit einer Hand den Stock mit dem Eimer in die Höhe während ich mit der anderen Hand und dem sich dort befindenden Stock versuchte dem Ast mit den Bienen einen kräftigen Ruck zu geben. Soweit war auch alles gut. Der Bienenschwarm löste sich nach meinem Rütteln wie gewünscht vom  Ast. Die Hälfte der Bienenmasse landete sogar in dem dafür vorgesehenen Eimer. Die andere Hälfte aber verfehlte ihr Ziel. Statt in den Eimer regnete nun eine Traube aus verärgerten Bienen auf mich nieder. Sofort verfingen sich unzählige Bienen in meinen Haaren und meinem Bart. Auch wenn Bienen generell sehr friedlich Tiere sind und insbesondere Schwarmbienen vom Stechen nicht viel halten, so sehen Bienen, die sich im Wirrwarr aus Haaren verfangen, nachdem sie unsanft von ihrem sicheren Verbleib im Baum geholt wurden, die ganze Sache deutlich unentspannter. Während ich in diesem Zustand, dazu umkreist von einer Wolke wilder Bienen, in der einen Hand noch den Eimer mit den restlichen Bienen, langsam die Leiter runter kletterte, sammelte ich unzählige Stiche am Kopf. In stoisch imkerlicher Ruhe und Gelassenheit, stellte ich dann den Eimer zur Seite, begann die Bienen aus meinen Haaren zu entfernen und überblickte prüfend das Geschehen. War ich wenigstens erfolgreich? Hatte sich das schmerzhafte Abenteuer gelohnt?

Ein Blick in den Eimer zeigte ein wenig erfolgreiches Bild. Die Bienen saßen nicht als Traube zusammen, sondern verteilten sich überall an den Wänden und schienen wieder in Aufbruchstimmung. Ein Blick zurück an den Holunder zeigte, dass die wilde Wolke aus Bienen sich langsam wieder an ihrem Platz hoch oben im Baum sammelte. Das bedeutete, dass die Königin nicht mit im Eimer gelandet war und der Schwarmfang somit erfolglos.

Da ich aber einen leeren Bienenkasten in unmittelbarer Nähe stehen hatte, beschloss ich, die eingefangen Bienen dennoch einzusiedeln. Ich hatte die Hoffnung, dass diese Bienen die neue Bienenbehausung als würdiges Zuhause akzeptieren würden und den verbliebenen Bienen am Baum Bescheid geben würden. Hat ein Bienenschwarm einmal ein geeignetes neues Heim gefunden, so zieht er von ganz allein dorthin ein. Also entleerte ich den Eimer voll Bienen in den leeren Bienenkasten und hoffte auf ein gutes Gelingen.

Dann musste ich aber erstmal los zu meinem Termin. Zerstochen, mit noch ein paar toten Bienen im Haar kam ich dann mit nur 15 Minuten Verspätung fast noch pünktlich zu meinem Termin. Passenderweise ging es hierbei auch um Bienen, sodass ich gleich von meinem davor erlebten Abenteuer erzählen konnte. Als ich nach verrichteter Arbeit wieder zum Bienenstand zurückkam, war die Traube im Holunder verschwunden. Ein Blick auf den zuvor mit Bienen bestückten Bienenkasten zeigte Bienen, die im Flugloch ein und ausflogen und sich neu zu orientieren schienen. Auf den ersten Blick, sah es so aus, als hätte mein Plan doch noch funktioniert. Da ich das vermeintlich neue Bienenvolk aber nicht weiter stören wollte, habe ich auf eine weitere Durchsicht verzichtet. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob die Einsiedlung des Schwarms auf diese Art in diesem Fall wirklich erfolgreich war. Was für ein gelungener Abschluss für den ungewöhnlichen Wonnemonat Mai in diesem Jahr.

