Autor: Fabian

In vielen Gärten, in Wäldern, in Hecken und Gebüschen tauchen im Frühling kleine Pflänzchen mit rosa- bis lilafarbenen Blüten auf, die in großer Anzahl etwas Farbe in die sonst noch farb- und laubkarge Frühlingswelt bringen. Nur 15 cm – 30 cm hoch und mit kleinen gefiederten Blättern zeigt hier eine typische Frühlingspflanze ihren kurzen Auftritt. Kaum sind die Blätter ausgetrieben, blüht das kleine Kraut und schon und ist bereits nach wenigen Wochen bestäubt, versamt und verschwindet genauso schnell und plötzlich wieder, wie es gekommen ist. In dieser frühen Blütezeit finden sich zahlreiche Insekten, wie etwa Honigbienen und verschiedene Hummel- und Wildbienenarten an den Blüten und bedienen sich am reichen Angebot der beliebten Blüten. Die Rede ist vom Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava). Mittlerweile ist der Lerchensporn eine beliebte Zierpflanze in naturnahen Gärten. Von vielen Gärtnern wird er jedoch als Rasenunkraut empfunden und schnellstmöglich übergemäht oder ausgegraben. Um den Bienen und anderen Insekten jedoch etwas Gutes zu tun, sollten die prachtvollen Blütenpflanzen jedoch auch in aufgeräumten Gärten ihren Platz finden dürfen. Ihr Wuchs uns ihre Blütezeit sind nur kurz und so früh im Jahr, dass man das erste Mähen auch auf das Ende der Blütezeit dieser Pflanzen schieben kann. Werden die kleinen Pflanzen direkt nach der Blüte abgemäht, erfolgt auch keine Versamung und eine weitere Verbreitung, die den „schönen“ Zierrasen zerstören könnte, ist nicht zu erwarten. Es gibt also kein Argument dagegen, diese nützlichen und schönen Pflanzen auch zumindest stellenweise in konventionellen Gärten wachsen zu lassen. Die Bienen und Hummeln und andere Insekten werden es danken.

Der Hohle Lerchensporn gehört zur Gattung der Lerchensporne (Corydalis), in der es rund 300 verschiedene Arten gibt, die vornehmlich auf der Nordhalbkugel in den gemäßigten Gebieten vorzufinden sind. Typisch ist bei allen Arten die Blütenform mit einem Sporn an dem Kronblatt. Dadurch weisen die Blüten eine gewisse Ähnlichkeit mit der Erscheinung der Haubenlerche (Galerida cristata) auf, was diesen Pflanzen ihren Namen gegeben hat.

Hohler Lerchensporn mit Blüten

Die Lerchensporne bilden nach der Blüte kleine Schoten, in denen schwarz glänzende Samen zu finden sind. Viele Arten bilden zudem unterirdische Knollen als Überwinterungsorgane. So kommt es, dass die Pflanzen im Frühjahr an den immer gleichen Stellen wieder wachsen.

Die Haubenlerche: Namensgeber für den Lerchensporn

Am meisten verbreitet ist in Deutschland der Hohle Lerchensporn, der auch Hohlknolliger Lerchensporn genannt wird. Sowohl der deutsche Name als auch der botanische Artenname cava (von lateinisch cavus = hohl) deuten auf die hohlen Knollen hin, die typisch für diese Art sind. Diese Pflanze wächst in Gruppen und bildet pro Pflanze bis zu 20 Blüten, die in einer Traube zusammenstehen. De Lerchensporn wächst gerne an schattigen Plätzen in Gärten, in Laubwäldern, in Gebüschen und mag lockeren, nährstoffreichen Lehmboden.

Der Hohle Lerchensporn gilt als schwach giftig. Teilweise wird in der Literatur zumindest für die unterirdischen Pflanzenteile aber sogar eine starke Giftigkeit angegeben. Inwieweit schwere Vergiftungen tatsächlich auftreten, ist fraglich. Zumindest für die oberirdischen Pflanzenteile finden sich aber keine Hinweise auf schwere Vergiftungsfälle. Hauptverantwortlich für eine potenzielle Giftwirkung sind die Wirkstoffe Corydalin, Bulbocapnin sowie Tetrahydropalmatin, ein Alkaloidgemisch, welches zum Blühbeginn in seiner höchsten Konzentration in der Pflanze zu finden ist. In der frischen Knolle kann der Alkaloidgehalt bis zu 2 % betragen. Neben diesen Alkaloiden finden sich noch eine Reihe anderer Wirkstoffe in geringer Konzentration, die für die Wirkung mit verantwortlich sind.

Blüte des Lerchensporn

Der Lerchensporn erzeugt bei Einnahme entsprechend großer Mengen eine katalepsieartige Bewegungsarmut bis hin zu einer vollständigen Aufhebung der willkürlichen und reflektorischen Bewegungen ohne dabei jedoch eine Muskelerstarrung zu verursachen. Hohe Dosierungen sollen zudem hypnotisch Wirken. Diese Wirkungen werden vor allem dem Alkaloid Bulbocapnin zugeschrieben. Weiterhin wirkt der Lerchensporn sedativ und tranquilierend, wofür vor allem der Wirkstoff Tetrahydropalmatin verantwortlich ist. Aufgrund dieser Wirkungen wurde der Lerchensporn früher als Heilpflanze verwendet. Obwohl unerwünschte Nebenwirkungen bei korrekter Dosierung nicht auftreten, wird in moderner Zeit von der Verwendung dieser Pflanze aufgrund möglicher Vergiftungen bei falschen Dosierungen abgeraten.

Blätter des Lerchensporn

Die hypnotsiche, beruhigende und sedierende Wirkung der Pflanze, war eine der Hauptanwendungen in er früheren Pflanzenheilkunde. Als es noch keine Anästhetika gab, verwendete man den Lerchensporn als Beruhigungsmittel während Operationen. Weiterhin galt die Wurzelknolle verschiedener Lerchensporne, die früher alle als Holwurz bezeichnet wurden, nach dem kräuterkundigen Tabernaemontanus als wundheilend und leberstärkend und als ein Mittel „wider alles Gift“. In Osteuropa werden die stärkehaltigen Wurzelknollen zudem als Nahrungsmittel genutzt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass eine entsprechend starke Giftwirkung, wie sie in der Literatur oft angeben wird, anzuzweifeln ist. Auch wurde die Pflanze früher bei Entzündungen der Schleimhäute und der Atemwege, sowie bei Rheuma und Gicht angewendet.

Text: Fabian Kalis

Bilder:

Pflanzenportrait: Dr. Erich W. Schreiner, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Haubenlerche: Artemy Voikhansky, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Laubblätter:  Kristian Peters, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

Blüte: Fritz Geller-Grimm, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons, unverändertes Bild

 

 

 

 

Immer mehr Menschen fangen an, die konventionelle Ideologie des ewigen Wachstums, der Profitmaximierung und der maximalen Ausbeutung sämtlicher Rohstoffe infrage zu stellen und erkennen den Sinn nachhaltiger Ansätze. Sie beginnen die Dinge in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise zu sehen und somit auch ökologische Zusammenhänge zu verstehen und mitzuberücksichtigen, wenn es um die eigenen Entscheidungen geht. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Unter Ihnen finden sich natürlich auch zahlreiche Bauern, Tierfarmer & Hobbytierhalter. Im Rahmen dieser Neuausrichtung des eigenen Blickwinkels besinnen sich viele Menschen wieder auf altes Wissen, auf alte Betriebsweisen, auf all die fast vergessenen Konzepte, die es den Menschen vor der Industrialisierung der Landwirtschaft ermöglichten, eine nachhaltige Bewirtschaftung der Natur zu gestalten.

