In den warmen Monaten in Frühling und Sommer, wenn es in der Natur summt und brummt, wenn an den Blüten tausende Bienen zu sehen sind und es herrlich nach Sommer und Lebenskraft duftet, da ist es ein leichtes, sich vorzustellen, wie ein Imker mit seinen Bienen arbeitet, wie er Schwärme fängt, Bienenkästen und Körbe mit neuen Völkern bestückt, wie er die Bienenvölker inspiziert, nach vollen Honigwaben schaut, um dann zur richtigen Zeit den kostbaren Honig zu ernten. Und ist es dann so weit und die Körbe und Kästen bersten fast vor vollen Honigwaben, dann wird geerntet, geschleudert, gepresst, gesiebt und abgefüllt. Ja das sind wahrlich arbeitsreiche Zeiten für einen Bienenhüter.
Zum Herbst hin müssen die Bienen mit Winterfutter aufgefüttert werden, es erfolgen die letzten Durchsichten vor der kalten Jahreszeit. Und in den Schuppen lagert noch die letzte Honigernte des späten Sommers, die darauf wartet gerührt, abgefüllt, abgewogen und etikettiert zu werden. Die Bienenstände müssen winterfest gemacht werden, Werkzeuge und leere Bienenkästen und Bienenkörbe verstaut und das Jahr zu einem guten Abschluss gebracht werden. Auch das können sich viele Menschen noch gut vorstellen.

Doch was ist eigentlich im Winter? In dieser kalten und stillen Zeit des Bienenjahres ist von den fleißigen Insekten nicht viel zu sehen. Ruhig und leblos wirken die eingeschneiten Kästen und Körbe in der eisigen Winterwelt. Kein Blümlein lockt die Honigsammler hervor, kein Summen erschallt am Flugloch und für einen Blick in das Innere der Bienenwelt ist es viel zu kalt. Es ist ganz klar, dass der Imker in dieser Zeit mit seinen Bienen selbst nicht viel zu tun hat. Da stellt sich für viele die Frage: Was macht ein Imker eigentlich im Winter? Die Vermutungen gehen dabei meist in Richtung Faulenzen in der warmen Stube im winterlichen Langzeiturlaub. Kurz gesagt: Der Imker muss im Winter wohl ziemlich arbeitslos sein.
Das stimmt natürlich nicht. Das Bienenjahr bietet auch in der kalten Zeit genug zu tun, um den Imker beschäftigt zu halten. In der traditionellen Heideimkerei, in der die Bienen in den typischen Bienenkörben, den Lüneburger Stülpern, gehalten wurde, war der Winter die Zeit für die Reparatur alter leerer Körbe, damit diese im nächsten Frühling wieder einsatzbereit für die vielen Schwärme und Jungvölker waren. Die aus Roggenstroh geflochtenen Bienenkörbe werden mit Bändern aus Brombeerranken oder Haselrinde zusammengebunden und mit einer Schicht aus Maibutter (dem ersten Kot der Rinder, wenn Sie im Frühling auf die Weiden kommen) bestrichen und viele dieser natürlichen Materialien werden im Laufe der Zeit spröde und lösen sich. Da musste ausgebessert und erneuert werden. Aus alten Körben mussten Wachsreste herausgekratzt werden und die äußere Schicht, die die Strohkörbe vor Wettereinflüssen schützt, wurde abgeschrubbt, damit diese im Frühling frisch aufgetragen werden konnte. Auch galt es, die Anzahl an Körben, die nicht mehr repariert werden können, durch von Grund auf neu geflochtene Körbe zu ersetzten. Diese monotonen Arbeiten wurden in der warmen Stube am lodernden Kaminfeuer in winterlicher Meditation durchgeführt. In den warmen Bienenmonaten war für solch eine sehr zeitintensive Arbeit keine freie Stunde über.

Ebenso war der Winter die Zeit, in der das Bienenwachs, welches nach der Ernte des Honigs mit großen hölzernen Wachspressen in rohe Wachsblöcke gepresst wurde, gereinigt und für die weitere Verarbeitung eingeschmolzen wurde. Hierzu nutze man die ohnehin im Winter brennenden Kamine und Öfen. Nur ein Narr wäre auf die Idee gekommen an warmen Sommertagen ein über stunden brennendes Feuer zum langsamen Einschmelzen von Wachs zu entzünden und somit das kostbare Feuerholz zu verschwenden. So war der Winter auch die Zeit zum Gießen und Ziehen von Kerzen. Gerade das Kerzenziehen ist ebenso wie das Korbflechten eine monotone und meditative Arbeit, die wunderbar in der warmen Stube auch im Schein von Kerzenlicht ausgeführt werden konnte.