Wonnemonat Mai, Zeit der Sonnentage, Sommerlaune und Freiluftaktivitäten. In diesem Jahr aber machte das Wetter den Wonnemonat eher zu einem Wannenmonat… Regen, Kälte, Wind und noch mehr Regen prägten die Erscheinung des normalerweise warmen und strahlenden Frühlingsmonates. Die wenigen Tage, an denen es in diesem Jahr in diesem Monat mal einmal nicht geregnet hat, kann man an einer Hand abzählen. Und man braucht dabei noch nicht einmal den Daumen…  Nach der tristen Winterzeit, einem ohnehin verregnetem Frühling und all dem Wahnsinn unserer Zeit, habe bestimmt nicht nur ich mich auf den Mai gefreut. Endlich wieder Sonne tanken, draußen sein und die Natur genießen. Leider sah die Natur das in diesem Jahr anders. Das nagt am Gemüt. Und nicht nur bei uns Menschen. Auch bei den Bienen ist der Missmut über diese Wetterlage deutlich zu merken.

Für die Bienen sind Mai und Juni normalerweise der Höhepunkt in ihrer Jahresentwicklung. Die Anzahl der Arbeiterbienen, der gebauten Waben und die Größe des Brutnestes erreichen ihr Höchstmaß zur Sommersonnenwende. Bereits im Mai platzen die Völker förmlich aus allen Nähten. Frühlingsblüten blühen in einem bunten Meer aus tausend Farben und überall finden die fleißigen Insekten Nektar und Pollen. Jetzt ist auch die Zeit der Bienenschwärme. Die Völker teilen sich und bilden neue Kolonien. Es ist die Zeit der puren Lebensfreude sowohl für die Bienen als auch den Imker.

Doch in diesem Jahr konnten die Bienen kaum am reichen Tisch der Natur teilhaben. Die unzähligen Blüten des Frühlings, wie etwa Apfelblüte, Löwenzahn und Raps, blieben an vielen Tagen aufgrund des starken Regens unbesucht. Als Imker merkt man, dass auch die Bienen über diese Lage nicht sehr wohlgestimmt waren. Stichlustig und murrend begegneten die sonst friedlichen Damen jedem, der es zu dicht ans Flugloch wagte.

Doch was machen die Bienen eigentlich genau, wenn es regnet? Warum können Sie nicht auch bei Regen ausfliegen und die Blüten bestäuben? Was passiert eigentlich mit einer Biene, die während es Ausfluges vom Regen überrascht wird?

Auf die letzte dieser Fragen gibt es eine verblüffende Antwort: Bienen können nicht nass werden, wenn es regnet. Wenn die Regentropfen vom Himmel herabregnen, nehmen sie ordentlich an Fahrt auf. Die schweren Wassertropfen rasen in Richtung Erdboden. Dabei verdrängen Sie die Luft, die sich unter ihnen befindet. Es entsteht eine Druckwelle. Diese Druckwelle mag zwar für uns Menschen unbedeutend und minimal erscheinen. Für die leichten Bienen sieht die Welt aber ganz anders aus. Die Druckwelle, die ein herabfallender Wassertropfen unter sich vorweg schiebt, reicht aus, um eine fliegende Biene zu verdrängen. Wenn sich also ein Wassertropfen einer fliegenden Biene nähert, wird diese von der Druckwelle davongeschleudert, bevor der Wassertropfen sie berühren kann. Eine fliegende Biene kann also im Regen nicht nass werden. Ist das nicht verblüffend? Da die Bienen in einem Regenschauer aber von unzähligen Regentropfen umgeben sind, werden sie von Druckwelle zu Druckwelle umhergeschleudert. Ein koordinierter Flug ist dabei nicht möglich. Die Bienen verbrauchen eine große Menge an Energie, um ihre Flugbahn unter diesen Bedingungen halbwegs aufrecht halten zu können. Daher suchen sich fliegende Bienen, die vom Regenschauer überrascht werden meistens einen festen Platz zum Ausharren, bis das Wetter wieder besser wird.