Ein Aspekt dieser Rückbesinnung ist es, sich wieder mit Gemüse-, Obst- oder Futterpflanzen zu befassen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind, da sie in der Welt der intensivierten Monokulturen nicht mehr zukunftsfähig waren. Sie brauchen eine nachhaltige Anbaumethode und ein ökologisch ausgewogenes Umfeld, damit sie gedeihen. Etwas wofür in der modernen, konventionellen Landwirtschaft kein Platz ist. In einer Zeit, in der aber langsam ein Sinneswandel in vielen Köpfen vor sich geht und der Sinn und Vorteil nachhaltiger Anbaumethoden wieder einen vermehrten Anklang findet, werden auch die Vorteile der alten Sorten wiedererkannt. Viele dieser alten Sorten besitzen nämlich eine geballte Pflanzenpower, die in modernen Arten und Züchtungen ihres gleichen sucht. So enthalten manche der alten, fast vergessenen Nutzpflanzen eine deutlich höhere Nährstoffkonzentration, einen höheren Eiweiß- oder Zuckergehalt oder sogar heilende Wirkungen. Sie sind in der Regel robuster gegenüber Witterung und Schädlingen und benötigen daher keine Wachstumsverstärker, künstliche Düngemittel oder Herbizide, Fungizide, Pestizide und Neonicotinoide.

Eine dieser fast vergessenen Futterpflanzen ist die Esparsette. Die Esparsetten sind eine Gattung in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabacae), auch Leguminosen genannt. Viele Pflanzen innerhalb dieser Familie haben eine lange Geschichte der Nutzung als Futterpflanzen und auch moderne Züchtungen einiger weniger Arten machen auch heute noch einen Großteil des Viehfutters in der modernen konventionellen Landwirtschaft weltweit aus. Zu ihnen gehören unter anderem Alfalfa, Lupine, Klee und Sojabohnen. Die Esparsetten kennt heute jedoch kaum noch einer.

Bis zum Beginn der modernen Agrarindustrie war vor allem die Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia) eine beliebte Weide- und Futterpflanze. Sie wurde in Europa seit dem 16ten Jahrhundert großflächig angebaut und diente als nahrhafte und widerstandsfähige Weide- und Futterpflanze. Da sie sich jedoch schlecht in Monokulturen anbauen lässt und sie eine intensiv Nutzung und Überweidung schlecht verträgt, wurde sie in moderner Zeit durch andere Arten wie etwa Alfalfa verdrängt. Wie alle Leguminosen ist auch die Esparsette ein Bodenverbesserer. Leguminosen leben symbiotisch mit stickstoffbindenen Bakterien und sind so in der Lage Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und zu verarbeiten und so im späteren Verlauf dem Boden zuzuführen, wo er dann für andere Pflanzen verfügbar ist. Mit Wurzeln, die bis zu einer Tiefe von 4 Metern hinabreichen, ist die Esparsette ein Tiefwurzler. Der Wuchs dieser Pflanzen lockert somit den Boden bis in tiefe Schichten und wirkt so auf eine weitere Art und Weise Boden verbessernd.

Die Esparsette hat einen sehr hohen Gehalt an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders für die eiweißreiche Ernährung von Milchvieh ist sie daher eine geeignete Futter- und Weidepflanze. Aber auch Pferde fressen die nährstoffreichen Pflanzen gerne. Sie sollten jedoch nicht zu viel auf einmal aufnehmen, da ein zu viel an Proteinen sich negativ auf das Verdauungssystem der Pferde auswirken kann.

Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia)

Die Esparsette hat jedoch noch weitere Inhaltsstoffe, die sie in ihrer Wirkung von anderen Pflanzen aus der gleichen Familie unterscheidet: Die Esparsette enthält Tannine. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe. Diese Stoffe binden Wasser, wirken antiseptisch, entzündungshemmend, antiparasitär und blutstillend. Die Esparsette wirkt somit als Futterpflanze vorbeugend gegen Darmparasiten, Durchfallerkrankungen und Kotwasser. Diese Eigenschaft ist es, die die Esparsette wieder vermehrt in das Licht der modernen Futterpflanzen rücken lässt. Ein wieder weitläufiger Anbau auf den ohnehin häufig völlig überweideten Pferdeweiden ist zwar für diese alte Pflanze noch nicht in Sicht, im Pferdebedarfshandel findet man aber zunehmend auch Heucobs (aus getrocknetem Pflanzenmaterial gepresste Pellets) die aus dieser fast vergessenen Futterpflanze hergestellt werden. So haben auch Hobbytierhalter die Möglichkeit ihren Tieren diese Pflanze zur Verfügung zu stellen und die besondere Wirkung für ihre Tiere nutzbar zu machen.

Ihren Namen hat die Pflanze übrigens von dem französischen Wort Esparcet, was übersetzt Süßklee bedeutet und die nahe Verwandtschaft und Ähnlichkeit dieser beiden Pflanzengattungen zum Ausdruck bringt.

Doch nicht nur Pferdehalter und Milchbauern können sich an den positiven Wirkungen dieser alten Nutzpflanze erfreuen, auch die Bienen und andere Nektar sammelnde Insekten lieben die rosa-weiß blühenden Schmetterlingsblüten. Die Esparsette bietet eine große Menge an Nektar und Pollen und ist daher auch als Bienenweide für Imker und als Nahrungsquelle für Wildbienen und andere Insekten eine wichtige Pflanze.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Eric Steinert, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Die Gemmotherapie (von lat. gemma „Knospe“) ist ein Teilbereich der Phytotherapie (moderne, rationale Pflanzenheilkunde). Bei der Gemmotherapie werden phytotherapeutische Arzneien nach standardisierten Verfahren aus jungem, teilungsfähigem Pflanzengewebe (Knospen, jungen Sprossen und Trieben sowie den wachsenden Wurzelspitzen) hergestellt.

Die Knospen verschiedener Pflanzen

Die moderne Gemmotherapie geht zurück auf traditionelle volksheilkundliche Anwendungen, ist in ihrer modernen, rationalen Form jedoch eine recht junge Therapieform. Sie wurde zwar bereits um das Jahr 1950 von dem belgischen Arzt Pol Henry begründet, einen erwähnenswerten Anklang findet diese Therapieform jedoch erst seit einigen Jahren. Umfassende Erfahrungen und wissenschaftliche Publikationen zu dieser jungen Therapieform sind somit erst seit kurzer Zeit im Fokus der Medizin. Aus diesem Grund stehen genaue Forschungen zu den Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten noch aus.

Dennoch erfreut sich die Gemmotherapie seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich die Arzneien aus den verschiedenen Pflanzenknospen auch ohne große Mühe und schon mit einfachsten Mitteln selbst herstellen lassen. Die Gemmotherapie ist daher eine Therapieform, die sowohl bei Ärzten und Heilpraktikern als auch gleichermaßen in der volksheilkundlichen Selbstbehandlung ihren Anklang findet.