So saß der Imker, den Bienen gleich, in den Wintermonaten eingekehrt in die warme Stube, gut behütet vor den winterlichen Temperaturen ausharrend, bis der Frühling die Arbeit wieder ins Freie lockt. Und genau wie die Bienen, die zwar im Winter bei einem Blick auf die Körbe oder Kästen leblos wirken, die im Inneren innerhalb der Wintertraube aber emsig am Wärmen und Rotieren sind, damit jede Biene mal in die warme Mitte der Wintertraube kommt, und die bereits im Winter anfangen, die neuen jungen Bienen für den Frühling zu erbrüten, so war auch der Imker in seiner Ruhe nicht faul, sondern fleißig am Vorbereiten für das nächste Bienenjahr, damit bei den ersten warmen Sonnentagen im Frühling, das Leben voller Kraft wieder ins Freie ziehen kann und es dann an nichts fehlt.
Die Zeiten der traditionellen Heideimkerei sind natürlich längst vorüber und auch wenn es noch ein paar Idealisten gibt (z. B. mich selbst), die weiterhin mit den alten Körben imkern, so hat sich zumindest an den Lebensumständen der Menschen einiges getan. Dennoch ist der Winter auch für den modernden Imker gar nicht so unähnlich zu alten Zeiten. Auch in der modernen Imkerei gilt es nun die Bienenkästen und Körbe zu reparieren, neue Bienenebehausungen anzufertigen und alte leere Stöcke von Wachsresten zu befreien. In der konventionellen Imkerei, die mit beweglichen Holzrahmen arbeitet, in die Platten aus Bienenwachs eingelassen werden, ist das Anfertigen dieser Rähmchen und einlöten der Wabenplatten eine beliebte (von vielen auch eher eine ungeliebte, da sehr zeitaufwendige und monotone) Arbeit. Auch heute noch wird das über das Jahr angesammelte Wachs häufig in der Winterzeit aufbereitet und dann zu den in der Advents- und Weihnachtszeit besonders beliebten Bienenwachskerzen verarbeitet. Viele Imker produzieren jetzt im Winter ihren Kerzenvorrat für das nächste Jahr. Und häufig stehen auch noch viele volle Honigeimer in den Lagern, die jetzt, nachdem die ersten Gläser der letzten Ernte verkauft wurden und wieder Platz in den Regalen ist, abgefüllt und etikettiert werden müssen.
Und dann ist da natürlich auch noch die Vermarktung, die im Idealfall das ganze Jahr über nicht ruht.
Es gibt also auch im Winter genug für den Imker zu tun.
Text: Fabian Kalis
Bilder: Fabian Kalis / Internet Archive Book Images, No restrictions, via Wikimedia Commons / Simon Speed, CC0, via Wikimedia Commons









Auch die christliche Kirche, die ja das Räuchern lange Zeit als heidnisches Teufelswerk verschrien hat, konnte die reinigenden und schützenden Aspekte einiger Räucherdüfte irgendwann nicht mehr ignorieren. Die großen Kirchen waren Zufluchtsort für Kranke und Sterbende. Man kann sich gut vorstellen, dass hier, insbesondere in Zeiten, in denen Hygiene einen sehr niedrigen Stellenwert in der Gesellschaft hatte, ein Sammelbecken von Infektionskrankheiten entstand. Wer gesund war und in die Kirche ging, konnte sich sehr leicht mit einer unschönen Krankheit anstecken. Zunächst war es dem Gestank geschuldet, denn ein Treffpunkt kranker, sterbender und ungepflegter Menschen, der die Kirchen ja waren, glänzte nicht unbedingt mit Wohlgerüchen, dass die Kirche begann das einst verteufelte Räucherwerk in den eigenen Reihen zu nutzen. Bei einem solch widerlichen Ambiente und der Angst, dass man ebenfalls von den Krankheiten befallen werden würde, schwand nämlich die Zahl der Besucher in den Kirchen. Es mangelte an Kundschaft. Und ohne Kundschaft, die ihr weniges Geld zum Sündenerlass der Kirche in den Rachen warf, drohte die Stellung der Kirche zu fallen. Eine Lösung musste her. Kurzerhand wurde insbesondere der Weihrauch, der ja schließlich schon dem Jesuskind geschenkt wurde, zu etwas heiligem erklärt und die Kirchen damit ausgeräuchert. Der neue Wohlduft frischte das schlechte Image der Krichen wieder auf und lockte viele neue Besucher in die kalten Hallen. Wie so vieles, wurde auch das Räuchern so von einem verbotenen Teufelstreiben zu etwas tugendhaften und christlichen gewandelt und von der Kirche adaptiert.