Doch bei den nicht fliegenden Bienen, bei denen, die auf einer Blüte, auf einem Blatt oder dem Erdboden sitzen, funktioniert der natürliche Regenschutz leider nicht mehr. Diese Bienen haben einen festen Halt und bekommen die ganze Kraft des Wassertropfens zu spüren. Die unglücklichen Exemplare, die einen Regentropfen direkt abbekommen, werden in Hülle und Fülle im kalten Nass gebadet. In diesem Zustand sind sie erst einmal flugunfähig. Sie müssen warten, bis die Sonne sie wieder vollständig getrocknet hat, bevor Sie ihren Weiterflug starten können.

Dennoch ist leichter Regen nichts, was die Bienen vom Ausfliegen abhalten würde. Tatsächlich kann man sie zumindest bei nur leichtem Regen immer noch bei ihren Sammelflügen beobachten. Die Bienen am Flugloch fliegen ungeachtet des nassen Wetters ein und aus. Die Bienen können also auch bei leichtem Regen weiterhin ausfliegen und ihre Sammelflüge vollenden. Der Flugverkehr ist aber deutlich vermindert. Das liegt dann aber eher an den Blüten selbst. Die allermeisten Blüten mögen nämlich auch keinen Regen und schließen sich bei stärkerem oder lang anhaltendem Regen wieder, um den kostbaren Pollen zu schützen. Und wenn es keine geöffneten Blüten gibt, dann gibt es auch nichts zu sammeln. Daher fliegen die Bienen bei starkem Regen gar nicht mehr aus. In solchen Zeiten sitzen die Arbeiterbienen untätig im Inneren des Bienenvolkes und warten voller Ungeduld auf trockenere Zeiten. Dabei kann es schonmal richtig eng werden im Bienenkasten. Und die Arbeiterinnen, die im Innendienst weiterhin ihre Arbeit verrichten, haben durch die nun sehr engen Verhältnisse erschwerte Arbeitsbedingungen im Bienenvolk, während die Sammelbienen nur faul herumhängen. Kein Wunder das da Missmut entsteht und die Bienen gereizter sind als normal.

Aus diesem Grund sollte man bei Regenwetter besonders achtsam sein und nicht zu dicht ans Flugloch der Bienen gehen. Als Imker sollte man es zudem vermeiden, bei so einem Wetter in die Bienenkästen und Bienenkörbe zu schauen. Nicht nur, weil die Bienen einem dann schon ganz klar zeigen werden, dass dies der falsche Zeitpunkt ist. Auch wir würden es sicherlich nicht lustig finden, wenn man uns das Dach vom Haus nimmt und den Regen in unsere Stuben lässt.

Hummel im Regen auf einer Rainfarnblüte

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Roman Grac from pixabay.com, Steve Buissinne from pixabay.com, Krzystof Niewolny from pixabay.com

Eigentlich ist es schon erstaunlich genug, dass die Bienen mit Ausnahme der Antarktis (und den Teilen Chinas, in denen sie erfolgreich ausgerottet wurden) die komplette Welt bevölkert haben. Egal wie warm oder kalt es ist, überall, wo es Blüten gibt, finden sich spezialisierte Bienenarten, die die lokale Bestäubung der Pflanzen sichern. Selbst in Gegenden in der eisigen Arktis und der lebensfeindlichen Sahara gibt es Bienen.

Ein Ort, wo man die Bienen aber mit Sicherheit ganz bestimmt nicht erwarten würde ist das Weltall. Und doch haben die kleinen Insekten es auch bis dorthin geschafft. Natürlich nicht allein, ihre Weltraumfahrten verdanken sie wissenshungrigen Menschen. Aber rein quantitativ sind uns die Bienen in Sachen Weltraumfahrt überlegen: 6815 von ihnen haben es ins All geschafft (oder eher gesagt in die Erdumlaufbahn). Damit waren bisher mehr Bienen im All als Menschen.

Doch welchen Grund gibt es, die fleißigen kleinen Bestäuber so fernab ihrer natürlichen Umwelt mit blühenden Pflanzen zu verbringen? Und was sagen eigentlich die Bienen dazu?