Die Grundidee der Gemmotherapie ist, dass die Knospen die vitalsten und somit auch heilkräftigsten Teile einer Heilpflanze sind. Bei der Gemmotherapie geht diese Lebenskraft der Knospen in die aus ihnen produzierten Arzneien über. Die in den Knospen vorhandenen Wirkstoffe und Wirkstoffkonzentrationen unterscheiden sich teilweise stark von den Wirkstoffen und Wirkstoffkonzentrationen in anderen Pflanzenteilen. Man geht davon aus, dass insbesondere die erhöhte Konzentration an Proteinen, das pflanzliche Embryonalgewebe (Stammzellen) und verschiedene Phytohormone, wovon letztere ausschließlich in den Knospen in nennenswerter Menge vorkommen, für die Heilwirkung der Knospen verantwortlich sind. Teilweise überschneiden sich hier rationale (auf Wirkstoffen beruhende) Erklärungsmodelle und eine ganzheitliche Ansicht, bei der auch energetische, spirituelle und alternative Aspekte für eine Wirkung beachtet werden.

Die Top 3 Pflanzen in der Gemmotherapie:

Hasel: Haselknospen werden zur Behandlung von Lungenleiden eingesetzt.

Weide: Weidenknospen sollen eine fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung haben.

Linde: Die Knospen der Linde werden wegen ihrer beruhigenden und angstlösenden Eigenschaften genutzt.

Zur Herstellung eigener Arzneien werde die Knospen im frischen Zustand gemörsert und ein ein lichtgeschütztes Gefäß gefüllt (Gefäß zu etwa 1/3 mit Knospen füllen). Anschließend wird mit einem Auszugsmittel aufgegossen. In der Gemmotherapie wird hier ein standardisiertes Lösungsmittel genutzt, welches zu gleichen Teilen aus Wasser, Alkohol und Glycerin besteht. Für den Hausgebrauch kann man aber auch hochprozentigen Schnaps (beispielsweise einen Rum mit 54 % vol. Alc.) nutzen. Den Ansatz lässt man nun etwa 3 Wochen lang ziehen. Anschließend kann der Extrakt genutzt werden.

In kürze gibt es HIER (Link folgt…) ein kurzes E-Book von mir zum Thema Gemmotherpie. In diesem Büchlein findet ihr eine umfassende Anleitung zum Herstellen eigener Arzneien sowie Bilder zur Bestimmung der verschiedenen Knospen und Kurzportraits der gängigsten in der Gemmotherapie verwendeten Knospen mit Angaben zu Wirkung & Indikationen.

Text: Fabian Kalis

Fotos: Vanessa Michels (http://www.vanessamichels.de)

Eigentlich ist es schon erstaunlich genug, dass die Bienen mit Ausnahme der Antarktis (und den Teilen Chinas, in denen sie erfolgreich ausgerottet wurden) die komplette Welt bevölkert haben. Egal wie warm oder kalt es ist, überall, wo es Blüten gibt, finden sich spezialisierte Bienenarten, die die lokale Bestäubung der Pflanzen sichern. Selbst in Gegenden in der eisigen Arktis und der lebensfeindlichen Sahara gibt es Bienen.

Ein Ort, wo man die Bienen aber mit Sicherheit ganz bestimmt nicht erwarten würde ist das Weltall. Und doch haben die kleinen Insekten es auch bis dorthin geschafft. Natürlich nicht allein, ihre Weltraumfahrten verdanken sie wissenshungrigen Menschen. Aber rein quantitativ sind uns die Bienen in Sachen Weltraumfahrt überlegen: 6815 von ihnen haben es ins All geschafft (oder eher gesagt in die Erdumlaufbahn). Damit waren bisher mehr Bienen im All als Menschen.

Doch welchen Grund gibt es, die fleißigen kleinen Bestäuber so fernab ihrer natürlichen Umwelt mit blühenden Pflanzen zu verbringen? Und was sagen eigentlich die Bienen dazu?

Es gab bisher 3 Weltraummissionen, in denen Bienen ins All gesendet wurden. Die erste von ihnen war 1982. Bei dieser ersten Mission wurden 14 einzelne Bienen in die Erdumlaufbahn verbracht, um dort zu erforschen, wie die Schwerelosigkeit ihre Flugfähigkeit und ihr Verhalten beeinflusst. Solche Experimente wurden bereits vorher schon mit anderen Insekten getestet. Das Ergebnis: Die Insekten gaben nach ein paar unkontrollierten Flügen durch die Schwerelosigkeit ihre Flugversuche vollends auf und bewegten sich fortan nur noch krabbelnd durch ihre Behausungen. Bei den sehr intelligenten Bienen erhoffte man sich ein anderes Ergebnis. Leider waren die 14 einzelnen Bienen, losgelöst von ihrer natürlichen Lebensweise als Bienenvolk, nicht wirklich überlebensfähig und das Experiment brachte keine neuen Ergebnisse.

Daraufhin wurden 1984 mit der Challenger zwei neue Bienenexperimente in die Raumstation verbracht. Hierbei wurden nun zwei spezielle weltraumtaugliche Bienenkästen (bee enclosure modules, kurz BEM) inklusive Wabenwerk und mit jeweils 3400 ansitzenden Bienen (inklusive einer Bienenkönigin) in das All geschickt. Diese waren dann auch tatsächlich überlebensfähige Minibienenvölker. Die geplanten Experimente konnten also nun mit richtigen Bienenvölkern durchgeführt werden. Neben dem Flugverhalten in der Schwerelosigkeit wollte man hier auch das Wabenbauverhalten in der Schwerelosigkeit studieren.

„BEM“ (bee enclosure module) auf der ISS.
Foto: NASA

Auch diese Bienen machten zunächst nur sehr unkontrollierte Flüge in der Schwerelosigkeit und stießen anfangs ständig unsanft an die Wände ihrer Bienenraumfahrtmodule. Da Honigbienen jedoch äußerst lernfähig sind, entwickelten sie schnell neue Strategien zur Fortbewegung in der neuen Umgebung. Bereits nach sieben Tagen waren die Bienen in der Lage auch in der Schwerelosigkeit ohne Probleme zu Fliegen. Damit unterscheiden sie sich von allen anderen Insekten, die in der Schwerelosigkeit getestet wurden. Die Bienenkönigin legte auch im Weltall ganz normal Eier in die Wabenzellen. Was noch erstaunlicher ist: Die Bienen waren sogar in der Lage ihr Wabenwerk trotz fehlender Schwerkraft ohne Probleme zu errichten. Dies ist ein ganz besonders verblüffendes Ergebnis, da die gängige Lehrmeinung hierzu lautet, dass die Bienen die Ausrichtung ihres Wabenbaus an der Schwerkraft orientieren. Auf der Erde hängen die Waben immer senkrecht im Lot. Auch in der Schwerelosigkeit wurden alle Waben in eine einheitliche Richtung nach „unten“ erbaut.

Astronaut beobachtet die Bienen in der Schwerelosigkeit.
Foto: NASA

Insgesamt zeigen diese Forschungen, dass die Bienen noch viel mehr Geheimnisse in sich tragen, als wir bisher glaubten, und dass sie eine außerordentlich starke Anpassungsfähigkeit besitzen.

