Kategorie: Von Menschen, Bienen & Honig

Biene beim Pollensammeln an einer Kirschblüte

Im zeitigen Frühjahr, wenn Hasel, Weide & Co ihre Blütenkätzchen in den Wind hängen, beginnt für die Bienen ein neues Bienenjahr. Bei den ersten Ausflügen sammeln die fleißigen Insekten vor Allem Pollen von den verschiedenen Blüten. So kann man um diese Zeit viele Bienen entdecken, die mit bunt gefüllten Pollenhöschen unterwegs sind. Zum Sammeln der Blütenpollen vermengt die Biene die winzigen Körnchen mit etwas Nektar und formt so einen klebrigen Pollenteig. Ein gang besonderes Spektakel ist es zuzusehen, wie die schwer beladenen Bienen in die Zielgerade zum Flugloch einfliegen. Die schwere Pollenlast macht die leichten Tiere nämlich sehr schwerfällig und ungelenk in ihren Flugmanövern. So kommt es häufig vor, dass die Bienen etwas abseits des anvisierten Flugzieles im Gras landen. Dies ist aber gar nicht schlimm. So wird der restliche Weg zum trauten Bienenheim eben zu Fuß zurückgelegt. Dort angekommen wird die wertvolle Fracht von den Bienen mit Enzymen vermengt und in die Wabenzellen eingelagert. Dort fermentiert der Pollenbrei. Hierbei verfärbt sich der Pollen, der übrigens keinesfalls nur Gelb ist, denn Pollen gibt es in allen erdenklichen Farben, zu einem dunklen Braunton. So entsteht das sogennante Bienenbrot, welches auch Perga genannt wird. Sowohl der gesammelte Blütenpollen als auch das Perga kann der Imker ernten. Aber wofür brauchen die Bienen eigentlich Pollen? Und welche wohltuenden Eigenschaften stecken in diesem Bienenprodukt, die auch uns Menschen gut tun?

Mit Pollen bestäubte Biene beim Sammlen von Pollen in einer Blüte

Für die Bienen ist der eiweishaltige Pollen sozusagen die Säuglingsnahrung. Die Bienenlarven werden von den Ammenbienen mit dem fermentierten Pollenbrei gefüttert, damit diese schnell groß und stark werden und ihre Energiereservern für die Metarmorphose aufbauen. Neben den bis zu 40 % Proteinen enthalten Blütenpollen etwa 40 % Kohlenhydrate. Daneben sind Fettsäuren, Spurenelemente wie etwa Jod, Phosphor, Kalium, Kupfer, Eisen, Magnesium, Kalzium, Silicium, Schwefel, Titan, Zink, Selen und Chlor enthalten. Auch enthalten die Pollen bis zu 5 % Vitamine. Darunter vor Allem Vitamine aus dem B-Komplex ( B1, B2, B5, B6, B12) sowie Nicotinsäure (auch bekannt als Vitamin B3) und Carotinoide (werden im Körper zu Vitamin A umgewandelt). Zudem sind Blütenpollen reich an Aminosäuren, Antioxidantien und Enzymen. Es handelt sich hierbei also um wahre Kraftpakete für Biene und Mensch. Die genaue Zusammensetzung der Inhaltsstoffe variiert natürlich je nach Pflanzenherkunft der Pollen.

Biene mit gräulichen Pollenhöschen

Geerntet wird der Pollen vom Imker mit Pollenfallen. Diese Vorrichtungen werden vor das Flugloch der Bienen angebaut. Das Prinzip ist ziemlich einfach. Die Pollenfallen enthalten ein Platte mit vielen Löchern drin, die gerade so groß sind, dass die Bienen hindurch passen. Die dicken Pollenhöschen jedoch werden den Bienen beim Hindurchschlüpfen abgestrichen und Fallen in eine Auffangschale. Der so gesammelte Pollen ist noch sehr feucht und muss nun innerhalb eines Tages getrocknet werden, da er sonst vergammeln würde. Dies geschieht schonend bei niedrigen Temperaturen in Dörrapparaten. Anschließend ist der Pollen ohne weitere Behandlung lange Zeit lagerfähig. Bei der Pollenernte ist zu bedenken, dass es sich bei dem Pollen um die dringend benötigte Babaynahrung der Bienen handelt. Pollenfallen sollten daher immer nur wenige Tage an einem Bienenvolk verbleiben, damit diese schnell wieder genug Möglichkeiten haben, ihren eigenen Pollenvorrat für die Bienenbrut aufrecht zu erhalten.