Es gab bisher 3 Weltraummissionen, in denen Bienen ins All gesendet wurden. Die erste von ihnen war 1982. Bei dieser ersten Mission wurden 14 einzelne Bienen in die Erdumlaufbahn verbracht, um dort zu erforschen, wie die Schwerelosigkeit ihre Flugfähigkeit und ihr Verhalten beeinflusst. Solche Experimente wurden bereits vorher schon mit anderen Insekten getestet. Das Ergebnis: Die Insekten gaben nach ein paar unkontrollierten Flügen durch die Schwerelosigkeit ihre Flugversuche vollends auf und bewegten sich fortan nur noch krabbelnd durch ihre Behausungen. Bei den sehr intelligenten Bienen erhoffte man sich ein anderes Ergebnis. Leider waren die 14 einzelnen Bienen, losgelöst von ihrer natürlichen Lebensweise als Bienenvolk, nicht wirklich überlebensfähig und das Experiment brachte keine neuen Ergebnisse.

Daraufhin wurden 1984 mit der Challenger zwei neue Bienenexperimente in die Raumstation verbracht. Hierbei wurden nun zwei spezielle weltraumtaugliche Bienenkästen (bee enclosure modules, kurz BEM) inklusive Wabenwerk und mit jeweils 3400 ansitzenden Bienen (inklusive einer Bienenkönigin) in das All geschickt. Diese waren dann auch tatsächlich überlebensfähige Minibienenvölker. Die geplanten Experimente konnten also nun mit richtigen Bienenvölkern durchgeführt werden. Neben dem Flugverhalten in der Schwerelosigkeit wollte man hier auch das Wabenbauverhalten in der Schwerelosigkeit studieren.

„BEM“ (bee enclosure module) auf der ISS.
Foto: NASA

Auch diese Bienen machten zunächst nur sehr unkontrollierte Flüge in der Schwerelosigkeit und stießen anfangs ständig unsanft an die Wände ihrer Bienenraumfahrtmodule. Da Honigbienen jedoch äußerst lernfähig sind, entwickelten sie schnell neue Strategien zur Fortbewegung in der neuen Umgebung. Bereits nach sieben Tagen waren die Bienen in der Lage auch in der Schwerelosigkeit ohne Probleme zu Fliegen. Damit unterscheiden sie sich von allen anderen Insekten, die in der Schwerelosigkeit getestet wurden. Die Bienenkönigin legte auch im Weltall ganz normal Eier in die Wabenzellen. Was noch erstaunlicher ist: Die Bienen waren sogar in der Lage ihr Wabenwerk trotz fehlender Schwerkraft ohne Probleme zu errichten. Dies ist ein ganz besonders verblüffendes Ergebnis, da die gängige Lehrmeinung hierzu lautet, dass die Bienen die Ausrichtung ihres Wabenbaus an der Schwerkraft orientieren. Auf der Erde hängen die Waben immer senkrecht im Lot. Auch in der Schwerelosigkeit wurden alle Waben in eine einheitliche Richtung nach „unten“ erbaut.

Astronaut beobachtet die Bienen in der Schwerelosigkeit.
Foto: NASA

Insgesamt zeigen diese Forschungen, dass die Bienen noch viel mehr Geheimnisse in sich tragen, als wir bisher glaubten, und dass sie eine außerordentlich starke Anpassungsfähigkeit besitzen.

Ich frage mich, was die Astronauten von diesen Experimenten hielten. Ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, auf engstem Raum mit 6800 Bienen in einer isolierten Kapsel durch das All zu schweben, nicht für alle Menschen angenehm ist. Aber ich bin mir sicher, dass NASA hier alles daran gesetzt hat, ausbruchsichere Weltraumbienenkästen zu entwickeln. Immerhin war dies das bisher teuerste Bienenexperiment der Geschichte.