Ich frage mich, was die Astronauten von diesen Experimenten hielten. Ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, auf engstem Raum mit 6800 Bienen in einer isolierten Kapsel durch das All zu schweben, nicht für alle Menschen angenehm ist. Aber ich bin mir sicher, dass NASA hier alles daran gesetzt hat, ausbruchsichere Weltraumbienenkästen zu entwickeln. Immerhin war dies das bisher teuerste Bienenexperiment der Geschichte.

Wer jetzt im Kopf nachgerechnet hat, wird sagen: „das waren aber nur 6814 Bienen. Da fehlt doch noch eine.“ und liegt damit genau richtig. Die letzte Biene war eine Einzelkämpferin und wurde erst kürzlich ins All geschickt. Es handelt sich bei ihr aber nicht um eine versehentlich beim Start mit in der Raumkapsel sitzende unfreiwillige Passagierin, sondern um ein Kunstprojekt der Bundeskunsthalle Deutschlands. Auf dem Dach der Kunsthalle leben Bienen. Für eine Sonderausstellung mit dem Namen „Outerspace“ wurde eine dieser Bienen in Kunstharz eingeschlossen und zusammen mit dem Astronauten Alexander Gerst am 28. Mai 2014 ins All geschossen. Nachdem diese zum Kunstobjekt degradierte Biene ihren Ausflug ins All abgeschlossen hatte, wurde sie wieder zurück auf die Erde gebracht und konnte seitdem in der Ausstellung bewundert werden. Man könnte also sagen, sie ist die berühmteste der Weltraumbienen, wobei sie im Gegensatz zu den anderen 6814 Bienen nicht einmal lebend dort war.

Produzierten die Bienen auch kosmischen Honig?

Die Weltraumbienen hatten natürlich keine Möglichkeit auf der Raumstation Blütennektar zu sammeln und Weltraumhonig zu produzieren, sie wurden mit Zuckerlösung gefüttert. Eine interessante Anekdote gibt es jedoch aus der Folge „The Sting“ Episode 12, Season 4 der Zeichentrickserie „Futurama“ zu berichten. In dieser fiktiven Geschichte soll die Crew des Weltraumkuriers Planet Express Weltraumhonig (Space Honey) von gigantischen im All lebenden Bienen sammeln. Dieser Honig hat, wie für einen so außergewöhnlichen Honig angemessen, ganz besondere Eigenschaften: 1 Löffel wirkt beruhigend, 2 Löffel bewirken einen tiefen Schlaf. Vor dem Konsum von mehr als 2 Löffeln wird jedoch gewarnt. 3 Löffel sollen einen Schlaf induzieren, der so tief ist, dass man nie wieder davon erwacht. Es handelt sich hierbei also eindeutig um einen psychoaktiven Honig. Passenderweise dreht sich der ganze Plot um Erlebnisse, die die Protagonisten Leela in einem durch die Weltraumbienen induzierten Delirium erlebt. Das ganze mag zwar eine rein fiktive Geschichte sein, in Sachen coole psychoaktive Honigsorten macht ein berauschender Weltraumhonig jedoch ganz klar den vordersten Platz.

Astrobees: Die autonomen Bienenroboter auf der ISS

Astronautin Anne McLain mit dem Astrobee Roboter „Bumble“ auf der ISS. Foto: NASA

Ganz futuristisch und nicht weniger spannend geht es auch in unserer realen Welt weiter: Unter dem Namen Astrobees agieren seit einiger Zeit 3 autonome, intelligente, fliegende Roboter auf der ISS. Diese eckigen Würfel sollen die Astronauten bei ihren täglichen Aufgaben unterstützen. Ihren Namen verdanken sie dem summenden Geräusch, welches sie erzeugen, wenn sie durch die Schwerelosigkeit schweben. Damit es in den engen Platzverhältnissen nicht zu Kollisionen zwischen Mensch und Maschine kommt, sind die kleinen Roboter mit Blinklichtern ausgestattet, die beim Flug ihre Destination anzeigen. Da intelligente, summende Weltraumbienenroboter, die selbständig durch die Raumstation fliegen scheinbar nicht nur für mich etwas spooky klingen, wurden die Modelle später mit einem animierten Augenpaar ausgestattet, welches auf dem Display an der Front angezeigt wird. Hier wird nun comichaft eine Mimik simuliert, die die Situation zwischen Mensch und Roboter auflockern soll. Da eine weitere Aufgabe dieser kleinen Roboter die Erforschung der Interaktionen von Mensch und Roboter im All ist, ist dies ein passendes Feature. Die drei kleinen Kästen sehen zwar aus wie fliegende Baustellenradios, es handelt sich aber um hochmoderne, super teure Geräte, die auch direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Sie hören übrigens auf die Namen Bumble, Honey und Queen. Nachdem zunächst die Dockingstation, welche die Roboter selbständig zu Ladezwecken anfliegen, auf die Raumstation verbracht und dort installiert wurde, erreichten am 17. April 2019 die beiden ersten Roboter Bumble & Honey ihren Einsatzort. Am 25. Juli 2019 folgte mit einer weiteren Cargomission der dritte Roboter, der auf den Namen Queen hört.

Diese drei futuristischen Weltraumroboter stehen nun auch der freien Forschung zur Verfügung. Für das nötige Kleingeld kann nun jeder einen Forschungsslot direkt bei NASA buchen und seine eigenen Forschungen mit den Weltraumbienenrobotern auf der ISS durchführen. Die Zukunft ist jetzt. Ich finde es großartig, dass die ersten autonomen Weltraumroboter, die den Modellen aus Science-Fiction-Filmen in nichts nachstehen nach den Bienen benannt sind.

Baustellenradio oder hochmoderner Roboter? Die drei Astrobees Queen, Honey und Bumble (v. l.)
Foto: NASA

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Alle Bilder aus dem Bildarchiv von NASA, http://www.nasa.gov

Mit dem Frühling sind auch die ersten wilden Leckereien in der Natur zu finden. Bereits an den ersten warmen Sonnentagen kann man in den Wäldern, in Gärten und an Wegesrändern eine schmackhafte Frühlingsnascherei entdecken. Die Rede ist von Kätzchen. Damit sind natürlich nicht die kuscheligen Vierbeiner gemeint, die als beliebtes Haustier in den Gärten herumschleichen. Es geht um die Blütenkätzchen verschiedener Bäume und Sträucher. Diese eiweißreichen Pollenspender sind oftmals nicht weniger flauschig als ihre tierischen Namenskollegen, können aber auch bedenkenlos von Veganern gegessen werden.

Auch Birkenkätzchen sind eine geballte Ladung an Frühlingskräften.