getrocknete Blütenpollen im Glas

Wir Menschen können Pollen als Proteinreiche Kraftpakete in unseren Speiseplan integrieren. Viele leckere Rezepte lassen die kleinen bunten Körner zu einem kulinarischen Hochgenuss erblühen. Eingerührt in einen Joghurt, mit Quark auf einer Scheibe Brot oder im Müsli. Probier doch einfach mal einen leckeren Obstsmoothie, der mit einem Teelöffel voll Blütenpollen verfeinert ist. Blütenpollen sorgt für ein besonderes Geschmackserlebnis. Auch gesundheitlich können wir von den Kraftpaketen profitieren. Die reiche Quelle an Vitaminen, Spurenelementen, Enzymen, Aminosäuren und Proteinen unterstützt den Körper in einer gesunden Lebensweise und versorgt uns mit nachhaltiger Energie.

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Bei den Frühlingshaften Temperaturen haben sich auch die Bienen erstmals in diesem Jahr ins Freie getraut. Für mich ist dieser erste Bienenflug im Jahr immer ein ganz besonderer Moment. Es ist ein willkommen heißen des Frühlings. Ein Wiedererwachen der Natur. Wenn die Bienen im langen Winter still und unbemerkt in ihren Bienenkästen Winterruhe halten, ist für den Imker eine Zeit der Ungewissheit zu bestehen. Auch wenn man weiß, dass die Bienenvölker gut und gesund eingewintert wurden, hofft und bangt man dennoch immer insgeheim, dass alle Völker den Winter überstehen und im Frühjahr zu neuem Leben erwachen. Während des Winters sollen die Bienen ungestört in ihrer Wintertraube verharren, so dass man als Imker erst im Frühjahr mit Gewissheit sagen kann, ob ein Volk den langen Winter überstanden hat. Umso mehr ist es dann eine enorme Freude an dem ersten sonnigen Tag des Jahres den Bienenflug zu beobachten. Fit und fleißig, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, legen die Bienen los und fangen an Pollen und Nektar zu sammeln. Fast könnte man bei dem Anblick vergessen, dass vor ein paar Tagen noch kältester Winter die Natur im tiefen Schlafe bedeckte. Um diesenoch frühe Jahreszeit freuen sich die fliegenden Insekten über Krokusse, Schneeglöckchen und Haselblüten.

Reges Bienentreiben am Flugloch

Amor und seine Liebespfeile sind wohl vielen ein Begriff. Der römische Gott, der mit seinem Bogen Pfeile entsendet und so die Liebe entfacht ist eine weitbekannte Götterpersönlichkeit. Keineswegs ist diese Götterfigur jedoch ein Unikat des römischen Pantheons. In der griechischen Mythologie ist es Eros, dem eine ähnliche Stellung zu kommt und auch in der Götterwelt der Hindu findet sich ein Equivalent. Dort unter dem Namen Kamadeva. Die Vorstellung eines mit Bogen bewaffneten Gottes als Auslöser von Liebesgefühlen findet sich in vielen Kulturen. Aber was hat das ganze nun mit Bienen zu tun?

Dazu schauen wir uns Kamadeva eimal genauer an.

Kamadeva18thcenturyengraving

Dieses Bild aus dem 18ten Jahrhundert zeigt den Liebesgott so, wie er gemeinhin beschrieben wird. Reitend auf einem riesigen Papagei ist er bereit dafür in die Lüfte zu steigen, um auf die Jagd nach seinen „Opfern“ zu gehen. Seinen Bogen hält er dabei schussbereit. Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir, dass die Bogensehne aus geflügelten Tierchen besteht. In der Mythologie wird Kamadevas Bogen wie folgt beschrieben: Der Bogen selbst besteht aus Zuckerrohr, die Bogensehne besteht aus summenden Bienen, die Pfeile, die er verschießt, aus fünf Frühlingsblüten.