Wer jetzt im Kopf nachgerechnet hat, wird sagen: „das waren aber nur 6814 Bienen. Da fehlt doch noch eine.“ und liegt damit genau richtig. Die letzte Biene war eine Einzelkämpferin und wurde erst kürzlich ins All geschickt. Es handelt sich bei ihr aber nicht um eine versehentlich beim Start mit in der Raumkapsel sitzende unfreiwillige Passagierin, sondern um ein Kunstprojekt der Bundeskunsthalle Deutschlands. Auf dem Dach der Kunsthalle leben Bienen. Für eine Sonderausstellung mit dem Namen „Outerspace“ wurde eine dieser Bienen in Kunstharz eingeschlossen und zusammen mit dem Astronauten Alexander Gerst am 28. Mai 2014 ins All geschossen. Nachdem diese zum Kunstobjekt degradierte Biene ihren Ausflug ins All abgeschlossen hatte, wurde sie wieder zurück auf die Erde gebracht und konnte seitdem in der Ausstellung bewundert werden. Man könnte also sagen, sie ist die berühmteste der Weltraumbienen, wobei sie im Gegensatz zu den anderen 6814 Bienen nicht einmal lebend dort war.

Produzierten die Bienen auch kosmischen Honig?

Die Weltraumbienen hatten natürlich keine Möglichkeit auf der Raumstation Blütennektar zu sammeln und Weltraumhonig zu produzieren, sie wurden mit Zuckerlösung gefüttert. Eine interessante Anekdote gibt es jedoch aus der Folge „The Sting“ Episode 12, Season 4 der Zeichentrickserie „Futurama“ zu berichten. In dieser fiktiven Geschichte soll die Crew des Weltraumkuriers Planet Express Weltraumhonig (Space Honey) von gigantischen im All lebenden Bienen sammeln. Dieser Honig hat, wie für einen so außergewöhnlichen Honig angemessen, ganz besondere Eigenschaften: 1 Löffel wirkt beruhigend, 2 Löffel bewirken einen tiefen Schlaf. Vor dem Konsum von mehr als 2 Löffeln wird jedoch gewarnt. 3 Löffel sollen einen Schlaf induzieren, der so tief ist, dass man nie wieder davon erwacht. Es handelt sich hierbei also eindeutig um einen psychoaktiven Honig. Passenderweise dreht sich der ganze Plot um Erlebnisse, die die Protagonisten Leela in einem durch die Weltraumbienen induzierten Delirium erlebt. Das ganze mag zwar eine rein fiktive Geschichte sein, in Sachen coole psychoaktive Honigsorten macht ein berauschender Weltraumhonig jedoch ganz klar den vordersten Platz.

Astrobees: Die autonomen Bienenroboter auf der ISS

Astronautin Anne McLain mit dem Astrobee Roboter „Bumble“ auf der ISS. Foto: NASA

Ganz futuristisch und nicht weniger spannend geht es auch in unserer realen Welt weiter: Unter dem Namen Astrobees agieren seit einiger Zeit 3 autonome, intelligente, fliegende Roboter auf der ISS. Diese eckigen Würfel sollen die Astronauten bei ihren täglichen Aufgaben unterstützen. Ihren Namen verdanken sie dem summenden Geräusch, welches sie erzeugen, wenn sie durch die Schwerelosigkeit schweben. Damit es in den engen Platzverhältnissen nicht zu Kollisionen zwischen Mensch und Maschine kommt, sind die kleinen Roboter mit Blinklichtern ausgestattet, die beim Flug ihre Destination anzeigen. Da intelligente, summende Weltraumbienenroboter, die selbständig durch die Raumstation fliegen scheinbar nicht nur für mich etwas spooky klingen, wurden die Modelle später mit einem animierten Augenpaar ausgestattet, welches auf dem Display an der Front angezeigt wird. Hier wird nun comichaft eine Mimik simuliert, die die Situation zwischen Mensch und Roboter auflockern soll. Da eine weitere Aufgabe dieser kleinen Roboter die Erforschung der Interaktionen von Mensch und Roboter im All ist, ist dies ein passendes Feature. Die drei kleinen Kästen sehen zwar aus wie fliegende Baustellenradios, es handelt sich aber um hochmoderne, super teure Geräte, die auch direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Sie hören übrigens auf die Namen Bumble, Honey und Queen. Nachdem zunächst die Dockingstation, welche die Roboter selbständig zu Ladezwecken anfliegen, auf die Raumstation verbracht und dort installiert wurde, erreichten am 17. April 2019 die beiden ersten Roboter Bumble & Honey ihren Einsatzort. Am 25. Juli 2019 folgte mit einer weiteren Cargomission der dritte Roboter, der auf den Namen Queen hört.