Besonders schmackhaft sind die gelben Haselkätzchen, die teilweise bereits im Januar oder Februar an den noch kahlen Haselsträuchern zu finden sind. Diese länglichen Würmchen lassen sich aufgrund der oft bodennahen Äste der Sträucher gut sammeln. Wichtig hierbei: Nie zu viele Kätzchen auf einmal sammeln. Auch unsere tierischen Mitbewohner erfreuen sich an den Kraftpaketen. Bienen sammeln hier den ersten Pollen des Jahres, Rehe und anderes Wild benötigen die energiereichen Blüten, um das karge Nahrungsangebot des Winters zu überstehen. Und auch Pferde, so man sie denn lässt, fressen die leicht süßlichen Vitaminspender ebenfalls sehr gerne. Und bei all dem Schmaus möchte der Haselstrauch schließlich auch noch genügend Pollen in den Wind abgeben, um eine ausreichende Bestäubung zu gewährleisten. Und wir freuen uns doch auch, wenn es im Herbst eine reiche Haselnussernte gibt.

Haselstrauch mit vielen Haselkätzchen im Frühling

Die Haselkätzchen können natürlich einfach pur direkt wie sie vom Strauch kommen gegessen werden, noch leckerer werden sie aber, wenn man sie nach folgendem Rezept zubereitet und anrichtet:

Süße Haselkätzchen Nascherei

Die Haselkätzchen in einer Pfanne in Gänseschmalz anbraten bis sie leicht gold-braun sind. Eine Scheibe Weißbrot ebenfalls in dem Fett knusprig toasten. Die fertigen Haselkätzchen auf das Toast geben und nach Belieben mit etwas Honig oder Apfelmus übergießen. Fertig ist eine leckere Süßspeise für Groß und Klein.

Die Haselkätzchen enthalten bis zu 20 % Eiweiß, bis zu 10 % Aminosäuren, viele unterschiedliche Vitamine und wichtige Spurenelemente. Sie sind ein wahres Kraftpaket in der Frühlingskur mit wilden Pflanzenleckerein. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn man auf den Pollen allergisch ist. In dem Fall sollte man auf den Genuss der sehr pollenhaltigen Kätzchen verzichten.

Auch die Blüten der Birken lassen sich wunderbar als Nahrung nutzen. Da sie aber meistens nur in den hohen Baumkronen zu finden sind, ist ihre Ernte weitaus schwieriger als bei den Haselkätzchen. Manchmal findet man jedoch junge Birken, die mit ihren Blüten noch nicht so hoch hinaus sind. Die Birkenkätzchen lassen sich genauso zubereiten wie die Haselkätzchen, sind aber etwa kräftiger im Geschmack. Hier eignet sich daher auch ein etwas herzhafteres Rezept:

Rührei mit Schinken und Birkenkätzchen

Etwas Schinken und eine Zwiebel würfeln und in Fett anbraten. Sobald die Zwiebeln glasig sind, werden die Birkenkätzchen mit dazugeben und kurz mit gebraten. Anschließend die nach belieben gewürzten, verquirlten Eier dazugeben und unter gelegentlichem Wenden solange braten, bis das Ei die gewünschte Konsistenz hat. Fertig ist eine deftige Speise, die einen mit einer geballten Ladung an Eiweißen, Fetten und Nährstoffen versorgt. Die Blütenkätzchen bringen dabei eine leichte Süße mit in den Mix, die hervorragend mit der salzigen und kräftigen Note der Speise harmoniert. Natürlich können hierfür auch die Haselkätzchen verwendet werden.

Text: Fabian Kalis

Bild: www.pixabay.com, Fabian Kalis

Auch wenn, dieser Ausruf der Überraschung wahrscheinlich zuletzt bei unseren Großeltern zeitgemäß wahr, so kennen auch heute noch viele seine Bedeutung. Man drückt mit diesem Spruch ein Erschrecken über ein unerwartetes Ereignis aus. Weit weniger bekannt ist allerdings die Herkunft dieser Redewendung. In ihr versteckt sich nämlich ein Hinweis auf alte Pflanzenzauber und Frühlingskräuter.

Löwenzahn und Gänseblümchen: typische Frühlingskräuter der Grünen Neune. Auch die Bienen frühen sich.

Die Grüne Neune, Neunkräutersegen, Neunkräuterzauber oder auch neunerlei Kräuter sind traditionelle Bezeichnungen für eine Zubereitung aus 9 verschiedenen Frühlingskräutern. Diese Mischung wurde in alten Tagen als Frühjahrskur genutzt, um den Mangel des Winters auszutreiben. In Zeiten in denen es noch keine Supermärkte mit ganzjährig aus aller Welt importierten Gemüsearten gab, war es schwierig, sich über den Winter mit ausreichend frischem Grün und somit den nötigen Vitaminen zu versorgen. Viele Menschen litten daher an Vitaminmangel, auch bekannt als Skorbut. Früher nannte man diese Krankheitserscheinung Scharbock und man stellte sich vor, dass ein bocksbeiniger Winterdämon hierfür verantwortlich war. Mit dem stark Vitamin-C-haltigen Scharbockskraut, welches mit als Erstes sein Grün in die Frühlingssonne streckt, konnte man diesen Wintergeist aus den Körpern vertreiben. Daher erinnert noch heute der Name dieses Krautes daran.

Neben dem Scharbockskraut gibt es natürlich noch zahlreiche andere Frühlingskräuter mit ähnlichen Eigenschaften. Welche genau davon zu der grünen Neune gehörten, unterscheidet sich je nach Region ein wenig. Das ergibt Sinn, bedenkt man, dass in unterschiedlichen Regionen ja auch unterschiedliche Pflanzen vermehrt vorkommen. Man benutzte, was man kannte und was häufig zu finden war.

Pflanzen, die aber fast überall in dem Neunkräutersegen zu finden waren sind Wegerich (Plantago spp.), Beifuß (Artemisia spp.) und die Brennnessel (Urtica spp.). Häufig findet man auch den Löwenzahn (Taraxum spp.), Gänseblümchen (Bellis perennis) sowie Vogelmiere (Stellaria media) in den Rezepten und Überlieferungen. Weiterhin kommen je nach Region noch die Grundelrebe (Glechoma spp.), Knoblauchrauke (Alliaria petoliata), Giersch (Aegopodium podragaria), Schafgarbe (Achillea millefolium), Bärlauch (Allium ursinum), Kamille (Matricaria chamomilla) oder auch das oben genannte Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) mit dazu. Alle diese Kräuter haben gemeinsam, dass sie eine große Menge an Vitaminen enthalten (hauptsächlich Vitamin C) und bereits im zeitigen Frühling ihre zarten Blätter aus der teilweise noch schneebedeckten Wintererde treiben. Einige von Ihnen wirken zudem blutreinigend und blutbildend (Löwenzahn, Brennnessel) andere wirken antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend und sind somit gut gegen die typischen Erkältungskrankheiten des Winters (Knoblauchrauke, Bärlauch, Kamille). Ebenfalls finden sich in diesen Frühlingskräutern viele wichtige Spurenelemente, Eiweiße und andere Nährstoffe, die die Müdigkeit austreiben und die Frühlingskräfte in einem wecken.

Diese Kräuter wurden in der Regel frisch und roh gegessen. Gelegentlich kochte man auch eine Kräutersuppe aus ihnen. Auch als Heilkräutertee fanden sie ihre traditionelle Anwendung in einigen Gegenden. Aus einer modernen Betrachtungsweise macht jedoch die rohe Verwendung am meisten Sinn, da beim Erhitzen viele der Vitamine zerstört werden.