Hier finden sich also die Bienen wieder. Doch warum besteht die Bogensehne aus Bienen, welche Bedeutung haben die Bienen in diesem Kontext und welche Symbolik steckt noch hinter der Erscheinung Kamadevas?

Als Gott, der die Liebe bringt, der Pfeile des Verlangens entsendet ist Kamadeva natürlich ein Symbol der Fruchtbarkeit. Auch die Bienen, welche unerlässlich sind für eine ausreichende Bestäubung und somit Vermehrung der Pflanzen gelten dadurch in vielen Kulturen schon lange Zeiten als Fruchtbarkeitssymbol. Ihre summenden Flügel stehen für das Kribbeln im Bauch, wenn man verliebt ist und als Tiere der Lüfte geben sie dem Pfeil die Kraft weite Strecken zu überwinden. Ihr schmerzhafter Stachel symbolisiert das plötzliche Erwachen von Lust und Liebe, welches uns überkommt, sobald wir von den Liebespfeilen getroffen sind. Die Blütenpfeile stellen hierbei das Gegenstück zu den Bienen dar. Wie in der Natur, in der die Blüten von den Bienen bestäubt werden, damit etwas neues entstehen kann, vereint Kamadevas Bogen diese beiden Aspekte der Fruchtbarkeit in sich, die dann in geballter Kraft auf die getroffenen Menschen oder auch Götter, denn niemand ist vor den Pfeilen des Kamadeva sicher, übergeht. Die Bienen und die Blüten sind dabei zwei Pole einer göttlichen Einheit. Und nur durch ihr Zusammentreffen entsteht etwas drittes, etwas neues, Die lebenschenkende Liebe. Der Bogen aus süßem Zuckerrohr steht symbolisch für die wohlige süße des Lebens, die Glücksgefühle, die Lebenslust und Energie, die mit dem Verliebtsein einhergeht.

Wir sehen also, dass die Bienen neben der landwirtschaftlichen Bestäubungsleistung in alten Kulturen noch eine ganz andere Rolle spielten und mit hoher Achtung und Respekt angesehen wurden. Sie fanden Einzug in Mythologie, Folklore und Geschichten. Und auch, wenn wir uns heute der ökologischen Bedeutung der Bienen mehr und mehr bewusst sind und ein Schutz der Honigbiene aus diesem Grund rational eine hohe Priorität hat, so fehlt uns dennoch dieser emotionale Zugang zu den Tieren, wie er in alten Kulturen Alltag war. Denn nur, wenn wir uns von Herzem mit etwas verbunden fühlen, werden wir auch bereit dafür sein, dieses zu bewahren. Diese kurze Exkursion möge ein erster Anstoß sein, die Bienen auch wieder in die immaterielle Welt unserer eigenen Kultur zu integrieren auf dass der Schutz der Honigbiene nicht mehr nur aus ökologischen Gesichtspunkten geschieht sondern aus dem Herzen heraus.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: commons.wikimedia.org / Bild ist gemeinfrei (Urheber seit über 100 Jahren verstorben)

Eine neue Kategorie für den Naturerlebnis Kalis Blog. Mit einem neuen Artikel jeden Monat. Eine Exkursion in die zauberhafte Welt der Bienen. Erfahrt spannendes über Bienen in den Kulturen der Menschen, Apitherapie (Das Heilen mit Bienenprodukten), imkerliche Kulte, Rituale, Praktiken & Traditionen sowie giftige und berauschende Honige.

Honigbienen sammeln Pollen an einer Löwenzahnblüte

Der erste Artikel erscheint hier am 11. Ferbuar 2019. Freut euch auf ein Kennenlernen indischer Bienengottheiten.