Diese drei futuristischen Weltraumroboter stehen nun auch der freien Forschung zur Verfügung. Für das nötige Kleingeld kann nun jeder einen Forschungsslot direkt bei NASA buchen und seine eigenen Forschungen mit den Weltraumbienenrobotern auf der ISS durchführen. Die Zukunft ist jetzt. Ich finde es großartig, dass die ersten autonomen Weltraumroboter, die den Modellen aus Science-Fiction-Filmen in nichts nachstehen nach den Bienen benannt sind.

Baustellenradio oder hochmoderner Roboter? Die drei Astrobees Queen, Honey und Bumble (v. l.)
Foto: NASA

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Alle Bilder aus dem Bildarchiv von NASA, http://www.nasa.gov

Mit den ersten warmen Frühlingstagen kommen sofort die Gedanken an die schönen Dinge der warmen Jahreszeiten in einem auf: Sommersonne, Strand und Spaß im Freien. Was bei so einem Wetter natürlich nicht fehlen darf, ist ein kühles Eis. Besonders beliebt ist hier das klassische Sahneeis in der Eiswaffel. Ein süßes und leckeres Vergnügen für Groß und Klein. Worüber sich jedoch kaum einer einen Gedanken macht, ist die lange Kette an Produktionsschritten, die diesem fertigen Sommerspaß vorhergehen. Und den Anfang machen dabei nicht etwa die Kühe, die die Milch für die Sahneherstellung geben, es sind die Bienen. Sie sichern die Bestäubung der Pflanzen, die den Kühen als Nahrungsquelle dienen und so allen Milchprodukten zugrunde liegen. Und hier haben die Bienen teilweise einen ganz schön miesen Job. Die blühenden Wiesen mit summenden Bienen in strahlendem Sonnenschein mögen zwar ein romantisches Bild abgeben, im Verborgenen spielen sich hier aber ganz schön spannende Vorgänge ab. Und die Bienen haben dabei nicht immer zu Lachen.

Eine der wichtigsten Pflanzen in der Ernährung der Milchkühe ist die Luzerne (Medicago sativa auch Alfalfa genannt). Diese eiweißreiche Pflanze ist die Grundlage für fast alle Futtermittel für den Milchviehbetrieb. Die Inhaltsstoffe der Pflanze sorgen für eine vermehrte Milchbildung und verbessern so den Milchertrag. Die Kühe lieben diese Pflanze sowohl direkt von der Weide als auch verarbeitet im Futter. Auch die Bienen freuen sich über die vielen lilafarbenen Blüten, die auf den Alfalfafeldern ihren Nektar bereithalten.

Honigbiene an einer Alfalfablüte

Was genau ist nun aber das Problem an der ganzen Sache? Die Blüten der Luzerne haben eine ganz besondere Eigenschaft: Um die Vermehrung zu sichern, verlassen sie sich nicht auf das zufällige Hängenbleiben von Pollen im Borstenkleid der Bienen. Diese Blüten stellen sicher, dass jede Biene, die von dem kostbaren Nektar nascht auch eine große Ladung an Pollen zur nächsten Blüte trägt. Hierfür hat die Pflanze einen Mechanismus entwickelt, der eine geballte Ladung Pollen mit großem Schwung an den Kopf der Bienen schleudert. Die Bienen bekommen regelrecht von der Blüte einen Schlag ins Gesicht.

Die Landung von bestäubenden Insekten auf dem Schiffchen der Blüte lässt die Staubblätter hervorschnellen, die normalerweise unter den Flügeln der Blüte versteckt sind. Diese klappen mit großem Schwung nach unten und stempeln den Bestäubern eine erhebliche Ladung an Pollen auf den Kopf. Danach klappen sie wieder zurück in ihre normale Position, wo die empfindlichen Pollen gut geschützt auf ein nächstes Opfer warten.