Den Ursprung dieser besonderen neunerlei Kräuter findet man in der Lacnunga, einer Sammlung altenglischer Kräuterheilmethoden aus dem 9. bis 10. Jahrhundert. Hier findet sich der Nine Worts Galdor (Nine Herbs Charm, Neun Kräuter Zauberspruch), in dem die Zubereitung und Wirkung von neun magischen Kräutern beschrieben wird. Diese Dichtung gliedert sich in drei Teile, wobei zunächst die Pflanzen beschwört werden. Hierbei werden die Pflanzen nach und nach angesprochen und es wird begründet, warum gerade diese Pflanze eine so besondere Wirkung hat. Der zweite Teil ist der Zauberspruch, ohne den sich die heilenden Wirkungen der Kräuter nicht entfalten können und im letzten Teil wird ein genaues Rezept zur Herstellung einer wirksamen Medizin aus den neun Kräutern genannt. Bei einigen der in diesem Text genannten Pflanzenangaben ist man sich jedoch nicht sicher, um welche Pflanzen es sich botanisch handelt. Zweifelsfrei wurden jedoch der Wegerich (im Text: wegbrade), Beifuß (im Text: mucgwyrt) und Brennnessel (im Text: stiðe) identifiziert.

Hier ein Auszug aus dem Originaltext des Nine Worts Galdor mit deutscher Übersetzung:

Ond þu, wegbrade, wyrta modor,
eastan openo, innan mihtigu;
ofer ðe crætu curran, ofer ðe cwene reodan,
ofer ðe bryde bryodedon, ofer þe fearras fnærdon.
Eallum þu þon wiðstode and wiðstunedest;
swa ðu wiðstonde attre and onflyge
and þæm laðan þe geond lond fereð.

Deutsche Übersetzung:

Und du, Wegerich, Mutter der Kräuter,
nach Osten geöffnet, innen mächtig;
Karren fuhren über dich hinweg, Königinnen ritten über dich,
über dir weinten Bräute, schnaubten Ochsen.
Ihnen allen widerstehst und widerstandest du;
so widerstehst du auch Gift und Ansteckung
und dem Verhassten, der über das Land fährt.

(Vers 7–13 des Nine Worts Galdor aus der Lacnunga)

Was haben diese neun mächtigen Zauberkräuter aber nun mit der modernen Bedeutung der Redensart zu tun? Das erklärt sich durch die Art und Weise, in der diese Frühlingskräuter in Erscheinung treten. Wir können es jedes Jahr aufs Neue erleben. Sobald nach den langen, kalten und kargen Wintermonaten die erste warme Frühlingssonne die Landschaft erwärmt, erwacht die Frühlingskraft mit einem Schlag zum Leben. Man kann förmlich zugucken, wie das Leben in der Natur zurückkehrt. Teilweise wachsen von einem Tag auf den anderen ganze Pflanzenteppiche auf  Flächen, die am Tag zuvor noch mit Schnee bedeckt waren. Förmlich über Nacht sprießen Blätter und Kräuter an allen Ecken und Enden in der Natur. Es ist eine nach dem Trott der langen Winternächte unerwartete und plötzliche Erscheinung des wiedergeborenen Lebens. Und diese freudige Überraschung fand dann ihren Weg in den uns bekannten Ausruf: ach du grüne Neune!

Text: Fabian Kalis

Bilder: www.pixabay.com

Mit den ersten warmen Frühlingstagen kommen sofort die Gedanken an die schönen Dinge der warmen Jahreszeiten in einem auf: Sommersonne, Strand und Spaß im Freien. Was bei so einem Wetter natürlich nicht fehlen darf, ist ein kühles Eis. Besonders beliebt ist hier das klassische Sahneeis in der Eiswaffel. Ein süßes und leckeres Vergnügen für Groß und Klein. Worüber sich jedoch kaum einer einen Gedanken macht, ist die lange Kette an Produktionsschritten, die diesem fertigen Sommerspaß vorhergehen. Und den Anfang machen dabei nicht etwa die Kühe, die die Milch für die Sahneherstellung geben, es sind die Bienen. Sie sichern die Bestäubung der Pflanzen, die den Kühen als Nahrungsquelle dienen und so allen Milchprodukten zugrunde liegen. Und hier haben die Bienen teilweise einen ganz schön miesen Job. Die blühenden Wiesen mit summenden Bienen in strahlendem Sonnenschein mögen zwar ein romantisches Bild abgeben, im Verborgenen spielen sich hier aber ganz schön spannende Vorgänge ab. Und die Bienen haben dabei nicht immer zu Lachen.

Eine der wichtigsten Pflanzen in der Ernährung der Milchkühe ist die Luzerne (Medicago sativa auch Alfalfa genannt). Diese eiweißreiche Pflanze ist die Grundlage für fast alle Futtermittel für den Milchviehbetrieb. Die Inhaltsstoffe der Pflanze sorgen für eine vermehrte Milchbildung und verbessern so den Milchertrag. Die Kühe lieben diese Pflanze sowohl direkt von der Weide als auch verarbeitet im Futter. Auch die Bienen freuen sich über die vielen lilafarbenen Blüten, die auf den Alfalfafeldern ihren Nektar bereithalten.

Honigbiene an einer Alfalfablüte

Was genau ist nun aber das Problem an der ganzen Sache? Die Blüten der Luzerne haben eine ganz besondere Eigenschaft: Um die Vermehrung zu sichern, verlassen sie sich nicht auf das zufällige Hängenbleiben von Pollen im Borstenkleid der Bienen. Diese Blüten stellen sicher, dass jede Biene, die von dem kostbaren Nektar nascht auch eine große Ladung an Pollen zur nächsten Blüte trägt. Hierfür hat die Pflanze einen Mechanismus entwickelt, der eine geballte Ladung Pollen mit großem Schwung an den Kopf der Bienen schleudert. Die Bienen bekommen regelrecht von der Blüte einen Schlag ins Gesicht.

Die Landung von bestäubenden Insekten auf dem Schiffchen der Blüte lässt die Staubblätter hervorschnellen, die normalerweise unter den Flügeln der Blüte versteckt sind. Diese klappen mit großem Schwung nach unten und stempeln den Bestäubern eine erhebliche Ladung an Pollen auf den Kopf. Danach klappen sie wieder zurück in ihre normale Position, wo die empfindlichen Pollen gut geschützt auf ein nächstes Opfer warten.

Die Honigbienen sind von diesem Spektakel nicht sonderlich begeistert. Sie lernen sehr schnell, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, um hier an den Nektar zu gelangen. Nach einigen schmerzhaften Lernerfahrungen sammeln sie den Nektar seitlich vom Blüteninneren und vermeiden so die Auslösung des Mechanismus. Für die Blüten bleibt hier jedoch eine erfolgreiche Bestäubung aus. Dies hat zur Folge, dass lediglich 1 % der Blüten durch Bienen bestäubt werden.

Verschiedene Hummel Arten scheinen mit diesem Spektakel weniger Probleme zu haben. Sie sind die Hauptbestäuber der Luzerne und lassen sich von dem Schlag n den Kopf nicht beeindrucken. Auch solitär lebende Blattschneiderbienen (Megachile rotundata) sind effektive Bestäuber. Diese Bienenart ist die weltweit am meisten aktiv in der Landwirtschaft genutzte Solitärbienenart. Zur Sicherung einer erfolgreichen Bestäubung der großen Alflalfaanbauflächen werden daher bewusst Gegenden gewählt, in denen eine große Zahl an wild lebenden Hummel Arten vorkommt oder es werden künstlich eine große Menge an Blattschneiderbienen angesiedelt.

Denkt bei eurem nächsten Eisgenuss also ruhig einmal daran, wie viele Bienen hierfür einen Schlag ins Gesicht einstecken mussten.

Text: Fabian Kalis

Bild: Ivar Leidus, CC-BY-SA 4.0, <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de>, via Wikimedia Commons, es wurden keine Änderungen an dem Bild vorgenommen.

In der aktuellen Ausgabe (02/2021 März-April) des Magazins thcene, einer Zeitschrift der Hanfszene, ist ein 6 seitiges Interview mit mir erschienen. Kevin Johann interviewte mich über mein Buch, meine Arbeit als Imker und die Bienen. Das Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu erwerben. Es gibt auch eine Onlineausgabe. Mein Interview beginnt auf Seite 80. High on Honey lautet der Titel des Artikels. Den inhaltlichen Teil des Interviews finde ich gelungen, viele interessante Fragen wurden gestellt und von mir beantwortet und ich freue mich, über zahlreiche Leser.

Wovon ich mich jedoch an dieser Stelle ganz klar distanzieren möchte sind die Bilder, die dem Interview beigefügt sind. Hier wurde als Bildnachweis Fabian Kalis und Vanessa Michels angegeben. Keines der genutzten Bilder stammt aber von mir oder Vanessa Michels. Ganz besonders ärgert mich das Bild auf Seite 84, welches eine Art der Imkerei zeigt, die grundsätzlich im Gegensatz steht, zu allem wofür ich mit meiner Imkerei stehe. In der Art und Weise, wie dieses Bild aufgeführt ist (in Verbindung mit dem falschen Bildnachweis) vermittelt es dem Leser den Eindruck, es würde mich bei meiner Arbeit zeigen. Das ist jedoch nicht korrekt. Dieses Bild stammt nicht von mir oder in irgendeiner Form aus meiner Imkerei, es zeigt weder mich noch irgendetwas was mit meiner Imkerei zu tun hat und die Art und Weise, wie in diesem Bild geimkert wird lehne ich ausdrücklich ab. 

Schade, das der Verlag nicht die Bilder genutzt hat, die ich zur Verfügung gestellt habe. Diese hätten meine Arbeit in einem korrekten Bild gezeigt. Auch eine kurze Rücksprache vor Veröffentlichung hätte diesen Fehler vermeiden können.

Innerhalb des Tribus der Melliponini gibt es in der Gattung Triguna drei Arten von stachellosen, staatenbildenden Bienen, die eine für Bienen ganz besondere Nahrungsquelle für sich entdeckt haben. Es sind die Arten Trigona necrophaga, T. crassipes und T. hypogea. Der Artenname necrophaga setzt sich aus den griechischen Wörtern „nekros“ (Tod) und „phagein“ (essen). Diese Bienen sammeln zwar wie alle anderen Bienenarten auch Pflanzennektare, um daraus einen Honig zu produzieren, ihren Eiweißbedarf decken Sie aber nicht durch das Eintragen von Pollen. Diese Bienen sammeln hierfür die verwesenden Fleischüberreste toter Tiere. Es sind Aaßfresser. Diese speziellen Arten kommen ausschließlich in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik vor.

Die Bienen dringen meist über die Augen in die Kadaver ein und sammeln dann im Inneren das für sie beste Fleisch ab. Dieses wird zunächst eingespeichelt, sodass die körpereigenen Enzyme, das Fleisch vorverdauen, bevor es dann abgenagt, zerkaut und zerkleinert und in dem speziellen Honigmagen, den alle Bienen besitzen, und der normalerweise zum Transport von großen Nektarmengen genutzt wird, aufbewahrt und ins heimische Bienennest verbracht wird. Dort wird der fleischige Brei, der mittlerweile mit körpereigenen Enzymen der sammelnden Biene und Spuren von süßen Pflanzennektaren, die sich immer auch in den Honigmägen befinden, angereichert wurde, an die Arbeiter im Bienenvolk weitergegeben. Genau wie bei dem eingetragenen Nektar wird dieser Fleischbrei nun von Biene zu Biene gereicht und dabei immer mehr eingedickt und mehr und mehr mit Enzymen angereichert. Aus Nektar wird in diesem Prozess langsam der Honig. Der Fleischbrei wird so zusammen mit den geringen Mengen an Nektar aus den Honigmägen zu einem honigartigen zucker- und stark eiweißhaltiger Brei. Gleich dem fertigen Honig, wird dieser Fleischhonigbrei nun in Vorratsbehältern aus Wachs eingelagert. Man könnte sagen, es entsteht hier ein Honig, der zu großen Teilen aus vermottetem Fleisch besteht. Dieser spezielle Brei ist die Nahrung für den Bienennachwuchs. Die Larven brauchen die stark eiweißreiche Kost, um schnell heranzuwachsen und genug Reserven für ihre Metamorphose zu adulten Bienen anzulegen.

Verschiedene Insekten fressen an einem toten Tier.

Der fertige Fleischhonig hat eine dunkel grau-braune Farbe und einen säuerlichen Geschmack mit einer leichten Süße. Einige native Einwohner neotropischen Regionen, in denen diese Bienen leben, nutzen diesen speziellen Fleischhonig ebenfalls zu Nahrungszwecken. Er enthält weitaus weniger Zucker, als herkömmlicher Honig, der hohe Gehalt an tierischem Eiweiß macht ihn aber dennoch zu einer wertvollen Nahrungsquelle.

Dieser Honig ist wahrlich eine Kuriosität unter den besonderen Honigsorten. Zu gerne würde ich eine Kostprobe verköstigen. Leider bliebe mir dieses Vergnügen bisher verwehrt. In Bezug auf den ohnehin schwierigen rechtlichen Status von Honig uns artfremder Arten (siehe hierzu meinen Artikel Honig Diskriminierung) stellt dieser Honig eine besondere Schwierigkeit dar.

Die Nester der Gattung Trigona befinden sich meist in hohlen Baumstämmen oder kleinen Erdhöhlen. Sie bauen ihr Nester aus Bienenwachs, Propolis und Pflanzenharzen. Der Honig und Fleischbrei wird in großen eiförmigen Wachstöpfen gelagert, um die herum die kleinen Brutwaben angeordnet sind. Dabei werden reiner Honig aus Pflanzennektaren und Honigtau und der spezielle Fleischbreihonig nicht unbedingt getrennt voneinander aufbewahrt. Es entstehen daher oftmals Mischungen dieser beiden.

Text: Fabian Kalis

Bildnachweis: Luis Fernández García, CC BY-SA 2.5 ES <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/es/deed.en>, via Wikimedia Commons

In den warmen Monaten in Frühling und Sommer, wenn es in der Natur summt und brummt, wenn an den Blüten tausende Bienen zu sehen sind und es herrlich nach Sommer und Lebenskraft duftet, da ist es ein leichtes, sich vorzustellen, wie ein Imker mit seinen Bienen arbeitet, wie er Schwärme fängt, Bienenkästen und Körbe mit neuen Völkern bestückt, wie er die Bienenvölker inspiziert, nach vollen  Honigwaben schaut, um dann zur richtigen Zeit den kostbaren Honig zu ernten. Und ist es dann so weit und die Körbe und Kästen bersten fast vor vollen Honigwaben, dann wird geerntet, geschleudert, gepresst, gesiebt und abgefüllt. Ja das sind wahrlich arbeitsreiche Zeiten für einen Bienenhüter.