Die Honigbienen sind von diesem Spektakel nicht sonderlich begeistert. Sie lernen sehr schnell, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, um hier an den Nektar zu gelangen. Nach einigen schmerzhaften Lernerfahrungen sammeln sie den Nektar seitlich vom Blüteninneren und vermeiden so die Auslösung des Mechanismus. Für die Blüten bleibt hier jedoch eine erfolgreiche Bestäubung aus. Dies hat zur Folge, dass lediglich 1 % der Blüten durch Bienen bestäubt werden.

Verschiedene Hummel Arten scheinen mit diesem Spektakel weniger Probleme zu haben. Sie sind die Hauptbestäuber der Luzerne und lassen sich von dem Schlag n den Kopf nicht beeindrucken. Auch solitär lebende Blattschneiderbienen (Megachile rotundata) sind effektive Bestäuber. Diese Bienenart ist die weltweit am meisten aktiv in der Landwirtschaft genutzte Solitärbienenart. Zur Sicherung einer erfolgreichen Bestäubung der großen Alflalfaanbauflächen werden daher bewusst Gegenden gewählt, in denen eine große Zahl an wild lebenden Hummel Arten vorkommt oder es werden künstlich eine große Menge an Blattschneiderbienen angesiedelt.

Denkt bei eurem nächsten Eisgenuss also ruhig einmal daran, wie viele Bienen hierfür einen Schlag ins Gesicht einstecken mussten.

Text: Fabian Kalis

Bild: Ivar Leidus, CC-BY-SA 4.0, <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de>, via Wikimedia Commons, es wurden keine Änderungen an dem Bild vorgenommen.

In der aktuellen Ausgabe (02/2021 März-April) des Magazins thcene, einer Zeitschrift der Hanfszene, ist ein 6 seitiges Interview mit mir erschienen. Kevin Johann interviewte mich über mein Buch, meine Arbeit als Imker und die Bienen. Das Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu erwerben. Es gibt auch eine Onlineausgabe. Mein Interview beginnt auf Seite 80. High on Honey lautet der Titel des Artikels. Den inhaltlichen Teil des Interviews finde ich gelungen, viele interessante Fragen wurden gestellt und von mir beantwortet und ich freue mich, über zahlreiche Leser.

Wovon ich mich jedoch an dieser Stelle ganz klar distanzieren möchte sind die Bilder, die dem Interview beigefügt sind. Hier wurde als Bildnachweis Fabian Kalis und Vanessa Michels angegeben. Keines der genutzten Bilder stammt aber von mir oder Vanessa Michels. Ganz besonders ärgert mich das Bild auf Seite 84, welches eine Art der Imkerei zeigt, die grundsätzlich im Gegensatz steht, zu allem wofür ich mit meiner Imkerei stehe. In der Art und Weise, wie dieses Bild aufgeführt ist (in Verbindung mit dem falschen Bildnachweis) vermittelt es dem Leser den Eindruck, es würde mich bei meiner Arbeit zeigen. Das ist jedoch nicht korrekt. Dieses Bild stammt nicht von mir oder in irgendeiner Form aus meiner Imkerei, es zeigt weder mich noch irgendetwas was mit meiner Imkerei zu tun hat und die Art und Weise, wie in diesem Bild geimkert wird lehne ich ausdrücklich ab. 

Schade, das der Verlag nicht die Bilder genutzt hat, die ich zur Verfügung gestellt habe. Diese hätten meine Arbeit in einem korrekten Bild gezeigt. Auch eine kurze Rücksprache vor Veröffentlichung hätte diesen Fehler vermeiden können.