Zum Herbst hin müssen die Bienen mit Winterfutter aufgefüttert werden, es erfolgen die letzten Durchsichten vor der kalten Jahreszeit. Und in den Schuppen lagert noch die letzte Honigernte des späten Sommers, die darauf wartet gerührt, abgefüllt, abgewogen und etikettiert zu werden. Die Bienenstände müssen winterfest gemacht werden, Werkzeuge und leere Bienenkästen und Bienenkörbe verstaut und das Jahr zu einem guten Abschluss gebracht werden. Auch das können sich viele Menschen noch gut vorstellen.

Eingeschneiter moderner Bienenkasten aus Holz im Winter

Doch was ist eigentlich im Winter? In dieser kalten und stillen Zeit des Bienenjahres ist von den fleißigen Insekten nicht viel zu sehen. Ruhig und leblos wirken die eingeschneiten Kästen und Körbe in der eisigen Winterwelt. Kein Blümlein lockt die Honigsammler hervor, kein Summen erschallt am Flugloch und für einen Blick in das Innere der Bienenwelt ist es viel zu kalt. Es ist ganz klar, dass der Imker in dieser Zeit mit seinen Bienen selbst nicht viel zu tun hat. Da stellt sich für viele die Frage: Was macht ein Imker eigentlich im Winter? Die Vermutungen gehen dabei meist in Richtung Faulenzen in der warmen Stube im winterlichen Langzeiturlaub. Kurz gesagt: Der Imker muss im Winter wohl ziemlich arbeitslos sein.

Das stimmt natürlich nicht. Das Bienenjahr bietet auch in der kalten Zeit genug zu tun, um den Imker beschäftigt zu halten. In der traditionellen Heideimkerei, in der die Bienen in den typischen Bienenkörben, den Lüneburger Stülpern, gehalten wurde, war der Winter die Zeit für die Reparatur alter leerer Körbe, damit diese im nächsten Frühling wieder einsatzbereit für die vielen Schwärme und Jungvölker waren. Die aus Roggenstroh geflochtenen Bienenkörbe werden mit Bändern aus Brombeerranken oder Haselrinde zusammengebunden und mit einer Schicht aus Maibutter (dem ersten Kot der Rinder, wenn Sie im Frühling auf die Weiden kommen) bestrichen und viele dieser natürlichen Materialien werden im Laufe der Zeit spröde und lösen sich. Da musste ausgebessert und erneuert werden. Aus alten Körben mussten Wachsreste herausgekratzt werden und die äußere  Schicht, die die Strohkörbe vor Wettereinflüssen schützt, wurde abgeschrubbt, damit diese im Frühling frisch aufgetragen werden konnte. Auch galt es, die Anzahl an Körben, die nicht mehr repariert werden können, durch von Grund auf neu geflochtene Körbe zu ersetzten. Diese monotonen Arbeiten wurden in der warmen Stube am lodernden Kaminfeuer in winterlicher Meditation durchgeführt. In den warmen Bienenmonaten war für solch eine sehr zeitintensive Arbeit keine freie Stunde über.

Flechten von Bienenkörben aus langem Stroh. Eine typische Arbeit in Herbst und Winter.  Groß Britannien 1893

Ebenso war der Winter die Zeit, in der das Bienenwachs, welches nach der Ernte des Honigs mit großen hölzernen Wachspressen in rohe Wachsblöcke gepresst wurde, gereinigt und für die weitere Verarbeitung eingeschmolzen wurde. Hierzu nutze man die ohnehin im Winter brennenden Kamine und Öfen. Nur ein Narr wäre auf die Idee gekommen an warmen Sommertagen ein über stunden brennendes Feuer zum langsamen Einschmelzen von Wachs zu entzünden und somit das kostbare Feuerholz zu verschwenden. So war der Winter auch die Zeit zum Gießen und Ziehen von Kerzen. Gerade das Kerzenziehen ist ebenso wie das Korbflechten eine monotone und meditative Arbeit, die wunderbar in der warmen Stube auch im Schein von Kerzenlicht ausgeführt werden konnte.

Bienenkorb mit leeren, alten Bienenwaben

So saß der Imker, den Bienen gleich, in den Wintermonaten eingekehrt in die warme Stube, gut behütet vor den winterlichen Temperaturen ausharrend, bis der Frühling die Arbeit wieder ins Freie lockt. Und genau wie die Bienen, die zwar im Winter bei einem Blick auf die Körbe oder Kästen leblos wirken, die im Inneren innerhalb der Wintertraube aber emsig am Wärmen und Rotieren sind, damit jede Biene mal in die warme Mitte der Wintertraube kommt, und die bereits im Winter anfangen, die neuen jungen Bienen für den Frühling zu erbrüten, so war auch der Imker in seiner Ruhe nicht faul, sondern fleißig am Vorbereiten für das nächste Bienenjahr, damit bei den ersten warmen Sonnentagen im Frühling, das Leben voller Kraft wieder ins Freie ziehen kann und es dann an nichts fehlt.

Die Zeiten der traditionellen Heideimkerei sind natürlich längst vorüber und auch wenn es noch ein paar Idealisten gibt (z. B. mich selbst), die weiterhin mit den alten Körben imkern, so hat sich zumindest an den Lebensumständen der Menschen einiges getan. Dennoch ist der Winter auch für den modernden Imker gar nicht so unähnlich zu alten Zeiten. Auch in der modernen Imkerei gilt es nun die Bienenkästen und Körbe zu reparieren, neue Bienenebehausungen anzufertigen und alte leere Stöcke von Wachsresten zu befreien. In der konventionellen Imkerei, die mit beweglichen Holzrahmen arbeitet, in die Platten aus Bienenwachs eingelassen werden, ist das Anfertigen dieser Rähmchen und einlöten der Wabenplatten eine beliebte (von vielen auch eher eine ungeliebte, da sehr zeitaufwendige und monotone) Arbeit. Auch heute noch wird das über das Jahr angesammelte Wachs häufig in der Winterzeit aufbereitet und dann zu den in der Advents- und Weihnachtszeit besonders beliebten Bienenwachskerzen verarbeitet. Viele Imker produzieren jetzt im Winter ihren Kerzenvorrat für das nächste Jahr. Und häufig stehen auch noch viele volle Honigeimer in den Lagern, die jetzt, nachdem die ersten Gläser der letzten Ernte verkauft wurden und wieder Platz in den Regalen ist, abgefüllt und etikettiert werden müssen.

Und dann ist da natürlich auch noch die Vermarktung, die im Idealfall das ganze Jahr über nicht ruht.

Es gibt also auch im Winter genug für den Imker zu tun.

Text: Fabian Kalis

Bilder: Fabian Kalis / Internet Archive Book Images, No restrictions, via Wikimedia Commons / Simon Speed, CC0, via Wikimedia Commons