Innerhalb des Tribus der Melliponini gibt es in der Gattung Triguna drei Arten von stachellosen, staatenbildenden Bienen, die eine für Bienen ganz besondere Nahrungsquelle für sich entdeckt haben. Es sind die Arten Trigona necrophaga, T. crassipes und T. hypogea. Der Artenname necrophaga setzt sich aus den griechischen Wörtern „nekros“ (Tod) und „phagein“ (essen). Diese Bienen sammeln zwar wie alle anderen Bienenarten auch Pflanzennektare, um daraus einen Honig zu produzieren, ihren Eiweißbedarf decken Sie aber nicht durch das Eintragen von Pollen. Diese Bienen sammeln hierfür die verwesenden Fleischüberreste toter Tiere. Es sind Aaßfresser. Diese speziellen Arten kommen ausschließlich in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik vor.

Die Bienen dringen meist über die Augen in die Kadaver ein und sammeln dann im Inneren das für sie beste Fleisch ab. Dieses wird zunächst eingespeichelt, sodass die körpereigenen Enzyme, das Fleisch vorverdauen, bevor es dann abgenagt, zerkaut und zerkleinert und in dem speziellen Honigmagen, den alle Bienen besitzen, und der normalerweise zum Transport von großen Nektarmengen genutzt wird, aufbewahrt und ins heimische Bienennest verbracht wird. Dort wird der fleischige Brei, der mittlerweile mit körpereigenen Enzymen der sammelnden Biene und Spuren von süßen Pflanzennektaren, die sich immer auch in den Honigmägen befinden, angereichert wurde, an die Arbeiter im Bienenvolk weitergegeben. Genau wie bei dem eingetragenen Nektar wird dieser Fleischbrei nun von Biene zu Biene gereicht und dabei immer mehr eingedickt und mehr und mehr mit Enzymen angereichert. Aus Nektar wird in diesem Prozess langsam der Honig. Der Fleischbrei wird so zusammen mit den geringen Mengen an Nektar aus den Honigmägen zu einem honigartigen zucker- und stark eiweißhaltiger Brei. Gleich dem fertigen Honig, wird dieser Fleischhonigbrei nun in Vorratsbehältern aus Wachs eingelagert. Man könnte sagen, es entsteht hier ein Honig, der zu großen Teilen aus vermottetem Fleisch besteht. Dieser spezielle Brei ist die Nahrung für den Bienennachwuchs. Die Larven brauchen die stark eiweißreiche Kost, um schnell heranzuwachsen und genug Reserven für ihre Metamorphose zu adulten Bienen anzulegen.

Verschiedene Insekten fressen an einem toten Tier.

Der fertige Fleischhonig hat eine dunkel grau-braune Farbe und einen säuerlichen Geschmack mit einer leichten Süße. Einige native Einwohner neotropischen Regionen, in denen diese Bienen leben, nutzen diesen speziellen Fleischhonig ebenfalls zu Nahrungszwecken. Er enthält weitaus weniger Zucker, als herkömmlicher Honig, der hohe Gehalt an tierischem Eiweiß macht ihn aber dennoch zu einer wertvollen Nahrungsquelle.

Dieser Honig ist wahrlich eine Kuriosität unter den besonderen Honigsorten. Zu gerne würde ich eine Kostprobe verköstigen. Leider bliebe mir dieses Vergnügen bisher verwehrt. In Bezug auf den ohnehin schwierigen rechtlichen Status von Honig uns artfremder Arten (siehe hierzu meinen Artikel Honig Diskriminierung) stellt dieser Honig eine besondere Schwierigkeit dar.

Die Nester der Gattung Trigona befinden sich meist in hohlen Baumstämmen oder kleinen Erdhöhlen. Sie bauen ihr Nester aus Bienenwachs, Propolis und Pflanzenharzen. Der Honig und Fleischbrei wird in großen eiförmigen Wachstöpfen gelagert, um die herum die kleinen Brutwaben angeordnet sind. Dabei werden reiner Honig aus Pflanzennektaren und Honigtau und der spezielle Fleischbreihonig nicht unbedingt getrennt voneinander aufbewahrt. Es entstehen daher oftmals Mischungen dieser beiden.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Luis Fernández García, CC BY-SA 2.5 ES <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/es/deed.en>, via Wikimedia Commons

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